VERSUCH MIT EXOTEN

Wie im Süden: Försters Feigen sollen fruchten

Ein Fachmann sieht die Angelegenheit kritisch. Aber Karsten Förster hat sich nicht entmutigen lassen. Er hat gerade ein Versuchsfeld angelegt. Auf diesem wachsen Pflanzen, die in der Region nicht heimisch sind.
Karsten Förster zeigt eine der Feigenpflanzen, die seit wenigen Wochen auf einer Fläche in Rattey wachsen. In drei J
Karsten Förster zeigt eine der Feigenpflanzen, die seit wenigen Wochen auf einer Fläche in Rattey wachsen. In drei Jahren hofft er, das erste Mal Früchte ernten zu können. Marlies Steffen
Eine Feigenpflanze, die im Kübel gewachsen ist. Eine ähnliche Größe erhofft sich Karsten Förster auc
Eine Feigenpflanze, die im Kübel gewachsen ist. Eine ähnliche Größe erhofft sich Karsten Förster auch von den Feigen, die er vor wenigen Wochen im Freiland pflanzte. Marlies Steffen
Rattey.

Das Projekt ist nicht für Feiglinge geeignet, es klingt eher mutig und ambitioniert: Im Weindorf Rattey wachsen seit März kleine, unscheinbare Stengel gen Himmel. Es handelt sich um Feigenpflanzen, die Karsten Förster, der ehemalige Miteigentümer des Schlosshotels Rattey, in die Erde gesetzt hat. Es ist ein Versuch, von dem der Mitbegründer des Weinanbaus in Rattey hofft, dass er von Erfolg gekrönt ist. „Als wir vor 21 Jahren Weinreben pflanzten, wurden wir teils auch als Spinner bezeichnet“, erinnert Förster.

Skepsis beim Fachmann

Die Pflanzen hat er von einer Gärtnerei aus Baden-Württemberg bekommen. Christoph Seiler aus Altlußheim im Rhein-Neckar-Kreis ist ein Feigenliebhaber, hat sein Wissen zu diesem Thema schon in einem Buch verewigt. Aus Seilers Passion ist zwischenzeitlich eine ganze Baumschule entstanden, in der ausschließlich die Pflanze aus der Familie der Maulbeergewächse wächst. Rund 30 Sorten zählt das Sortiment. Christoph Seiler sei zunächst der Meinung gewesen, dass die Feigen im immer noch etwas kühleren norddeutschen Klima in Rattey keinen Fuß in die Erde bekommen. Karsten Förster ließ sich aber von den Zweifeln nicht entmutigen. Vier verschiedene Feigensorten, die als besonders winterhart gelten, wurden für das Ratteyer Klima auserkoren: die Blaue Pfälzer Fruchtfeige, Doree, Ronde de Bordeaux und Piccolo Nero.

Zu spät für Spätfröste

Nach Wochen des Wartens hat der Ratteyer Feigenanbauer jetzt das erste Mal aufgeatmet. Die Pflanzen treiben aus, sie tragen kleine Knospen. Bis der Versuch aber Früchte trägt, wird noch einige Zeit ins Land gehen, sagt Karsten Förster. Frühestens in drei Jahren könne es die erste Feigenernte geben. Den Standort in Rattey hält er für geeignet. Schließlich sei hier auch der Wein gewachsen. Die Feigen würden zudem erst im Juni austreiben, sodass sie durch die gefürchteten Spätfröste im Mai nicht gefährdet seien. Karsten Förster liebt die aromatischen und sehr süßen Früchte. Der Anbau ist also zunächst für den Eigenbedarf bestimmt. Aber von dem Neuland, dass er derzeit beschreitet, erhofft er sich auch Effekte für den neuen Ratteyer Schloss- und Weingut-Eigentümer, die Ölmühle Usedom, die auf die Verarbeitung von Früchten setzt.

Palmen haben durchgehalten

Die Feigen sind im Übrigen nicht die ersten Exoten, mit denen sich Karsten Förster beschäftigt. Auch Palmen hat er in Rattey schon in die Erde gesetzt. „Rund um ihre Schlösser haben sich die Eigentümer von einst gern mit einem südlichen Flair umgeben“, verdeutlicht er. Die Palmen – es handelt sich um chinesische Hanfpalmen, die vor elf Jahren gepflanzt wurden – haben bislang auch durchgehalten. Allerdings hat sich Förster vom Wetter, das auch manchmal kalt war, nicht auf die Palme bringen lassen. Er setzt auf Nummer sicher und versah die Wurzeln mit einer Art Elektroheizung, die im Bedarfsfall eingeschaltet werden kann. Außerdem können die Bäume eine Schutzhülle bekommen. Diesen Aufwand wird er aber mit dem Feigenfeld nicht betreiben, kündigt Karsten Förster an.

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