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Pagelseebrücke gammelt dem Abriss entgegen

Das Wunder vom Pagelsee hat endgültig ausgedient. Das Nationalparkamt lässt die Brücke zurückbauen. Denn sie ist mittlerweile auch eine Gefahr für Wasserwanderer.
Beim Entfernen der Bretter zeigte sich das ganze Ausmaß der Verwitterung an der Pagelseebrücke
Beim Entfernen der Bretter zeigte sich das ganze Ausmaß der Verwitterung an der Pagelseebrücke Matthias Hellmund
Krienke.

Nun schafft das Nationalparkamt Tatsachen. Die Pagelseebrücke bei Krienke wird zurückgebaut. Für die vielen freiwilligen Helfer aus den Dörfern der Gemeinde Kratzeburg, die vor knapp zehn Jahren das Holzbauwerk errichtet haben, ist dieser Anblick schwer zu ertragen.

Für sie ist die Pagelseebrücke nicht irgendeine Verbindung zwischen zwei Ufern im Müritz-Nationalpark. Aus eigener Kraft haben sie die 80 Meter lange Holzbrücke 2008 neu gebaut. Denn schon damals stemmten sich die Kratzeburger gegen die Entscheidung des Nationalparkamtes, das die Brücke – einst von Pionieren der Sowjetarmee errichtet – 2007 wegen Baufälligkeit sperren ließ. Der zehnmonatige Kraftakt hatte die Dorfgemeinschaft zusammengeschweißt und wurde als Wunder vom Pagelsee gefeiert.

Gemeinde machte immer wieder auf Reparaturbedarf aufmerksam

Mit diesem Wunder ist es nun vorbei. Um so bitterer, weil es so weit nicht hätte kommen müssen, wie Bürgermeister Guntram Wagner überzeugt ist. Denn die Gemeinde hatte den Nationalpark – er ist Eigentümer der Brücke – immer wieder auf den Reparaturbedarf aufmerksam gemacht. „Wir wurden nicht erhört“, sagt Wagner. 2018 ließ der Nationalpark die Brücke kurzerhand schließen, damals noch mit der Aussicht, sie 2019 sanieren zu lassen. Nachdem aber ein Gutachter den Bau gründlich untersucht hatte, war davon keine Rede mehr.

Nun setzte ein Tauziehen zwischen Gemeinde und Nationalpark ein, ob es einen Neubau gibt und wer diesen finanziert. Als es weder vom Nationalparkamt noch vom Land klare Bekenntnisse zum Neubau gab, entschied die Gemeinde, die Sache selber in die Hand zu nehmen. Um nicht in Konflikt mit dem Grundstückseigentümer zu kommen – dem Nationalpark –, soll eine Pontonbrücke errichtet werden. Die geschätzten Kosten von 150.000 Euro kann und will die Gemeinde nicht alleine aufbringen und setzt hier auf Fördermittel.

„So schlimm hatte ich es mir nicht vorgestellt”

Wie das Nationalparkamt informiert, wurde die Brücke nicht nur für Fußgänger zur Gefahr, sondern zunehmend auch für Wasserwanderer. Unter der Brücke verläuft eine Wasserwanderstrecke. Um die Gefahr von herunterstürzenden Teilen an der Pagelseebrücke zu minimieren, tragen Mitarbeiter des Nationalparkamtes nun die Beplankung und Handläufe ab. „Nur so kann die Strecke unter der Brücke weiterhin offen bleiben“, erklärt Amtssprecher Armin Liese.

Kratzeburgs Bürgermeister Guntram Wagner hat sich bereits ein Bild von den Abrissarbeiten gemacht und muss zugeben, dass er vom Ausmaß der Schäden überrascht ist. „So schlimm hatte ich es mir nicht vorgestellt. Aber das zeigt, dass wohl künftig nie mehr Holzbrücken gebaut werden“, sagt er.

 

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