Reform vom Tisch

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Neustrelitzer glücklich über Theater-Entscheidung

Das Mehrspartentheater in Neustrelitz ist gesichert. Für alle, die sich in den vergangenen Jahren dafür eingesetzt haben, ist diese Nachricht natürlich ein Grund zum Feiern.
Das Mehrspartentheater in Neustrelitz ist gesichert. Für alle, die sich in den vergangenen Jahren dafür eingesetzt haben, ist diese Nachricht natürlich ein Grund zum Feiern.
Alexander Block

Die Freude über ein gesichertes Mehrspartentheater ist in Neustrelitz groß. Die Entscheidung der Landesregierung wird gefeiert.

Feierstimmung bei den Freunden und Förderern des Landestheaters in Neustrelitz: Am Tag, nachdem die Landesregierung in Schwerin ihre umstrittenen Reformpläne für die Theater in Mecklenburg-Vorpommern verworfen und beschlossen hatte, alle vier Mehrspartenhäuser im Land zu erhalten, wurden in Neustrelitz erste Pläne geschmiedet, wie und wann die frohe Botschaft gebührend gefeiert werden kann.

„Erst forderten wir, jetzt feiern wir“, sagte Gerlinde Marquardt von der Publikumsinitiative Pro Theater am Mittwoch. „Die Entscheidung muss auf jeden Fall gefeiert werden.“ Die Freudenparty solle möglichst bald stattfinden und werde öffentlich sein. Gegenwärtig würden Absprachen getroffen und Vorbereitungen laufen. „Wir können glücklich sein, dass die Reform nun endlich vom Tisch ist. Wir haben lange auf dieses Signal gewartet, und nun kam es doch überraschend.“ Das Einlenken der Landesregierung zeige ihr, „dass sich Bürgerengagement lohnen kann“. Und: „Es hat sich ausgezahlt. So stelle ich mir gelebte Demokratie vor.“

Verein: Ein Geschenk

„Mit der Unterzeichnung der Absichtserklärung wurde durch das Land eine völlig neue Seite in der Theaterförderung aufgeschlagen“, sagte der Neustrelitzer Bürgermeister, Andreas Grund. „Ich habe den Eindruck, dass darin ein neues Grundverständnis für die Bedeutung der Theater in unserem Tourismusland und für die Bürger, die ihre Theater schätzen, zum Ausdruck kommt.“

„Aus meiner Sicht kam das nicht überraschend, was die Freude aber nicht mindert“, sagte Marco Zabel vom Theaterförderverein. „Wenn ich an das Treffen im Dezember mit dem damaligen Ministerpräsidenten Erwin Sellering denke, dann ist der Juni 2018 ein Quantensprung und Anlass zu großer Freude. M-V sichert seine Theaterkultur langfristig. Für Neustrelitz ist das eine gute Ausgangslage, ein Geschenk, das man nutzen muss. Das ist ein Schatz, den wir hegen müssen.“

Denn die Arbeit ist nach Ansicht vieler damit nicht getan. „Die Bestandssicherung der Theater, die Dynamisierung der Zuschüsse und die schrittweise Rückkehr zum Flächentarif sind eine gute Nachricht“, so Andreas Grund. „Gutes Theater und eine gute Bezahlung der Theaterschaffenden waren und sind ja die erklärten Ziele der Theaterträger. Dazu bekennt sich nun auch das Land. Das Papier ist eine gute gemeinsame Basis und schafft endlich Klarheit, wie wir weitermachen können.“

Jetzt Besetzung klären

Nach Einschätzung von Marco Zabel sind die nächsten wichtigen Schritte die Besetzung der Intendanz, der Geschäftsführung und der Operndirektion. „Jetzt muss ein Personalkonzept für die nächsten zehn Jahre erarbeitet werden.“ Das Theaternetzwerk pocht weiter auf eine bessere Bezahlung der Mitarbeiter. „Die Mitarbeiter brauchen einen angemessenen Tarifvertrag. Das Geld soll ankommen, wo es hingehört“, sagte Netzwerk-Sprecher Thomas Kowarik. Gerlinde Marquardt versprach: „Wir werden die Hände nicht in den Schoß legen.“

Das Land stockt seine Zuschüsse an die Theater von 36 auf 40 Millionen Euro auf und sorgt künftig für eine Anhebung um 2,5 Prozent. Die kommunalen Träger verpflichten sich im Gegenzug, die Mittel für ihre Theater ebenfalls zu erhöhen und damit eine tarifliche Entlohnung der Mitarbeiter zu ermöglichen.