HÜBSCHE HÄUSER

Ist diese Fassade die schönste in ganz Neustrelitz?

Wer mit offenen Augen durch die Straßen geht, der findet so manch einen besonderen Schatz. Dazu gehört die Jugendstilfassade in der Glambecker Straße.
Die einzigartige Jugendstil-Fassade des Hauses in der Glambecker Straße ist ein beliebtes Fotomotiv.
Die einzigartige Jugendstil-Fassade des Hauses in der Glambecker Straße ist ein beliebtes Fotomotiv. Martina Schwenk
Mitte der 1990er war das Haus stark heruntergekommen, die Fassade kaum mehr vorhanden.
Mitte der 1990er war das Haus stark heruntergekommen, die Fassade kaum mehr vorhanden. privat
Neustrelitz.

Die Residenzstadt bietet ganz unterschiedliche Baustile, von Barock bis Moderne ist alles dabei. Eine der wenigen Fassaden im Jugendstil (1890 bis 1914) ist in der Glambecker Straße 3 in der Nähe des Marktplatzes zu finden. Hinter dem außergewöhnlichen Aussehen steckt eine bewegte Geschichte, wie aus den Unterlagen des heutigen Hausbesitzers, des Neustrelitzer Unternehmers Bernd Werdermann, hervorgeht.

Denn beinahe wäre die historische Fassade verloren gegangen. Ihre Geschichte geht zurück in das Jahr 1909. Damals stand bereits ein Haus in der Glambecker Straße, erbaut gegen Ende des 18. Jahrhunderts als eingeschossiges Fachwerkhaus. 1889 wurde das Gebäude ausgebaut und aufgestockt, aus der alten Bäckerei wurde die Gaststädte „Deutsches Haus“. Einige Jahre später, 1907/08, kaufte August Selig, der die Gastwirtschaft betrieb, das Haus.

Zahn der Zeit nagte an Gebäudesubstanz

Zu der Zeit war das Gebäude bereits baufällig. Im Jahr 1909 wurde August Selig eine Baugenehmigung für die Neugestaltung der Vorderansicht des Hauses erteilt. Für den Auftrag gewann Gastwirt Selig den Architekten K. Hüttner aus Altstrelitz. Dieser entwarf besagte Jugendstilfassade.

Mitte der 1950er kam zu der Gastwirtschaft eine Pension hinzu. Doch mit den Jahrzehnten nagte der Zahn der Zeit an der Substanz des Gebäudes. Als das Haus 1996 von Bernd Werdermann gekauft wurde, war die einst stolze Fassade bereits stark verschlissen, die Mauer neigte sich.

Ursprungs-Initialen wieder hergestellt

Wie ein Gutachter in der denkmalpflegerischen Zielstellung festhielt, zeugte der desolate Zustand des Gebäudes von der starken Vernachlässigung in den vergangenen Jahrzehnten. „Das Haus selbst konnte nicht gerettet werden, dafür aber die Fassade“, sagt Bernd Werdermann. Mit viel Aufwand wurde die Mauer der Fassade gestützt, das alte Haus abgerissen und ein neues aufgebaut. Auch in Penzlin war jüngst eine Hausfassade spektakulär renoviert worden.

Was von der ursprünglichen Fassade noch zu retten war, wurde erhalten. Mit Hilfe von alten Aufzeichnungen und Fotografien wurde der frühere Glanz des Hauses bis ins Detail rekonstruiert. Selbst die Initialen von August Selig und der Name des Architekten, der sich ursprünglich in der Fassade verewigt hatte, wurden wieder hergestellt. Ziegel mussten extra gefertigt und das Buntglasfenster importiert werden. Ein Aufwand, der sich gelohnt hat. „Dies ist eine der bekanntesten Jugendstilfassaden in Norddeutschland“, sagt Bernd Werdermann.

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