Literatur

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Falladas Sohn bringt Briefe mit nach Neustrelitz

Am Sonntag liest Hans Falladas Sohn Achim Ditzen im Landestheater in Neustrelitz.  
Am Sonntag liest Hans Falladas Sohn Achim Ditzen im Landestheater in Neustrelitz.
NK-Archiv

Der 78-Jährige zitiert am Sonntag aus Briefen, die sein Vater mit dessen Schwestern wechselte. Darin geht es um die Literatur, aber auch um allerhand Privates.

Hans Falladas Sohn Achim Ditzen ist am Sonntag, dem 14. Oktober, im Theater in Neustrelitz zu Gast. Er liest im Rangfoyer aus dem Buch „Ohne Euch wäre ich aufgesessen: Geschwisterbriefe“. In den Briefen, die Rudolf Ditzen alias Hans Fallada mit seinen Schwestern Elisabeth und Margarete wechselte, spiegeln sich das wechselvolle Leben des Schriftstellers und zugleich 20 Jahre bewegte deutsche Geschichte wieder, so Theater-Sprecherin Wenke Dreffien. Es sei eine eindrückliche und spannende Lektüre, zusammengestellt von Achim Ditzen. Das Buch ist kürzlich im Aufbau-Verlag erschienen.

Die Zuhörer dürfen sich am Sonntag auf Auszüge aus drei Zeitetappen freuen, verriet Achim Ditzen am Mittwoch im Nordkurier-Gespräch. „Die ersten Briefe stammen aus seiner Zeit im Gefängnis in Neumünster, aus den Jahren 1928 und 1929. Durch die Hilfe seiner Eltern und durch Vermittlung des Gefängnisdirektors hatte er eine feste Anstellung bei einer Zeitung gefunden. In dieser Zeit hat er seine Schwestern gebeten, wieder Kontakt mit ihnen haben zu dürfen“, berichtet Achim Ditzen.

Als der Autor einen Zahnarzt verprügelt hat

Im Dezember 1928 schrieb Fallada seiner ältesten Schwester: „Ich bitte Euch zu diesem Weihnachtsfeste, wenn auch noch nicht zu vergeben und zu vergessen, mir doch noch ein letztes Mal eine Möglichkeit zu geben.“ Beide Schwestern hätten sehr positiv reagiert und geantwortet, „wir fühlen uns nicht als Vertreterinnen des Staates, die über Deine Vergangenheit zu urteilen haben“. Elisabeth schrieb am Neujahrstag: „Wir wollen doch lieber nur an die Zukunft denken.“

In der zweiten Etappe geht es um Briefe aus den 30er Jahren. „In dieser Zeit hatte er schon Haus und Grundstück in Carwitz, baute das Haus auf und aus und hat sich sehr wohlgefühlt“, sagt Achim Ditzen. In Falladas Briefen sei es viel um Literatur, aber auch um Privates gegangen. „Er berichtete, dass die New York Times ein Bild von ihm haben möchte und dass sich die Berliner Illustrierte für ihn interessiert. Und er erzählte von einer Zahnbehandlung in Berlin, bei der die Betäubung nicht richtig gewirkt hat. Da sei er aufgesprungen und habe den Zahnarzt verprügelt.“

Schauspieler stellt Morphinisten-Buch vor

Danach geht es um die 40er Jahre, die Kriegszeit. „Diese Zeit war dadurch gekennzeichnet, dass die Veröffentlichungsmöglichkeiten abnahmen. Es gab kaum Papier, darum hat er hauptsächlich für den Film gearbeitet. Dass daraus nicht viel wurde, ist ein anderes Blatt.“ Achim Ditzen freut sich auf die Lesung in Neustrelitz. Der 78-Jährige fühlt sich mit Carwitz und dem Strelitzer Land verbunden. „Ich hoffe, dass ich die Leute am Sonntag nicht langweile“, sagte er.

Im zweiten Teil des literarischen Nachmittags liest Schauspieler Michael Goralczyk aus Falladas Buch „Sachlicher Bericht über das Glück, ein Morphinist zu sein“. „So beeindruckend offen und suggestiv wie in keinem anderen literarischen Text erzählt Fallada von den Zwängen eines Morphinisten: Die Euphorie des Rausches und das Desaster danach kannte er aus eigener Erfahrung“, heißt es vom Aufbau-Verlag, der das Buch herausgegeben hat. Fallada berichte von seiner Haft und vor allem von Erlebnissen mit den eigenen Kindern.

Die Lesung beginnt um 16 Uhr. Karten gibt es im Theaterservice in der Glambecker Straße oder auf der Internetseite www.theater-und-orchester.de.