MAIS-ERNTE

Anschlag auf Bauern in der Seenplatte

Einem Landwirt bei Mirow ist ein großes Eisenteil ins Schneidwerk geraten. Es wurde offenbar absichtlich platziert. Selbst die Polizei spricht von einem noch nie da gewesenem Vorfall.
Mit Kabelbindern wurde dieses Spatenblatt an eine Maispflanze gebunden. Das hätte ein Unglück geben können.
Mit Kabelbindern wurde dieses Spatenblatt an eine Maispflanze gebunden. Das hätte ein Unglück geben können. Privat
Einem Bauern ist bei der Ernte ein Eisenteil ins Mähwerk geraten. Er geht von einem Anschlag aus. Die Polizei ermittelt.
Einem Bauern ist bei der Ernte ein Eisenteil ins Mähwerk geraten. Er geht von einem Anschlag aus. Die Polizei ermittelt.
Seenplatte.

Matthias Schmidt vom Bauernverband Müritz ist schockiert. Auf einen Bauern bei Mirow wurde ein Anschlag verübt. Unbekannte haben das Blatt eines Spatens an eine Maispflanze gebunden. Wäre der Plan aufgegangen, hätte sich das Eisenteil bei der Ernte am Sonntag in ein zerstörerisches Geschoss verwandeln können.

Die Messer des Häckslers hätten den Spaten in Hunderte messerscharfe Splitter zerlegt, da ist sich Matthias Schmidt sicher. Unkontrollierbar und mit rasender Geschwindigkeit wären die Splitter umher geschossen.

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Der Interessenvertreter der Bauern beschreibt ein Horrorszenario: „Wenn Eisen auf Eisen trifft, ist das zerstörerisch. Der Häcksler mit bis zu 18 Messern rotiert mehr als tausendmal pro Minute. Da werden unvorstellbare Kräfte frei. Die Splitter hätten den Fahrer vom Bock holen, den Traktorfahrer daneben erwischen, eine Familie auslöschen können, die zufällig am Feldrand steht, Radfahrer oder Spaziergänger treffen können. Und wenn es nur den Hund erwischt hätte, wäre dies auch schon schlimm genug.“ Und genauso gut hätte nach Einschätzung von Matthias Schmidt der Spaten auch den Häcksler demolieren können.

Bauer spricht von Sabotage

Das wäre genauso fatal, denn dann würden entweder Messer umherfliegen oder der Häcksler würde eine Unwucht bekommen. „Da stecken wahnsinnige Kräfte drin mit bis zu 800  PS. Schließlich soll jedes einzelne Korn zerschlagen werden. Der Häcksler arbeitet so schnell, dass eine Sogwirkung entsteht und die Körner oben aus dem Rohr fliegen. Sonst würde man wie früher noch mit einem Förderband arbeiten müssen. Eine Unwucht hätte den Mähdrescher zerlegt, auf dem oben fast über dem Schneidwerk ein Mann sitzt“, beschreibt Matthias Schmidt den Worst Case. Er ist erschüttert.

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„Das wäre ein Drama geworden. Das war bösartig, Sabotage.“ Von einem Dumme-Jungen-Streich könne man in diesem Fall wirklich nicht reden. Zum Glück kam es nicht zum Äußersten.

Denn der Landwirt hatte einen Schutzengel in Form eines Metalldetektors. Das Gerät erkannte den Fremdkörper. Umgehend stoppte die Maschine und ging aus. Das war die Rettung. Spaten samt Kabelbinder wurden später im Schneidwerk gefunden, ohne dass sie nennenswerten Schaden angerichtet hatten. Das funktioniert aber nicht in jedem Fall, sagt Matthias Schmidt. Ältere Erntemaschinen hätten zum Beispiel gar keine Metalldetektoren. Außerdem würde nicht jedes Metall registriert. „Edelstahl ist nicht magnetisch, den erkennt der Detektor nicht. Oder wenn das Metall in einem Bündel aus mehreren Maispflanzen ist, kann das Signal zu schwach sein.“ Ein Metalldetektor könne Unfälle also nicht in jedem Fall verhindern.

Bauernverband: „Wir können über alles reden.“

Die Bauern würden so vor- und umsichtig wie möglich arbeiten, doch ein Restrisiko bleibe immer, erst Recht bei einer absichtlichen Störung. „Wir können nicht jede einzelne Maispflanze kontrollieren. Wir müssen Nahrung produzieren für Menschen und Tiere.“ Dass jemand einen Stock ins Feld stellt, Knüppel oder Steine auf den Acker wirft, sei schon vorgekommen und schlimm genug. Aber von einem derart arglistigen Angriff habe er noch nie gehört.

Polizeisprecherin Diana Mehlberg auch nicht. „Ich kann mich nicht erinnern, dass so etwas schon mal vorgekommen ist.“ Die Ermittlungen zum Vorfall würden laufen. Diebe hätten es öfter mal auf Landwirtschaftsmaschinen abgesehen, aber Angriffe auf Leib und Leben seien ihr nicht bekannt. Matthias Schmidt appelliert an alle, bei etwaigen Problemen das Gespräch mit den Bauern zu suchen, anstatt heimtückisch zu werden. „Was auch immer irgendjemandem nicht gefallen könnte, wir können über alles reden.“

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