Gefährliche Körperverletzung

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Opfer sagt im Messerstecher-Prozess aus

Im Justizzentrum in Neubrandenburg, auch Sitz des Landgerichts, ist am Mittwoch der Prozess wegen des Verdachts des zweifachen versuchten Mordes fortgesetzt worden.  
Im Justizzentrum in Neubrandenburg, auch Sitz des Landgerichts, ist am Mittwoch der Prozess wegen des Verdachts des zweifachen versuchten Mordes fortgesetzt worden.
Bernd Wüstneck

An Tag zwei der Verhandlung gegen einen Mann, der zwei Menschen in Neubrandenburg mit einem Messer lebensgefährlich verletzt haben soll, gewährt ein Opfer – seine ehemalige Freundin – Einblicke in die Beziehung. Die war bizarr.

Mit der Aussage einer Zeugin ist am Mittwoch in Neubrandenburg der Prozess gegen einen mutmaßlichen Messerstecher fortgesetzt worden. Am Ende ihrer Aussage streift die 38-jährige Zeugin vor dem Richtertisch ihr Oberteil zurück und legt die rechte Schulter frei. Richter, Schöffen, der Verteidiger des Angeklagten und die Nebenkläger schauen sich die Narbe an.

Oder besser: die Narben. Denn weil der Angreifer am Abend des 18. Mai am Stadtringtreff in Neubrandenburg von hinten richtig fest zugestochen hat, ragte die Klinge vorn aus der Brust wieder heraus.

Nur dank einer schnellen Notoperation überlebte die Neubrandenburgerin, die gemeinsam mit einem Begleiter am Sonnabend vor Pfingsten Opfer eines Messerangriffs wurde. Der mutmaßliche Täter, ein Asylbewerber aus der Türkei, der regelmäßig in Dönerbuden Neubrandenburgs schwarz arbeitete, steht seit Dienstag vor Gericht. Als Motiv für die blutigen Taten nennt die Staatsanwaltschaft Eifersucht – und glaubt an eine verminderte Schuldfähigkeit. Ob das zutreffen kann, darüber soll am Donnerstag ein Psychiater Auskunft geben.

Freundin mit Bierflasche auf den Kopf geschlagen

Am Mittwoch gewährt die Ex-Freundin Einblicke in die Beziehung, die wohl nur einige Monate währte, im September des vergangenen Jahres begann und eigentlich schon am 12.  Dezember beendet war. An dem Tag, so berichtet die Zeugin, habe der Freund sie mitten in der Nacht geweckt und laut lamentiert, weil sie sich am Abend mit einem Mann unterhalten habe. „Er war sehr wütend und schnappte sich mein Handy, um meine Nachrichten und Anrufe zu kontrollieren. Ich habe gesagt, fahr nach Hause und drehte mich um.“

In dem Moment griff sich der Mann eine Bierflasche („Keine leere Flasche etwa, nein, eine volle.“) und schlug sie der Liebsten über den Kopf. Gott sei Dank brach der Schädel nicht. „Das war eigentlich der Tag der Trennung“, sagt sie und räumt ein, im Januar habe es erneut ein kleines Aufflackern der Beziehung gegeben. Dann sei aber ein für alle Mal Schluss gewesen, nichts galt mehr.

Einen Bogen gemacht, um nicht gesehen zu werden

Das Wesen des Ex-Freundes habe sich geändert, gibt die 38-jährige Mutter von vier Kindern zu Protokoll. Anfangs sei er richtig lieb und nett gewesen, kam auch mit dem Nachwuchs gut aus. „Da war ich richtig ein bisschen verliebt.“ Die Freundlichkeit machte aber bald rasender Eifersucht Platz. „Ich sollte keinen meiner männlichen Bekannten mehr treffen oder anrufen und sogar mein Profil auf Facebook löschen.

Aber – weil ich doch eine gelernte Kfz-Mechanikerin bin, kenne ich eben viele Männer.“ Das war alles zuviel, der Schlag auf den Kopf schließlich die Krönung. Dabei wollte er sie heiraten – wohl auch aus aufenthaltsrechtlichen Gründen. „Ich konnte aber nicht, so lange kannten wir uns noch nicht.“

Am Tatabend, als die Ex-Freundin in Begleitung – darunter das männliche Opfer, das einen Messerstich in den Hals davontrug – am Stadtringtreff erschien, saß der 29-Jährige am Rathausgrill. „Ich habe einen Bogen gemacht, er sollte mich nicht sehen“, beschreibt die Zeugin ihr Verhalten und gesteht ein mulmiges Gefühl ein damals. Etwas abseits stehend hat sie sich mit der Freundin eine Zigarette angesteckt und in Ruhe geraucht. „Dann hab ich auf dem Handy was nachgeguckt und in dem Moment einen mächtigen Schlag auf den Rücken
verspürt.“

Tatwaffe aus der Küche eine Dönerladens besorgt

Was die Frau als Schlag empfand, war der Stich mit dem knapp 20 Zentimeter langen Messer, das sich der Angeklagte Minuten zuvor aus der ihm bestens bekannten Küche des Dönerladens besorgt hatte. Entsetzte, aber tatkräftige Zeugen, darunter auch eine Krankenschwester, halfen der blutenden Frau. Einer der Helfer sagt dem Nordkurier, er sei selber ein Koch und wisse, was das für Messer seien. „Die Frau hat mächtiges Glück gehabt“, sagt er dem Nordkurier.

Die Verhandlung wird am Donnerstag ab 10 Uhr mit den Aussagen der medizinischen und psychiatrischen Gutachter fortgesetzt.

Kommentare (2)

Verstehe ich das richtig? Wenn die Tat aus Eifersucht heraus entsteht ist man vermindert Schuldfähig? Er wußte also nicht was er tat? Für wie doof will das Gericht uns halten? Dieser Typ wußte sehr genau was passiert wenn man eine volle Flasche auf den Kopf eines anderen schlägt. Und er weiß ebenfalls sehr genau was passieren kann wenn man mit einem Messer auf jemanden einsticht. Und wenn ich lesen muss, das die Klinge des Messers dabei den Körper komplett durchdringt sodas die Klinge wieder zum Vorschein kommt dann hat dies auch nichts mehr mit Körperverletzung zu tun sondern es geht in den Bereich der versuchten Tötung. Dafür reicht die Intelligenz anscheinend. Vermindert Schuldfähig?... klar,selten so gelacht.

Ich wette 20 Euro, dass er wenigstens keine Haftstrafe zu erwarten hat. Der Besitz einer Staatsangehörigkeit wird ihn vor Haftstrafe bewahren, die Weichen dafür wurden heute gestellt. Maßgeblich ist der Wegfall §15 GVG und Artikel 5 der Genfer Menschrechtskonvention. Definiere Rechtsbrankrott.