INTERVIEW MIT DEHOGA-CHEF

„Wir durchleben die schlimmste Krise, die die Branche je getroffen hat”

Die Corona-Regeln werden gelockert, doch für das Gastgewerbe in MV ist die Krise längst nicht überstanden. Und dann zehrt noch eine Attacke von der Landesregierung an den Nerven von Lars Schwarz, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Meckenburg-Vorpommern. Susanne Böhm hat mit dem 43-Jährigen gesprochen.
Eine Kellnerin serviert Essen: Gaststätten mit eigenem Essensangebot haben unter Hygiene-Vorgaben wieder geöffnet. D
Eine Kellnerin serviert Essen: Gaststätten mit eigenem Essensangebot haben unter Hygiene-Vorgaben wieder geöffnet. Der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes MV, Lars Schwarz, spricht von einer schweren Krise. Britta Pedersen
Lars Schwarz
Lars Schwarz Archiv
Vorpommern.

Herr Schwarz, die Hotels und Pensionen im Land dürfen wieder Gäste beherbergen, allerdings dürfen die Betten nur zu 60 Prozent ausgelastet sein. Rechnet sich das überhaupt?

Wir wollten die Quote nie. Wenn Abstände, Hygienemaßnahmen und optimierte Abläufe eingehalten werden, hätten wir ohnehin eine gewisse Maximalbelegung erreicht. Vieles hätten die Häuser selbst regeln können, zum Beispiel durch zwei Frühstücksdurchgänge statt eines Durchgangs. Aber die Landesregierung hat das damit erklärt, dass Mecklenburg-Vorpommern im Gegensatz zu anderen Bundesländern zu Pfingsten zu über 90 Prozent ausgebucht war. Man möchte nicht im ersten Öffnungsschritt größere Menschenmengen im öffentlichen Bereich haben. Dagegen konnte ich nicht argumentieren.

 

Die Häuser dürfen nur zu 60 Prozent ausgelastet sein, müssen aber trotzdem 100 Prozent Personal vorhalten. Ist das überhaupt wirtschaftlich?

Das ist sogar viel personalintensiver, weil viele Abläufe umständlicher sind und der Aufwand deutlich größer ist. Wir haben jetzt viel mehr Gästekommunikation, müssen zum Beispiel jeden vorher über die Abläufe informieren und ständig Apps und Webseiten aktualisieren. Außerdem haben wir Mehrkosten für Plexiglaswände und Desinfektionsgeräte.

 

Weniger Einnahmen, mehr Ausgaben – das klingt nicht gesund.

Ist es auch nicht. Ich habe Bauchschmerzen. Wir sind trotzdem froh, dass es endlich wieder losgeht – ein Hoffnungsschimmer in dieser dunklen Zeit für die Branche. Wir gehen allerdings nicht davon aus, dass alle sofort aufmachen. Ein Drittel hat schon offen, zu Pfingsten werden es mehr, aber einige haben schon angekündigt, dass sie erst im Sommer wieder öffnen.

 

SPD-Fraktionschef Thomas Krüger hatte in der vergangenen Woche von einer „dunklen Seite“ des Tourismus in MV gesprochen, Tariflöhne gefordert und gesagt, dass Mitarbeiter in der Tourismuswirtschaft in Schleswig-Holstein 500 Euro mehr erhalten würden als ihre Kollegen in Mecklenburg-Vorpommern. In der nächsten Krise gebe es nur dann Hilfe vom Land, wenn die Löhne stimmen. Was halten Sie von dieser Attacke?

Das kam überraschend, war wirklich eine Attacke. Wir haben das direkt am nächsten Tag geklärt. Von einer dunklen Seite zu sprechen, ist schon ziemlich verheerend. Nicht alle sind Star-Wars-Fans und können das einordnen. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und Tarifverträge mit dreieinhalb Jahren Laufzeit. Pauschal etwas in die Welt zu rufen, was faktisch falsch ist, ist schwierig. Der Tariflohn als Einstiegslohn für eine Fachkraft nach dreijähriger Ausbildung liegt in MV bei 1729 Euro, in Schleswig-Holstein bei 1580 Euro. Wir durchleben gerade die schlimmste Krise, die unsere Branche je getroffen hat. Jeder kämpft ums Überleben und darum, Arbeitsplätze zu erhalten. Wir müssen Schulter an Schulter durch die Krise gehen. Es ist nicht der Zeitpunkt für solche Grundsatzdiskussionen.

 

Wie sorgen die Arbeitgeber dafür, dass sich die Leute, die direkten Kontakt zu den Gästen haben, nicht anstecken?

Dafür trägt natürlich als Erstes jeder Einzelne Verantwortung. Es gibt einen Leitfaden, Mitarbeiter wurden geschult und belehrt. In der Küche auf engstem Raum den ganzen Tag Mundschutz tragen, das ist schon eine Herausforderung. Jeder achtet darauf, dass unser höchstes Gut, die Arbeitnehmer, geschützt sind und gesund bleiben.

 

Wann dürfen die Gastgeber ihre Häuser wieder zu 100 Prozent auslasten?

Die Landesregierung hat mir zugesagt, dass das nach Pfingsten der Fall sein wird, also in 14 Tagen, spätestens in drei Wochen. Ich werde die Regierung an die Zusage erinnern. Die Corona-Krise hat uns unverschuldet mit voller Härte getroffen. Keiner hat etwas verkehrt gemacht, alle sind unverschuldet geschlossen. Jetzt wollen wir wieder durchstarten und die Erfolgsgeschichte Tourismus in MV weiterschreiben.

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Kommentare (1)

1700€ monatlich für eine ausgelernte Fachkraft bei einer Stundewoche von? Realität sieht leider anders aus ... Schämt euch DEHOGA, Heuchelei ist das... Wie viel Millionen € macht die Tourismus Branche Gewinn? Stimme SPD Thomas Krüger vollkommen zu...