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Wer hat mitgebaut an der A20?

Ob Krüger-Knick oder Peene-Querung: Der Fotograf Daniel Biskup möchte Menschen kennenlernen, die am Bau der Ostsee-Autobahn mitwirkten.
Fotograf Daniel Biskup – hier auf Achse mit einer Straßenmeisterei – erkundet derzeit bedeutende Verkehrsbau
Fotograf Daniel Biskup – hier auf Achse mit einer Straßenmeisterei – erkundet derzeit bedeutende Verkehrsbauwerke in Ostdeutschland.Foto: Daniel Biskup Daniel Biskup
Fotograf Daniel Biskup – hier an einer Überschüttung unter der  A38 zwischen Breitenworbis und Heiligenstadt i
Fotograf Daniel Biskup – hier an einer Überschüttung unter der A38 zwischen Breitenworbis und Heiligenstadt in Thüringen – erkundet derzeit bedeutende Verkehrsbauwerke in Ostdeutschland. Foto: Daniel Biskup Daniel Biskup
Neubrandenburg.

Rügenbrücke und Rennsteigtunnel sind garantiert viel bekannter als der Krüger-Knick, in deutschlandweitem Maßstab zumindest. Im Osten Mecklenburg-Vorpommerns aber hat die Episode, wie die Autobahn A20 auf beharrliches Betreiben des damaligen Neubrandenburger Bundestagsabgeordneten Paul Krüger näher als geplant an die Vier-Tore-Stadt herangeführt wurde, Legendenstatus.

Noch viel mehr Geschichten dürfte es zu erzählen geben vom Bau der Ostseeautobahn. Auf eben diese Geschichten und ihre Akteure setzt Daniel Biskup bei einem groß angelegten Projekt: Für eine Ausstellung und Publikation zum 30. Jahrestag der Wiedervereinigung bereist der Berliner Fotograf die „Verkehrsprojekte Deutsche Einheit“. 17 Vorhaben auf Straße, Schiene und Wasser wurden 1991 unter diesem Titel definiert, um bedeutsame Verkehrsverbindungen zwischen Ost und West und damit vielfach auch die Infrastruktur in den neuen Bundesländern auf Vordermann zu bringen. Thüringer-Wald-Autobahn und ICE-Strecke, aber auch die beeindruckende Wasserstraßenkreuzung bei Magdeburg gehören ebenso dazu wie die A20 in Mecklenburg-Vorpommern.

Geschichten vom „Bauwerk ihres Lebens“

„Die Bauwerke sind schon von 1000 Leuten vor mir fotografiert worden“, erklärt Biskup, warum er bei dem Auftrag des Bundesverkehrsministeriums ausdrücklich darauf bestand, bei dem Buchprojekt die Menschen ins Licht zu rücken, die an den technischen Meisterwerken mitwirkten. Menschen, die am Ort des Geschehens zu Hause sind und ihr Werk täglich vor Augen haben: „Viele sagen, das war das Bauwerk ihres Lebens“, hat der Fotograf bei seinen Reisen schon festgestellt.

Menschen aus allen erdenklichen Berufen möchte er vor die Kamera bekommen. Nicht nur Planer, Ingenieure und Projektleiter, sondern auch Betonmischer-, Dumper- und Baggerfahrer. Und dabei geht es nicht nur um ein Bild, sondern eben auch um das, was sie zu erzählen wissen: „Ich möchte etwas über die Menschen erfahren: wo sie waren, was sie gemacht haben ...“

In Jarmen hat er schon mal in einer Eisdiele nach Akteuren des A20-Baus gefragt – und wurde fündig. Und die richtige Situation fürs Foto entstehe dann oft intuitiv: Die Motive vorab zu planen und zu inszenieren, ist nicht sein Prinzip. „Ich schaue mir den Ort an, und dann weiß ich, wie ich’s machen will.“

Interessiert an Menschen, Politik und „Schönem“

Dass die meisten Menschen – Achtung, Klischee, vielleicht gerade in M-V – sich nicht gerade vor eine Kamera drängen, ist dem 57-Jährigen bewusst. „Viele haben Angst, auf einem Foto schlecht rüberzukommen“, weiß er. Doch ihm liegt es, auch die Zögernden aufzuschließen: „Hätte ich diese Gabe nicht, wäre ich was anderes geworden“, sagt der gebürtige Bonner, der während einer Postbotenlehre mit der Gründung einer Gewerkschaftszeitung begann, Zeitgeschehen zu dokumentieren. „Friedensdemonstrationen und besetzte Häuser“ nennt er als seine ersten Motive. 1982 dann sein erstes Titelfoto auf der Augsburger Allgemeinen Zeitung, während seines Studiums von Geschichte, Politik und Volkskunde.

1989 galt Biskups Interesse DDR-Flüchtlingen in Ungarn, überhaupt dann Menschen in Umbruchsituationen im Jahr der Wiedervereinigung. Von da an erreichten ihn immer mehr Porträt-Anfragen. Längst blicken reihenweise Staatschefs und andere Prominente aus aller Welt dem Besucher seiner Homepage entgegen; Biskup‘sche Bilder hängen auch im Deutschen Historischen Museum in Berlin, im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn und im Russischen Museum St. Petersburg.

„Menschen, Politik und das Schöne“ interessieren ihn, bekundet der Fotograf und meint dabei eben nicht nur die Mächtigen dieser Welt. Der Anspruch, Dinge aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, hinter die Kulissen zu blicken und den Menschen jenen Raum zu geben, der zu ihnen passt, leitet ihn auch bei dem Verkehrswege-Projekt. 27 Akteure hat er dafür bisher porträtiert – noch einmal so viele möchte er noch treffen. Nachdem ihn die Kontaktsperren der Corona-Zeit mehrere Wochen ausgebremst haben, sollen die Porträts nun bis Ende Juli „im Kasten“ sein.

Das Loch bei Triebsees spielt keine Rolle

Kontroversen um einzelne Bauprojekte oder Kalamitäten wie der weggesackte Autobahnabschnitt bei Tribsees werden in Buch und Ausstellung eher keine Rolle spielen: Den Auftraggebern geht es nach 30 Jahren deutscher Einheit um eine Zwischenbilanz, wie Ost und West verkehrstechnisch zusammenwachsen. Umso wichtiger ist es dem Fotografen, an den ostdeutschen Schauplätzen viele ostdeutsche Akteure zu Wort kommen zu lassen.

In der nächsten Woche ist Daniel Biskup mal wieder in Mecklenburg-Vorpommern, an der A20. Sicher nicht zum letzten Mal, kündigt er an; hofft aber bei dieser Gelegenheit auf neue Begegnungen und Akteure, die sich ihm und seiner Kamera anvertrauen. Interessenten – gern auch Frauen angesichts des männlich dominierten Schauplatzes – können Kontakt aufnehmen unter Telefon 0172 8207494 oder per E-Mail an daniel.biskup@danielbiskup.de.

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Kommentare (1)

Es braucht nicht lange gesucht werden, um Menschen zu finden, welche bei diesem Geschäft belogen, betrogen und teilweise völlig ruiniert worden sind.