SALAFISTEN IN NEUBRANDENBURG?

Tschetschenen sauer auf Innenminister Caffier

Innenminister Lorenz Caffier (CDU) brandmarkte unlängst Neubrandenburg als Hort tschetschenischer Salafisten. Die kaukasische Gemeinde in der Stadt ist empört.
Landesinnenminister Lorenz Caffier (r,), hier zusammen mit Verfassungsschutz-Chef Reinhard Müller bei der Vorstellung des
Landesinnenminister Lorenz Caffier (r,), hier zusammen mit Verfassungsschutz-Chef Reinhard Müller bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichts für 2015, hat vor islamistischem Extremismus und organisierter Kriminalität in Neubrandenburg gewarnt. Bernd Wüstneck
Neubrandenburg.

„Es gibt in unserer Gemeinde keine Extremisten oder gefährliche Clans“, sagt Said Kirimov empört. Der ehemalige Sportlehrer ist der Vorstand der tschetschenischen Gemeinschaft in Neubrandenburg, die seinen Worten nach etwa 15 Familien umfasst. „Wir wollen uns hier integrieren, friedlich leben und arbeiten“, sagt der Tschetschene, der 2014 vor der Gewalt aus der autonomen russischen Republik im Nordkaukasus nach Deutschland floh und jetzt in Neubrandenburg studiert.

135 Salafisten in Mecklenburg-Vorpommern

Um so verwunderter zeigte sich die tschetschenische Gemeinde, als Innenminister Lorenz Caffier (CDU) bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichts 2018 kundtat, Neubrandenburg entwickele sich zum Brennpunkt von islamistischem Extremismus und organisierter Kriminalität. Eine besondere Rolle schob Caffier dabei besagten tschetschenischen Familien zu, die sich in Neubrandenburg konzentrieren sollen. Der Inlandsgeheimdienst geht davon aus, dass sich in Mecklenburg-Vorpommern wohl 135 Salafisten – radikale Islamisten – aufhalten, etwa 34 Prozent davon seien tschetschenischer Herkunft.

In Neubrandenburg stieß die Einschätzung des Ministers auf Skepsis. Schließlich ist die tschetschenische Gemeinde in jüngster Zeit kaum aufgefallen. Vor Jahren hatte es einige Tschetschenen gegeben, die durch Dönerbuden der Stadt zogen und da Rabatz machten, wo Schweinefleisch mit am Spieß hing. Noch nicht lange her ist es, dass ein tschetschenisches Bruderpaar Polizisten in Neubrandenburg fast zur Verzweiflung brachte, weil das immer wieder mit Körperverletzungen von sich reden machte. Im vergangenen Jahr stand ein Tschetschene vor Gericht, der einen Berliner Gast während einer Auseinandersetzung vor dem AJZ in Broda mit einem Messer verletzt hatte.

Quelle ohne Bezug zu Neubrandenburg

Von ausgeprägten kriminellen Seilschaften, wie sie der Innenminister beschwor, ist in Neubrandenburg aber nichts bekannt, heiß es damals aus dem Rathaus. Der Innenminister musste später auch zurückrudern. Es soll sich nicht um Clans handeln, sondern um eine „beachtliche Zahl von Islamisten tschetschenischer Volkszugehörigkeit”, hieß es auf eine parlamentarische Anfrage der AfD-Fraktion.

In der Antwort auf eine zweite Anfrage zur Quellenlage verwies das Innenressort neben einer Analyse des Bundeskriminalamtes, die im Verfassungsschutzbericht des Landes aber beim Punkt salafistisch-krimineller Gruppen nur kurz abgehandelt wurde, auf eine Dokumentation des Fernsehsenders ntv mit dem Titel „Kaukasische Clans in Deutschland – Dem Terror so nah”. Darin wird Neubrandenburg aber gar nicht erwähnt.

Innenminister Caffier sei herzlich eingeladen

Said Kirimov versichert, in Neubrandenburg würden sich alle untereinander kennen: „Die Situation ist unter Kontrolle.“ Die tschetschenische Gemeinde fühlt sich daher zu unrecht an den Pranger gestellt. „Das ist nicht gut für unseren Ruf“, sagen Kirimov und drei seiner Landsleute, die sich an den Nordkurier gewandt hatten. Sie fürchten, dass ihre Kinder etwa in der Schule deswegen Anfeindungen oder Vorurteilen ausgesetzt sein könnten. Ein tschetschenischer Auszubildender berichtet, dass ihn neulich ein Kollege gefragt habe, wo denn seine Kalaschnikow sei. Der junge bärtige Mann antwortet nach eigener Darstellung, er habe zwei Kriege gesehen und wolle mit so etwas nichts zu tun haben.

Überhaupt fühlen sich die Tschetschenen nach eigenen Worten durch die Darstellung des Innenministers ungut an die Situation in ihrer Heimat erinnert, vor der sie sich nach Deutschland geflüchtet haben. „Wir werden in Russland in der Propaganda immer als kriminelle Elemente hingestellt“, ärgert sich Said Kirimov.

Auf die Frage des Nordkurier, ob sich denn der Innenminister selbst ein Bild von der Situation in der Neubrandenburger Gemeinde machen könne, nicken alle vier einhellig. Herr Caffier sei „herzlich eingeladen“.

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Kommentare (2)

... sind bisher nicht aufgefallen. Das bedeutet nicht, das die Einschätzung des Innenminsters aufgrund der Erkenntnisse des Verfassungschutzes falsch sein müssen.
Der Attentäter von Halle war vorher auch nicht "aufgefallen".

Also 15 Familien mit vlt. 100 Personen. Davon dann einige denen Schweinefleisch in Dönern nicht passt und deshalb in den entsprechenden Lokalitäten Stunk machte, das Brüderpaar ohne Hirn aber mit Fäusten vor denen die Jugendlichen zittern mussten und dann der Messerstecher, der den deutschen Linken (nur auf Zuruf) mit seinem Tomatenmesser in den Hals stach.
Wenn man dann die ca. 62.000 deutschen Einwohner Neubrandenburgs im Vergleich dazu nimmt, sollte man sich als Angehöriger eines Turk-Volkes lieber sehr stark zurücknehmen und im eigenen Hause schauen!