JOACHIM MILSTER

Trauer um unermüdlichen Chronisten Neubrandenburgs

Im Alter von 93 Jahren ist Joachim Milster, ein Sammler von Zeitzeugnissen der Neubrandenburger Geschichte, gestorben. Damit verliert die Stadt innerhalb kurzer Zeit ihren zweiten bedeutenden Chronisten.
Susanne Schulz Susanne Schulz
Die „Neubrandenburger Historie” der Jahre 1945 bis 1990 war Joachim Milsters erste Buchveröffentlichung.
Die „Neubrandenburger Historie” der Jahre 1945 bis 1990 war Joachim Milsters erste Buchveröffentlichung.
In detailreichen Aufzeichnungen dokumentierte er zum Beispiel Bau- und Abrissarbeiten in der Viertorestadt.
In detailreichen Aufzeichnungen dokumentierte er zum Beispiel Bau- und Abrissarbeiten in der Viertorestadt.
Neubrandenburg.

Als hätte er geahnt, dass ihm nicht mehr viel Zeit blieb: Gerade erst hat Joachim Milster einen umfangreichen Vorlass an das Neubrandenburger Stadtarchiv übergeben, nun ist der unermüdliche Sammler und Chronist stadtgeschichtlicher Details und Zeitzeugnisse im Alter von 93 Jahren gestorben. Nach dem Tod von Hobby-Historiker Horst Beyermann im Jahr 2018 verliert Neubrandenburg damit einen weiteren leidenschaftlichen Hüter seiner Historie.

Der gebürtige Pommer war nach dem Zweiten Weltkrieg nach Neubrandenburg gekommen, wohin es seine Familie als Umsiedler verschlagen hatte. Hier begann er als Neulehrer zu arbeiten, absolvierte Fernstudium und Qualifizierungen, wurde zum passionierten Chronisten, Amateurfotografen, Buchautor und auch sachkundigen „Zulieferer“ für seine Heimatzeitung.

Dem Stadtarchiv Lücken gefüllt

Die Trauer um den Mann, der so viele Spuren der Neubrandenburger Geschichte bewahrt und damit selbst Spuren hinterlassen hat, ist groß. „Jochen Milster war so ein freundlicher, nach vorn blickender Mensch und dabei äußerst unterhaltsam“, blickt Eleonore Wolf, Leiterin des Stadtarchivs, auf viele angenehme Begegnungen zurück. Sie selbst war zwar keine Schülerin von ihm, erfuhr aber aus Gesprächen, dass seine Kontakte zu vielen „Ehemaligen“ bis in die Gegenwart nicht abrissen. „Besonders stolz war er auf Schüler, die eine wissenschaftliche Laufbahn einschlugen, nun in der weiten Welt leben und sich doch gern an ihren ehemaligen Lehrer erinnern“, weiß sie.

Fürs Stadtarchiv hätten Milsters Informationen stets Wissenslücken zu füllen vermocht. „Denn er hat sehr vieles erlebt und dokumentiert, das allmählich in Vergessenheit geraten war“, würdigt die Archivarin den langjährigen Weggefährten. „Noch immer habe ich Fragen, aber er kann sie mir leider nicht mehr beantworten. Ich bedaure das sehr!“

Die Ehrenurkunde der Stadt Neubrandenburg, die ihm zu seinem 80. Geburtstag zuteil geworden war, hatte Milster noch kürzlich als „schönste Auszeichnung meines Lebens bezeichnet“. Dem Stadtarchiv übereignete er eine beeindruckende Sammlung mit 14 000 sorgfältig dokumentierten Foto-Negativen, detaillierten Notizen, zahlreichen historischen Fotografien und Ansichtskarten, Publikationen zu besonderen Ereignissen und vielem mehr.

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