Werbe-Aufkleber
„Thor Steinar“-Laden ignoriert Denkmalschutz-Auflagen

Die großflächige Beklebung der Fensterfront am „Thor Steinar“-Landen in der Stargarder Straße muss entfernt werden. Bislang ist der Beitreiber trotz Zusage aber nicht tätig geworden.
Die großflächige Beklebung der Fensterfront am „Thor Steinar“-Landen in der Stargarder Straße muss entfernt werden. Bislang ist der Beitreiber trotz Zusage aber nicht tätig geworden.
Mirko Hertrich

Der umstrittene „Thor Steinar”-Laden in Neubrandenburg versteckt sich hinter großen Fensteraufklebern. Die müssen eigentlich weg, doch passiert ist bisher nichts.

Bei seinem klammheimlichen Einzug ins Alte Hotel in der Neubrandenburger Innenstadt hat der in der Kritik stehende „Thor Steinar“-Laden gegen Auflagen des Denkmalschutzes verstoßen. Im konkreten Fall sei „ohne Rücksprache und Vorankündigung“ ein Fenster des Geschäfts mit Metalltafeln zu Werbezwecken zugeklebt worden, teilte die Stadt dem Nordkurier auf Anfrage mit. Dies sei sowohl mit dem Denkmalschutz als auch mit dem Baurecht nicht vereinbar. Zum einen müssten die Sprossen der Fenster an dem denkmalgeschützten Gebäude sichtbar bleiben, zum anderen reiche ein Kleben der Metalltafeln aus Sicherheitsgründen nicht aus.

Der Betreiber habe nach einem Gespräch mit der Bauaufsicht zugesichert, diese Tafeln „umgehend zu entfernen“, sagte ein Stadtsprecher dem Nordkurier schon in der vergangenen Woche. Bis Montagabend passierte aber nichts. Eine Fensterscheibe war immer noch komplett zugeklebt mit einem großen Werbemotiv. Auch links und rechts der Eingangstür behinderten aufgeklebte Blenden die Sicht in das Einzelhandelsgeschäft in der Stargarder Straße. Der Modeladen steht in der Kritik, weil er das in der rechten Szene beliebte Modelabel „Thor Steinar“ führt. Kleidung dieser Marke gilt als Erkennungszeichnen unter Rechtsradikalen. Eine Werbetafel für das Geschäft gibt es nicht. Nur im Fenster hängt ein DIN-A4-Zettel mit dem Namen „Thor Steinar“.

Für das Alte Hotel gelten laut Stadt grundsätzlich dieselben Vorschriften wie für jedes andere denkmalgeschützte Objekt in der Stadt. Alle Änderungen in Substanz und äußerem Erscheinungsbild seien bei der unteren Denkmalbehörde anzuzeigen und müssten von dort genehmigt werden. „Veränderungen sind natürlich je nach Umfang eventuell auch bei der Bauaufsicht zu beantragen“, hieß es.

Vergebliche Bemühungen um Gespräch mit Vermieter

Offenbar will der Betreiber nun aber stärker öffentlich im Stadtbild in Erscheinung treten und Schilder oder ähnliches Anbringen. „Im Fall von Werbeformen werden wir diese Anträge gründlich prüfen, dazu sind wir gesetzlich verpflichtet“, betonte der Sprecher. Für eine Prüfung seien neben dem Baurecht und dem Denkmalschutzgesetz auch weitere Satzungen und der geltende Bebauungsplan relevant. Weiterhin erfolgten Abstimmungen mit der oberen Denkmalschutzbehörde, „um ein Einvernehmen herzustellen“. Insofern resultiere daraus ein „komplexer Prozess, der naturgemäß einige Zeit in Anspruch nimmt“, teilte die Stadt mit.

Die Stadtverwaltung müht sich bislang auch vergeblich um ein direktes Gespräch mit den Vermietern des Ladens. Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos) sagte in der Stadtvertretung vergangene Woche, es habe zwar schon eine telefonische Kontaktaufnahme gegeben, ein Gespräch sei aber noch nicht zustande gekommen. Auch die CDU, die in direkter Nachbarschaft Partei- und Wahlkreisbüros betreibt, hatte angekündigt, mit dem Vermieter ein ernstes Wörtchen zu reden und etwa zu schauen, ob dieser bei Abschluss des Mietvertrages von den Betreibern des Ladens eventuell über dessen Zweck getäuscht wurde.

Dies war in anderen Städten bei „Thor Steinar“-Läden wiederholt der Fall. Der Verwalter der Immobilie hat sich bislang aber nicht öffentlich geäußert. Die Proteste gegen das Geschäft gehen unterdessen weiter. Für Donnerstag kündigte das Bündnis „Neubrandenburg Nazifrei“ eine erneute Kundgebung in der Innenstadt an. Beginn ist um 16 Uhr.

Kommentare (1)

... eine Behörde, die sonst nicht für Schnelligkeit bekannt ist, schickt sofort Mitarbeiter zum Prüfen eines "Ladens". Gilt hier wirklich die Verhältnismäßigkeit!? Beim letzten Artikel hatte ich schon Angst, dass bekannt wird; auch Rechtsextreme kaufen im Media Markt ein - und dass dann sofort ein Mob vor dem Marktplatzcenter steht. Und ein paar Tage später steht die Behörde im o.g. Laden und ein "Mob" verprügelt einen Mann beim Media Markt vor Kinderaugen. Bin schon gespannt wie viele Plüschtiere morgen vor dem Center geworfen werden, um zu zeigen, dass so etwas nicht geht. Man könnte glauben, das ist alles gar nicht wahr...