KEIN TRECKER-GESPANN OHNE MÄNGEL

▶ Spezialtruppe sagt DDR-Schrott der Bauern den Kampf an

Im Ernte-Stress setzen manche Landwirte in MV alles in Bewegung, was ihr Fuhrpark hergibt. Die Polizei hat nun aber ein Ziel: 30 Jahre nach der Wende muss der DDR-Schrott endlich von den Straßen verschwinden.
Mit diesen Reifen durfte Johannes Holm bei Altentreptow nur noch zur Werkstatt fahren. Polizist Sven Felix dokumentierte die M
Mit diesen Reifen durfte Johannes Holm bei Altentreptow nur noch zur Werkstatt fahren. Polizist Sven Felix dokumentierte die Mängel. Susanne Böhm
Ulf Grießner fiel den Polizisten bei Stavenhagen auf. An seinem Heu-Schwader war eine Lampe kaputt.
Ulf Grießner fiel den Polizisten bei Stavenhagen auf. An seinem Heu-Schwader war eine Lampe kaputt. Susanne Böhm
Sebastian Ring (2. v. r.) wurde in Altenhagen ausgebremst. Seine Ladung war nicht gesichert.
Sebastian Ring (2. v. r.) wurde in Altenhagen ausgebremst. Seine Ladung war nicht gesichert. Susanne Böhm
Altentreptow.

Der eine verliert Ladung, am nächsten lösen sich Radbolzen, mal sind Reifen verschlissen, Bremsen funktionieren nicht oder die Versicherung fehlt: Immer wieder zieht die Polizei zurzeit landwirtschaftliche Anhänger aus dem Verkehr. „Man trifft auf die tollsten Sachen. Der TÜV würde die Hände überm Kopf zusammenschlagen“, sagt Sven Felix von der Besonderen Verkehrsüberwachung des Autobahn- und Verkehrspolizeireviers Altentreptow. Was ist los in den Fuhrparks der Bauern im Osten Mecklenburg-Vorpommerns?

Mehr lesen: Traktor-Anhänger mit Uralt-Reifen und DDR-Kennzeichen unterwegs.

Die Landwirte sind mitten in der Ernte. Sie stehen unter Druck. Alles muss schnell gehen. Da wird oft jeder fahrbare Untersatz mobilisiert. Einige davon rosteten aber schon zu DDR-Zeiten vor sich hin. Manche brauchen laut Straßenverkehrsordnung keinen TÜV. Diesen Rostlauben und Klapperschesen haben Sven Felix und seine sieben Kollegen von der Spezialtruppe zur Güterverkehrsüberwachung den Kampf angesagt.

„30 Jahre nach der Wende muss der DDR-Schrott endlich von den Straßen verschwinden“, sagt der 54-Jährige. Zusammen mit seinem Kollegen Torsten Krüger fuhr er am Mittwoch Streife durchs Land. Die speziell geschulten Polizisten haben den richtigen Riecher. Jedes Gespann, das sie am Mittwoch stoppten, hatte Mängel.

Mehr lesen: Reifen aus der DDR – Polizei stoppt Landwirt

Drei von vier Reifen Fall für den Schrott

In Altentreptow erwischten sie zum Beispiel Johannes Holm. Der 21-Jährige wollte im Auftrag seines Chefs einen Traktorreifen zur Reifenwerkstadt bringen. Leider waren die Reifen des Anhängers, auf dem der Traktorreifen lag, selbst ein Fall für den Schrottplatz. Drei der vier Reifen waren porös, hatten Risse und waren abgefahren. Da war es fast schon Nebensache, dass der Fahrer keine Papiere dabei hatte und ein Typenschild fehlte. So durfte der junge Mann gerade noch die paar Meter bis zur Werkstatt fahren. Die Beamten beließen es bei 10 Euro Verwarngeld und der Auflage, dass die Reifen binnen sieben Tagen gewechselt werden. Johannes Holm nahm‘s gelassen. „Hilft nichts. Muss ja sein.“

Mehr lesen: Bei Rapsernte im Dauereinsatz mit vier km/h

Als nächster kam ihnen Ulf Grießner auf der B104 bei Stavenhagen verdächtig vor. Er war mit einem Schwader zum Einbringen von Heu unterwegs, der offensichtlich schon einiges mitgemacht hatte. Eine Lampe war kaputt. Auch sonst sah das Teil irgendwie abenteuerlich aus. Er wollte gerade zum Mittagessen auf den Hof. Das musste erst mal warten. Kurz vor der Einfahrt kam die rote Kelle. Fahrzeugpapiere konnte er nicht vorweisen. „Wenn die Chefs ihren Leuten die Papiere nicht mitgeben, ist das Vorsatz und kann 20  Euro kosten“, erklärte Sven Felix. Das wollten die Polizisten Ulf Grießners Chefin persönlich erklären. Sie begleiteten den Mann aufs Gehöft, wo die Aufregung bei ihrem Anblick zunächst groß war. Doch schnell wurde alles geklärt. Die Papiere befanden sich im Traktor, der Fahrer hatte sie nur nicht gefunden. Die Landwirtin kam mit einer Belehrung davon.

Gefühlssache, wann der Anhänger voll ist

In Altenhagen war der nächste dran: Der Mitarbeiter eines Landwirtschaftsbetriebes fuhr mit einem 40-Tonner durchs Dorf, der einen Berg Getreide geladen hatte. Eine Plane war nicht drauf – Ladung nicht gesichert. Mit Blaulicht stoppten die Beamten den Mann. Der hatte nur eins im Sinn: die Zeit. Die Mähdrescher durften nicht stehen bleiben. Die Ernte lief auf Hochtouren. Er wollte das Getreide zum Silo bringen und schnell zurück auf den Acker. Per Handy regelte er das Problem. Ein anderer Anhänger musste beladen werden, weil seiner ein paar Minuten ausfiel. Auch seinen Chef rief er schnell noch an.

Der eilte im Geländewagen herbei und war ziemlich aufgebracht. „Ich habe die Faxen dicke“, sagt er. „Das ist die zweite Kontrolle in dieser Woche. Wir stehen extrem unter Stress und geben uns größte Mühe, trotzdem alles einzuhalten.“ Seine Fahrer wüssten, dass die Getreide-Anhänger entweder nicht voll sein dürfen oder eine Plane haben müssen. Er könne aber nicht alles überwachen oder allein machen. Absichtlich sei die Überladung nicht. Der Anhänger sei so hoch, dass der Mähdrescherfahrer nicht in den Anhänger sehen kann. Eine Kamera gebe es für diesen Typ Hänger nicht, eine Waage könne sein Unternehmen sich nicht leisten. So sei es ein bisschen Gefühlssache, wann die Fuhre voll ist.

Immer wieder Verstöße mit Uralt-Technik

Nachdem 35 Euro Verwarngeld bezahlt worden waren, trennte man sich einvernehmlich. Die Polizisten zeigten Verständnis für die Bauern und umgekehrt. Auge zudrücken ist trotzdem nicht drin. Zwar sei es schon besser geworden, die Verstöße würden weniger, doch so etwas, wie am Montag in Groß Dratow bei Waren komme leider immer wieder vor.

Dort legten Sven Felix und Torsten Krüger einen Anhänger mit 30 Jahre alten Reifen still, bei denen kein Profil vorhanden und das Gewebe unter dem Gummi sichtbar war. Papiere, Zulassung, Fabrikschild, Lampen und Identifikationsnummer fehlten. Stattdessen prangte ein Neubrandenburger DDR-Kennzeichen am Heck – der vorläufige Höhepunkt dieser Woche.

 

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Altentreptow

Kommende Events in Altentreptow (Anzeige)

zur Homepage

Kommentare (10)

Die Bauern pfeifen doch auch aus dem letzten Loch. Überall fehlt das Geld. Zu DDR Zeiten war der technische Zustand der Landmaschinen auch deutlich besser gewesen. Allein das die alte DDR-Technik von damals immer noch im Einsatz ist beweist es doch tagtäglich. Und was sind schon 35,-Euro Strafe? Ein neues Fahrzeug samt Anhänger kostet locker 250.000Euro. Bei den Güllebombern und Glyphosat-Spritzen kommt in der Regel nur das beste und neuste zum Einsatz. Dafür gibt es ausreichend EU-Fördergelder und Kredite bei den Banken.

Fehlt jetzt überall Geld, oder sind genügend Eu Fördergelder vorhanden?

Die Kontrollen können gerne auch in der Umgebung von Woldegk stattfinden. So eine Aktion war schon längst überfällig.
Ab besten auf den ganz kleinen Dörfern, die Bauern dort denken ja da kommt eh keiner gucken. Da finden Sie bestimmt auch 12jährige die die mit der riesen Technik Stroh abfahren! Auch mit Hängern die schon jenseits von gut und böse sind.!!!
Arme Bauern hin oder her, die haben immer was zu meckern. Und wenn sich ein Landwirt nur durch Fördergelder über Wasser halten kann, stimmt was mit dem Betrieb nicht. Einfach hat es kein Unternehmen, nur das nicht alle gefördert werden wie die Landwirte.

Rechtsauffassung und offenen Grenzen - - wenn die neue Technik vom Hof oder Feld geklaut wird, der Staat nichts unterbindet, nur fromme Sprüche übrig hat und die Täter noch laufen lässt!!! -

Es ist Erntezeit. Wenn ein Bauer zweimal im Jahr einen Anhänger wie abgebildet benutzt, ist das kein Mangel
sondern ein Qualitätsbeweis. Er sollte ihn als Oldtimer zulassen !. Oder fehlt an dem Anhänger was?. Da müßten
alle Oldtimer in die Schrottpresse.
mein Senf ist alle

Den Artikel gelesen, hätten sie evtl. Die Antwort auf ihre Frage gefunden...

Ich bezog mich auf den im Bild gezeigten Anhänger.

Es ist Erntezeit. Wenn ein Bauer zweimal im Jahr einen Anhänger wie abgebildet benutzt, ist das kein Mangel
sondern ein Qualitätsbeweis. Er sollte ihn als Oldtimer zulassen !. Oder fehlt an dem Anhänger was?. Da müßten
alle Oldtimer in die Schrottpresse.
mein Senf ist alle

Warum kontrolliert man erst jetzt? Liegt das am Sommerloch???Irgendwie hat man in der Vergangenheit die Kontrollpflicht nur in andere Richtungen gelenkt. Das Bauern immer was zu meckern haben, je nach Windrichtung ist bekannt, nur ein wirtschaftliches Unternehmen zu führen heißt im normalzustand auch ohne Eu Spenden auszukommen. Im übrigen zahlt jeder Bauer die geringen Strafen aus der Portokokasse aus dem Schwarzverkauf von irgendeinen Mist an die Bevölkerung...Schuld hat die Polizei, die ihrer umfassenden Aufgabe nicht nachgekommen ist jahrelang.Und eenn ein Bauer sagt das es wichtigeres gibt als die Sicherheit seiner Technik, dann sollte es mal schnellstens seinen Beruf wechseln, oder sind Menschenleben für diesen Personenkris nichts wert?

Wo liegt Reifenwerkstadt?