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Archäologie

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Sieben Skelette in Neubrandenburg gefunden

Archäologe Stefan Rahde ist an der Ecke Stargarder und Pontanusstraße fündig geworden.
Archäologe Stefan Rahde ist an der Ecke Stargarder und Pontanusstraße fündig geworden.
Jörg Franze

Archäologe Stefan Rahde hat schon die halbe Neubrandenburger Innenstadt untersucht. Derzeit begleitet er die Bauleute in der Stargarder Straße und schaut, welche Schätze die Erde birgt.

Bei Bauarbeiten an der kleinen Straßenkreuzung Ecke Pontanus- und Stargarder Straße sind sieben Skelette auf einen Streich entdeckt worden. Allerding in unterschiedlicher Höhe, also auch aus unterschiedlichen Zeiten. Für einen Flecken von gut fünf Quadratmetern ist das eine durchaus ordentliche Ausbeute, wenn auch weit entfernt von den 2400 Bestattungen, die man für das geplante Hotelbauareal an der Alten Post gezählt hat. „Die Leute wundern sich und fragen manchmal, wieso die Knochen hier unter der Straße liegen. Aber zu anderen Zeiten war hier ja gar kein Weg“, dreht Archäologe Stefan Rahde gedanklich das Rad der Zeit zurück.

Rings um die Johanneskirche seien vom Mittelalter an bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts Menschen bestattet worden, vor allem südlich und westlich des Gotteshauses. Im Jahr 1805 habe man die innerstädtischen Friedhöfe dann geschlossen und außerhalb der Stadtmauern neue angelegt. Aber natürlich reicht eine solche grobe Einordnung den Archäologen nicht aus. Sie wollen mehr wissen über das, was sie dort in der Erde finden. „Hier wurde im Nachhinein ein Kind bestattet, ein Säugling, wohl gerade erst geboren“, zeigt Rahde auf sehr kleine Knochen neben einem größeren Skelett. Anhand von Scherbenfunden neben den menschlichen Überresten datiert er das Alter der Funde auf das 18. Jahrhundert.

Zeitweise gebaut ohne Rücksicht auf Verluste

„Man kann nur finden, was man kennt“, schmunzelt er auf die Frage, wie es ihm gelingt, archäologisch wertvolle Funde von kaputten Blumentöpfen zu unterscheiden. Der Blick sei geschult, gibt er zu. Und freut sich über die Gelegenheit, im Rahmen der jetzigen Baumaßnahme ein Auge auf weitere Ecken der Stadt zu werfen. Seit 2013 nimmt er die Viertorestädter City unter die Lupe, hat sowohl im inzwischen bebauten Quartier zwischen Dümper-, Krämer-, 2. Ring- und Treptower Straße als auch an der Alten Post geprüft, was sich im Boden verbirgt. Und dabei jede Menge Zeitzeugnisse und Spannendes zu Tage gefördert.

Allerdings sei durch Bauarbeiten, zum Beispiel zu DDR-Zeiten und auch schon davor, manches zerstört worden. Die Pontanusstraße zum Beispiel sei ja im Nachhinein angelegt worden und der Boden, der früher das Höhenniveau der Grasnarbe neben der Johanneskirche gehabt habe, einfach abplaniert worden. Auch beim Bau von Schmutzwasserleitungen, die drei Meter tief im Boden stecken, sei früher meist einfach mit dem Bagger hantiert worden, ohne Rücksicht auf Zeitzeugnisse.

Kommentare (2)

Wann wird aus der Jagd nach verlorenen Schätzen eigentlich Leichenfledderei? Wenn ich das richtig verstehe ist es doch ehemaliges Friedhofsgelände? Gottesacker mit dem in der Vergangenheit nicht grade pfleglich umgegangen wurde. Jetzt wird wieder gebuddelt und statt die Gebeine umzubetten erfreuen sich die Leecher an der Beute. Mich würde mal die Meinung der Kirchen dazu interessieren, nicht die rechtliche Darstellung,da kommt eh nichts bei raus aber die moralische Einstellung.

Sind doch bloß Knochen. Im Grunde nichts weiter als Kalzium. Und was soll der Blödsinn mit dem umbetten. Für wen? Nach dem Leben ist der Leichnam Würmer-Futter mehr nicht, abgesehen in der heutigen Zeit da ist er sich ehr Sondermüll. Also gönnt der Archäologie den kleinen Spass am buddeln.