GEDENKEN

Sechs neue Stolpersteine erinnern an jüdisches Leben in Neubrandenburg

Nach mehr als zehn Jahren Pause sind in Neubrandenburg weitere Stolpersteine gelegt worden. Die Recherche der Schicksale gestaltet sich teilweise schwierig.
Nico Pecat vom städtischen Bauhof verlegte fünf Stolpersteine am Rande des Marktplatz-Centers.
Nico Pecat vom städtischen Bauhof verlegte fünf Stolpersteine am Rande des Marktplatz-Centers. Paulina Jasmer
Nico Pecat vom städtischen Bauhof verlegte einen Stolperstein vor dem Marien-Carrée.
Nico Pecat vom städtischen Bauhof verlegte einen Stolperstein vor dem Marien-Carrée. Paulina Jasmer
Neubrandenburg.

In Neubrandenburg sind am Freitag sechs weitere Stolpersteine verlegt worden. Fünf am Rande des Marktplatzcenters in der Darrenstraße/Ecke Krämerstraße, und einer in der Treptower Straße am Marien-Carée. Sie erinnern und gedenken der Schicksale jener Menschen, die während des Nationalsozialismus verfolgt, vertrieben, deportiert, ermordet oder in den Suizid getrieben worden sind.

Keine Freigabe für Stein Nummer sieben

Es wäre aktuell eigentlich noch ein Stein mehr gewesen. So lautete jedenfalls der Beschluss der Neubrandenburger Stadtvertreter, sagte Amina Kanew (Die Linke) am Freitag. Allerdings sei für Ursula Kallmann keine Freigabe vom Bundesarchiv gekommen, eben weil die recherchierten Ergebnisse noch zu unpräzise waren, so die junge Ratsfrau, die die Verlegung mit initiiert hat.

Am einstigen Lebens- und Schaffensmittelpunkt der Opfer des Nationalsozialismus werden seit Mitte der 90er-Jahre diese Messingsteine verlegt. Laut Amina Kanew sind es europaweit bereits 400.000. Neubrandenburg hat nun elf. Die ersten fünf waren vor gut zehn Jahren verlegt worden.

Bei sechs Menschen konnten die Mitstreiter der Stolperstein-Initiative jedenfalls alle notwendigen Daten beschaffen. Für Mathilde Rosenstein, Franziska Born, Max Herrmann Heine, Henny Hirschfeldt, Hildegard Fanni Salomon und Alfred Ludiwg Salomon sind nun Stolpersteine gesetzt worden.

Ein Stolperstein kostet 120 Euro

„Auf einer Stadtkarte von 1907 war zu erkennen, dass an diesen Stellen einst Geschäfte und Wohnungen waren”, sagt Amina Kenw in Bezug auf die beiden Orte, an denen die aktuellen Steine am Freitag verlegt wurden. Sie zeigte sich kämpferisch, alle Anforderungen für den erhofften siebten Stein bald erfüllen zu können. „Mindestens 43 Menschen hätten einen Stolperstein in Neubrandenburg verdient”, sagte sie.

Für einen Stolperstein werden 120 Euro notwendig. Geld, das für die jetzt sechs jüngsten Steinen durch Spenden zusammengekommen war. Diese Unterstützung erhofft sich Amina Kanew auch für weitere Stolpersteine.

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Kommentare (1)

Da uns die Vergangenheit anscheinend mehr interessiert als die Gegenwart, werden wohl bald Stolpersteine verlegt, die daran erinnern, das dies einst Deutschland war. Deutsche wird es dann nicht mehr geben. Aber nach gängiger Definition wäre die Auslöschung der Deutschen bestimmt kein Genozid. Auch das wird irgendwie absurd gerechtfertigt werden. So wie man derzeit einen Gewalttäter zum Opfer macht und vor dem Mob die Augen verschließt! Das ist das Schöen an unserer Demokratie. Also genießt sie auch in den Endzügen. Jedem das Seine.