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Toter bei Raser-Unfall

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Bewährungsstrafe für Fahrer wird diskutiert

Der Fußgänger verstarb noch am Unfallort.
Der Fußgänger verstarb noch am Unfallort.
NK-Archiv

Bei einem Raserunfall in Neubrandenburg stirbt ein Fußgänger. Weil der Fußgänger eine Mitschuld tragen soll, berät das Gericht über eine Bewährungsstrafe für den jungen Fahrer.

Der Prozess um den Tod eines Fußgängers bei einem Raser-Unfall in Neubrandenburg ist am Montag am Landgericht Neubrandenburg fortgesetzt worden. Verteidiger, Staatsanwalt und Nebenklage sprachen sich für eine Bewährungsstrafe aus. Über den entsprechenden Vorschlag beriet das Landgericht Neubrandenburg am Montag längere Zeit, ohne zu einem Ende zu kommen. Die Beratung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 21-Jährigen fahrlässige Tötung vor, obwohl viele Indizien sogar für ein Autorennen mit tödlichem Ausgang sprechen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem jungen Mann fahrlässige Tötung vor. Im Prozess soll aber auch geklärt werden, ob es sich um ein illegales Autorennen gehandelt hat, was die Ermittler anfangs vermutet hatten. Gutachter hatten errechnet, dass der Wagen des Beschuldigten am 29. August 2017 abends mit einer Geschwindigkeit zwischen 83 und mehr als 100 Stundenkilometern im Stadtgebiet unterwegs war.

Auf einer vierspurigen Straße im Norden von Neubrandenburg erfasste der Wagen des Beschuldigten einen 33 Jahre alten Fußgänger, der noch am Unfallort starb. Der Autofahrer selbst erlitt einen Schock, blieb aber sonst unverletzt. Am Auto des Beschuldigten entstand durch den Aufprall ein Schaden von rund 12.000 Euro, hieß es von der Polizei. Auf fahrlässige Tötung steht Geldstrafe oder eine mehrjährige Haftstrafe.

Unfall bei 60 Stundenkilometern zu verhindern gewesen?

"Wenn der Angeklagte die vorgeschriebene Geschwindigkeit - 60 Stundenkilometer - gefahren wäre, hätte er rechtzeitig bremsen können", erklärte der Staatsanwalt. Das habe ein Gutachten ergeben. Sachverständige stellten allerdings auch fest, dass das Opfer die Straße abseits einer Ampel überquere, unter leichtem Drogeneinfluss stand und Musik über Kopfhörer hörte und

Verteidiger Hubert Schilling beantragte deshalb, einen weiteren Gutachter vor Gericht zu hören. Dieser belege, dass der Unfall wegen des Verhaltens des Fußgängers auch bei 60 Stundenkilometern nicht zu verhindern gewesen wäre.

Der Angeklagte äußerte sich am Montag noch nicht zu der Anklage. Dem 21-Jährigen würden bei einer Verurteilung maximal fünf Jahre Haft drohen. Sein Anwalt macht allerdings geltend, dass er bisher nicht straffällig war, ein umfassendes Geständnis ablegen könnte und Reue gezeigt habe. Eine Strafaussetzung zur Bewährung ist bis maximal zwei Jahren Freiheitsstrafe möglich.

Urteil wird für Oktober erwartet

Bevor die Anklage verlesen werden konnte, hatte das Gericht eine Besetzungsrüge der Kammer durch die Verteidigung abgelehnt. Auch den Ausschluss der Öffentlichkeit, die Anwalt Schilling beantragte, lehnte die Kammer ab. Es lägen keine Hinweise vor, dass es eine  "Reifeverzögerung" bei dem Angeklagten gebe, die solch eine Maßnahme rechtfertigen würde. Der Prozess soll am 5. Oktober fortgesetzt werden.

Für den Prozess sind mehrere Zeugen geladen. Zudem sollen ein technischer Gutachter sowie ein Gerichtsmediziner zu den Verletzungen des Opfers gehört werden. Seine Eltern treten als Nebenkläger auf. Mit einem Urteil wird im Oktober gerechnet.