Gegenwehr bei Festnahme
Polizisten bleiben noch länger dienstunfähig

In der Halle am Rand des Neubrandenburger Stadtteils Fritscheshof haben Polizisten einen Obdachlosen in Gewahrsam nehmen müssen. 
In der Halle am Rand des Neubrandenburger Stadtteils Fritscheshof haben Polizisten einen Obdachlosen in Gewahrsam nehmen müssen.
Thomas Beigang

Im Neubrandenburger Ortsteil Fritscheshof musste die Polizei in einer vermüllten Halle einem widerspenstigen Mann aus Ghana zu Leibe rücken. Der Nordkurier begab sich auf Spurensuche.

Die schlechte Nachricht zuerst. Die beiden Polizisten, die in der Nacht zum Mittwoch bei einer handfesten Auseinandersetzung mit einem Obdachlosen verletzt wurden, sind immer noch nicht wieder dienstfähig. Bei der Polizei hieß es am Freitag, die Genesung werde wohl auch noch eine Weile auf sich warten lassen. Die Gegenwehr eines 22-Jährigen, der sich weder kontrollieren noch aufs Revier bringen lassen wollte, sei sehr heftig gewesen.

Dabei hatten die beiden Polizisten alle Gründe, im Hauerweg im Neubrandenburger Ortsteil Frischeshof nach dem Rechten zu sehen. Ein Nachbar hatte bei der Polizei angerufen und von einem Lagerfeuer berichtet, das er in einer leer stehenden Halle beobachten könne. Im Polizeibericht hieß es hinterher, das Gebäude sei schwer zugänglich gewesen. In der Tat – jene Halle ist von riesigen Laubbergen umgeben, von Brombeerbüschen umrankt und gleicht im Inneren einer Müllhalde. Einer illegalen – versteht sich.

Ohne Übertreibung, was sich der Nordkurier am Freitag dort ansehen musste, zählt ohne jeden Zweifel zu den schlimmsten Dreckecken der Stadt. Ein Mann, der gerade in seinem Garten eine raucht, erzählt, in dem maroden Gebäude sei früher zu DDR- und LPG-Zeiten eine Hühnerfarm zu Hause gewesen. Lange sei das her und so lange stehe die Halle wohl auch leer.

An die Ausländerbehörde überstellt

Hier verkriecht sich nur jemand, der in ganz großer Not ist – freiwillig zieht niemand in die Nachbarschaft von Asbest, verrosteten Töpfen und klammen Planen. Was aber jenen 22-Jährigen an den äußersten und wohl verkommensten Rand Neubrandenburgs gezogen hat, bleibt ein Geheimnis. Zumal auch dessen Herkunft – der Mann stammt aus Ghana und besaß lediglich eine Aufenthaltsberechtigung für Italien – für Rätselraten sorgte. Was zog den Mann ausgerechnet in das kühle und feuchte Neubrandenburg?

Dem Vernehmen nach soll der Ghanaer aber bereits nach Italien abgeschoben worden sein. Denn den beiden Polizisten, die eigentlich nur ein Feuer löschen wollten, gelang es trotz der Gegenwehr und der dabei erlittenen Verletzungen, den jungen Mann in Gewahrsam zu nehmen. In Absprache mit der Staatsanwaltschaft Neubrandenburg wurde der Mann nach der Vernehmung auf dem Revier an die Ausländerbehörde des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte überstellt, um ihn nach den ausländerrechtlichen Bestimmungen nach Italien auszuweisen, heißt es amtlich.

Von den wenigen Bewohnern am Hauerweg ist nur wenig zu erfahren. Zwei Männer, die im alten Gutshaus gerade einen großen Raum malern, haben noch nie zuvor etwas darüber gehört, dass in den alten LPG-Stallungen Menschen Schutz vor Regen und Kälte suchen.

Kommentare (3)

Was war es wohl , das diesen armen Schutzsuchenden soweit getrieben hat ? Ganz einfach das Wissen , sich hier Alles erlauben zu können....auf Bürgers Kosten rundumversorgt durch alle Instanzen klagen, gleich nach Abschiebung erneut einreisen in den Allinclusiv- Kreislauf. Die Polizei steht dem hilflos und unbewaffnet gegenüber , offenbar, und kann sich nicht einmal selbst schützen.

Wem gehört eigentlich diese Ruine? Hat hier die Sicherungspflicht versagt? Es gibt sicher einen Vermögenslosen , der kein Geld hat, das Unheil dort zu beseitigen. Wenn solche Unterschlüpfe nicht beseitigt werden kommen immer wieder [gelöscht, d. Red. – bitte halten Sie sich an unsere Netiquette] …

Pfefferspray, Schlagstock, Schusswaffe - in dieser Reihenfolge !