CORONAKRISE

Neubrandenburgs größtes Hotel ist pleite

Wegen der Coronakrise dürfen vorerst keine Gäste mehr beherbergt werden. Dem „Hotel am Ring” drohte damit die Zahlungsunfähigkeit. Die Betreiber zogen nun die Reißleine.
Rund 80 Mitarbeiter des „Hotel am Ring” in der Neubrandenburger Innenstadt sind von der Insolvenz betroffen. Sie s
Rund 80 Mitarbeiter des „Hotel am Ring” in der Neubrandenburger Innenstadt sind von der Insolvenz betroffen. Sie sollen jetzt für drei Monate Überbrückungsgeld kriegen, bis sich ein neuer Investor finden könnte. Mirko Hertrich
Neubrandenburg.

Aufgrund der Auswirkungen der Coronakrise haben die Betreiber des Neubrandenburger „Hotel am Ring” Insolvenz angemeldet. Die Geschäftsführer der Hotel Am Ring GmbH, Elfrun Scheller und Diemo Tam, haben am Dienstag einen entsprechenden Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens „über das eigene Vermögen“ beim Amtsgericht Neubrandenburg eingereicht. Die Sprecherin des Neubrandenburger Amtsgerichts, Petra Hoeveler, bestätigte dem Nordkurier am Mittwoch auf Anfrage den Eingang des Insolvenzantrags.

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70 Mitarbeiter und 10 Auszubildende von der Insolvenz betroffen

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmte das Amtsgericht den Potsdamer Rechtsanwalt Christian Graf Brockdorff. Der Experte für Insolvenzrecht sagte im Gespräch mit dem Nordkurier, „das Unternehmen drohte aufgrund der Coronakrise, zahlungsunfähig zu werden.” Daher habe sich die Geschäftsleitung entschieden, den Insolvenzantrag zu stellen.

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Betroffen davon sind nach den Worten des Juristen 70 Mitarbeiter sowie 10 Auszubildende. Der vorläufige Insolvenzverwalter will für sie bei der Bundesagentur für Arbeit einen Antrag auf Vorfinanzierung des Insolvenzüberbrückungsgeldes stellen. Er ist zuversichtlich, dass diese Maßnahme zur Fortzahlung der Gehälter bewilligt wird. Diese läuft für drei Monate. Genügend Masse – also finanzielle Mittel – für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens ist nach Einschätzung des Rechtsanwalts vorhanden.

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Hotelbetrieb wird aufrechterhalten

Der Betrieb des Hotels werde „weiter eingeschränkt” aufrechterhalten, hob Christian Graf Brockdorff ausdrücklich hervor. Er hofft, dass für den Fall einer Aufhebung der Coronaschutzmaßnahmen bis zum Ostergeschäft wieder eine finanzielle Entspannung eintritt. Auch die Versorgung des Pflegeheims, das sich in dem Komplex am Friedrich-Engels-Ring befinde, sei sichergestellt. Die Bundeswehr könne die von ihr gemieteten Räumlichkeiten ebenfalls vorerst weiter nutzen.

Der vorläufige Insolvenzverwalter befürchtet allerdings, dass der Insolvenzantrag der Hotel Am Ring GmbH als Folge der Coronakrise erst der Anfang ist. „Das wird kein Einzelfall bleiben, die ganze Beherbergungsbranche steckt in einer tiefen Krise.”

Neuer Besitzer forderte höhere Pacht

Das Hotel Am Ring mit seinen 141 Zimmern ist das größte Hotel Neubrandenburgs. Es befindet sich in bester Citylage unweit vom Rathaus direkt am Friedrich-Engels-Ring und an der mittelalterlichen Wallanlage der Vier-Tore-Stadt. Das Hotel umfasst auch das Restaurant „Das Krauthöfer”. Beide Einrichtungen werden gerne für Tagungen oder andere Veranstaltungen genutzt, so etwa die beliebte Kunstauktion.

Der Hotelkomplex hatte allerdings kürzlich den Besitzer gewechselt. Das Betreiberduo Elfrun Scheller und Diemo Tam sah sich in der Folge während des noch bis Ende 2021 laufenden Mietvertrages mit deutlich höheren Pachtforderungen konfrontiert. Trotzdem hatte die Hotelchefin angekündigt, nachverhandeln und das Hotel auch weiter betreiben zu wollen. Elfrun Scheller und ihre Familie hatten jüngst das Badehaus am See gekauft.

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Kommentare (7)

Die Insolvenzantragspflicht wurde gerade wegen Corona bis Ende September 2020 ausgesetzt (einfach mal nach CorInsAG googeln). Wer jetzt oder bis September Insolvenz beantragt, macht dies jedenfalls nicht wegen der Coronakrise.

Das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz (BMJV) hat sich am 16.März 2020 zur Insolvenzantragspflicht wegen Corona geäußert(Googlesuche: BMJV Insolvenzantragspflicht). Soweit das dort interpretierbar ist, ist die Regelung noch nicht aktiv.

Wenn hier ausschließlich Rechtsfragen geklärt werden, von wem auch immer, dann erkläre ich hier meine Solidarität mit 80 unmittelbar bedrohten Arbeitsplätzen in unserer Stadt. 10 Auszubildende und 70 Mitarbeiter.

Eiskalt hier.

...auch mit und nach Corona weiter. Einige Unternehmen profitieren, einige Unternehmen verlieren. Einige haben das Bedürfnis Gefühle zu äußern, andere helfen praktisch.

Da hat aber für jemanden die Krise gepasst.

Wie kann man ein neues Hotel (Badehaus) kaufen und gleichzeitig mit dem Alten insolvent gehen?
Jahrelang haben die Mitarbeiter dort zum Mindestlohn gearbeitet ohne Zuschläge , jetzt hat Frau Scheller das Badehaus gekauft.

Hallo lieber nordkurier!

Wieso ist der Zugriff auf diesen Artikel vom 28.03.2020 gesperrt?

https://www.nordkurier.de/neubrandenburg/gewerkschaft-stellt-unangenehme-fragen-zur-hotelpleite-2838878003.html

Gibt's hier schon wieder sowas wie Zensur?