SOWJETDENKMAL

Neubrandenburgs Friedenspanzer wurde nach Bremen abgeschoben

So wirklich geliebt hatten ihn die Neubrandenburger nicht. Wo der Panzer, der erst zu DDR-Zeiten in der Stadt aufgestellt wurde, nach der Wende hinkam, war lange unklar.
Von 1975 bis 1991 stand der Neubrandenburger T-34 auf einem Sockel in der Oststadt und sollte an die Befreiung der Stadt erinn
Von 1975 bis 1991 stand der Neubrandenburger T-34 auf einem Sockel in der Oststadt und sollte an die Befreiung der Stadt erinnern. Thomas Türülümow
Hier, wo es heute grünt und blüht, stand das Panzermonument. In den ersten Jahren nach der Demontage pflanzten an de
Hier, wo es heute grünt und blüht, stand das Panzermonument. In den ersten Jahren nach der Demontage pflanzten an dem Ort junge Brautpaare Bäume ein. Thomas Beigang
Neubrandenburg.

Ein einziger Anruf hat zu Beginn der 1990er Jahre das Schicksal des fast 30 Tonnen schweren Panzers in Neubrandenburg besiegelt. Das von vielen ungeliebte Monument aus DDR-Zeiten verschwand – von der Öffentlichkeit zunächst fast unbemerkt – sozusagen über Nacht. Das bestätigte – 29 Jahre später – jetzt ein damals hochrangiger Rathaus-Mitarbeiter dem Nordkurier.

Transporteur suchte in Brandenburg nach dem Panzer

Den erreichte damals der Anruf einer Bremer Firma für Schweißtechnik. Die bot sich an, den am 8. Mai 1975 aufgestellten Koloss zu entsorgen. Mit Hintergedanken: An dem Panzer des legendären Typs T-34 wollten die Spezialisten mit neuer Schweißtechnik trainieren. „Ich war sofort einverstanden“, so der Ex-Rathausangestellte, der sich noch das Okay der kompletten Verwaltungsspitze einholte.

Der zügig eingefädelte Handel geriet dann doch noch ins Stocken. Aber nicht, weil Anhänger des Symbols für die Befreiung Neubrandenburgs für dessen Verbleib demonstrierten. Vielmehr sorgte eine Verwechslung für unfreiwillige Verzögerung: Der für den Abtransport georderte Tieflader suchte zunächst statt in Neubrandenburg in Brandenburg nach dem Panzer.

Ganz umsonst sollte die Angelegenheit für die Bremer aber nicht über die Bühne gehen. Verlangt wurde von den Schweißspezialisten im Tausch für den Panzer eine satte Spende für den Aufbau der Konzertkirche in der Stadt. Die wurde, so heißt es, auch anstandslos bezahlt.

Steht der Panzer in einem britischen Museum?

Ärger drohte dafür aus dem benachbarten Neustrelitz, der Kommandeur der dort stationierten großen sowjetischen Garnison wurde im Rathaus vorstellig und berief sich auf ein Abkommen zwischen beiden Ländern, in der sich die deutsche Seite zur Pflege und Erhaltung aller sowjetischen Denkmäler verpflichtet hatte. „Aber“, so der Neubrandenburger, der 1991 den Anruf aus Bremen entgegennahm, „das konnte für uns nicht gelten“. Man habe beweisen können, dass der Panzer zum Kriegsende in Neubrandenburg nicht im Einsatz war, sondern erst viel später gebaut und im Neubrandenburger Reparaturwerk instand gesetzt wurde. Wäre das anders gewesen, heißt es, hätte niemand Hand an das Monument gelegt.

Ob der Panzer heute, wie manche vermuten, aus Bremen den Weg in ein britisches Museum gefunden hat, weiß so genau in der Kreisstadt niemand zu sagen.

 

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