GERICHT

Mann aus der Nähe von Neubrandenburg wegen Kriegswaffen angeklagt

In Neuenkirchen ist ein Mann unter einen schlimmen Verdacht geraten. Er soll das Kriegswaffenkontrollgesetz missachtet haben. Das empfindet der als geradezu empörend.
Ein Foto von der Internetseite des Luftfahrt-Vereins aus Neuenkirchen. Die Ausstellungen locken jedes Jahr viele Besucher in d
Ein Foto von der Internetseite des Luftfahrt-Vereins aus Neuenkirchen. Die Ausstellungen locken jedes Jahr viele Besucher in das kleine Dorf bei Neubrandenburg. Ralf Hinkemeyer
Neubrandenburg.

Ein Mann aus Neuenkirchen bei Neubrandenburg soll gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen haben. Das wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor; Beginn der Verhandlung ist Ende März.

Gebrauchsfähige Gewehre aus dem Ersten Weltkrieg

Auf der Anklagebank muss der Gründer und Chef des Interessenvereins Luftfahrt Neuenkirchen Platz nehmen. Auf dem Vereinsgelände in seinem Heimatdorf soll der 57-Jährige laut der Anklage unter anderem Bordgeschütze und Kanonen von Flugzeugen aus dem Zweiten Weltkrieg ausgestellt haben. Einzelne Exponate sollen nicht ordnungsgemäß demilitarisiert worden sein. Zudem befanden sich, so die Anklage, noch gebrauchsfertige Repetiergewehre aus dem Ersten Weltkrieg und Munition unter den Ausstellungsstücken.

Über die Vorwürfe zeigt sich der Neuenkirchener noch immer fassungslos. Denn angesichts des Alters und des Zustands der Ausstellungsstücke bezweifelt der Vorsitzende des 1998 eingetragenen Vereins deren Kriegswaffeneigenschaften. Nur ein Beispiel: Die Läufe der „angeklagten“ Bordkanonen seien mit Beton ausgegossen, den aber, so hieß es, könne man „herauspulen“, und schon wären die Kanonen fast wieder einsatzbereit. Zusätzlich hätte der Aussteller die Läufe aber noch durchbohren müssen. „Da fasse ich mir doch an den Kopf“, sagt der zukünftige Angeklagte und hält die ganze Angelegenheit für völlig überzogen. Zumal er einige der Exponate ganz offiziell in einschlägigen Geschäften gekauft hat.

Anonymer Hinweis hat alles ins Rollen gebracht

Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren ist der Neuenkirchener vom Besuch einiger Polizisten auf dem Vereinsgelände überrascht worden. Die hätten einen anonymen Hinweis darauf bekommen, sich in Neuenkirchen doch mal genauer umzusehen. Sogar ein Beamter aus dem Bundeskriminalamt soll dabei gewesen sein.

Das Gericht braucht, nicht ungewöhnlich, externen Sachverstand. Das Schöffengericht unter der Leitung der Vorsitzenden Richterin Tanja Krüske hat für die Verhandlung Fachleute für altes Kriegsgerät geladen. Mitarbeiter des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr in Dresden sollen Richterin und Schöffen bei der Entscheidung darüber helfen, ob der Mann tatsächlich sowohl gegen das Waffengesetz als auch gegen das sogenannte Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen hat.

Die Anklage, „tatsächliche Gewalt über Kriegswaffen“ ausgeübt zu haben, gilt als ein Verbrechen. Dafür drohen Freiheitsstrafen zwischen einem und fünf Jahren, selbst in minder schweren Fällen sind bis zu drei Jahre Haft oder eine Geldstrafe wahrscheinlich.

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