GERICHTSVERFAHREN

Mammutprozess um Reifendiebstahl in Neubrandenburg

Acht Männer aus Rumänien stehen vor Gericht, weil sie teure Reifen in großem Stil gestohlen haben sollen. Das Risiko war hoch – die Prämie aber sehr gering.
Ein Mammutprozess gegen acht mutmaßliche Reifendiebe hat am Dienstag in Neubrandenburg begonnen.
Ein Mammutprozess gegen acht mutmaßliche Reifendiebe hat am Dienstag in Neubrandenburg begonnen. Felix Gadewolz
Neubrandenburg.

Vor dem Landgericht in Neubrandenburg müssen sich seit Dienstag acht Rumänen dem Vorwurf stellen, organisiert und als Bande viele hundert Reifen gestohlen zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft den Verdächtigen vor – samt und sonders werden die Männer in Hand- und Fußfesseln aus der U-Haft vorgeführt – bei vier Einbrüchen bis April 2019 in Neubrandenburg, Neustrelitz, Rostock und Neuruppin Reifen im Wert von mehr als 200 000 Euro gestohlen zu haben.

Acht Verteidiger, acht Dolmetscher, zwei Dutzend Wachleute

Ein wahrer Mammutprozess – nicht nur wegen der Menge des Diebesgutes. Den acht Angeklagten sitzen acht Pflichtverteidiger zur Seite, acht Dolmetscher übersetzen alles, und fast zwei Dutzend Justizwachleute achten auf die Sicherheit. Das Gericht unter der Leitung der Vorsitzenden Daniela Lieschke ist um die Aufgabe nicht zu beneiden, jedem der Angeklagten dessen persönliche Schuld nachzuweisen.

Fünf Männer wollen lieber schweigen – vorerst jedenfalls – und nur drei sind am ersten Verhandlungstag bereit, auch etwas zu sagen. Darüber, wie und warum sie aus Rumänien nach Deutschland gekommen sind und warum sie gerade Neubrandenburg und Neustrelitz ins Visier nahmen. Städte, von denen sie zuvor noch nie etwas gehört hatten.

Die Schwere der Aufgabe, die Taten nachzuweisen, macht gleich der erste Aussagewillige deutlich. Denn anders als während seiner Aussage bei der Polizei gleich nach der Festnahme soll bei dem Beutezug in Neustrelitz keiner der anderen sieben Angeklagten dabei gewesen sein. Das sind andere gewesen, die seien jetzt alle in Rumänien, sagt er. Aber wenigstens ist das Gericht nach seiner Aussage etwas klüger über Hintergründe und Abläufe solcher Reifendiebstähle.

Heidenangst vor den Hintermännern

Warum Neustrelitz, will Richterin Daniela Lieschke wissen. Zwei Gründe, erklärt der redsame Angeklagte. Im Internet habe man sich erkundigt, wo überall in Deutschland Filialen von Euromaster – so der Name des Reifenhändlers – ansässig sind. Und von welchem dieser Standorte es nur ein Katzensprung weit bis zu der polnischen Grenze sei. Denn der Rückzug mit voll beladenen Transportern erfolgte immer über das östliche Nachbarland. Am Tatort angekommen seien Löcher in Zäune geschnitten oder Breschen in Wände geschlagen worden, die Transporter fuhren rückwärts ran und wurden in wenigen Minuten beladen. Wahrlich – keine leichte Aufgabe und richtig schwere Arbeit.

Zuhause habe man die Reifen dann dem Auftraggeber übergeben, jeder der Beteiligten durfte sich über 450 Euro Lohn freuen. Damit haben sie sich abspeisen lassen, fragt die Vorsitzende Richterin, bei dem hohen Wert der Beute? Der Angeklagte zuckt mit den Schultern. Er wisse nur, der Auftraggeber und neue Besitzer der Reifen werde „Gabi“ genannt und vor einem anderen besäße er eine Heidenangst, dessen Namen dürfe er nie erwähnen. Deshalb habe er die anderen Angeklagten beschuldigt, unter anderem in Neustrelitz mit von der Partei gewesen zu sein. Aber jetzt, seufzt der Angeklagte, könne er sein Gewissen nicht mehr damit belasten, völlig unschuldige Menschen zu beschuldigen.

Die Verhandlung wird am 15. Oktober fortgesetzt.

 

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