RESTAURIERUNGSARBEITEN

Heilende Hände für Mudder-Schulten-Brunnen

Bei der Sanierung des Mudder-Schulten-Brunnens ließen sich die Restauratoren ausnahmsweise über die Schulter schauen. Im Oktober soll der Brunnen wieder aufgestellt sein.
Susanne Schulz Susanne Schulz
Stütz-OP für Dörchläuchting: Jan und Friederike Hamann bohren den Muschelkalk-Körper an, um ihn mit Edelstahl-„Na
Stütz-OP für Dörchläuchting: Jan und Friederike Hamann bohren den Muschelkalk-Körper an, um ihn mit Edelstahl-„Nadeln” und Mörtel-Injektionen zu stabilieren. Susanne Schulz
Die Rüschen an Dörchläuchtings Gewand werden weiterhin die Spuren von Zeit und Wetter tragen.
Die Rüschen an Dörchläuchtings Gewand werden weiterhin die Spuren von Zeit und Wetter tragen. Susanne Schulz
Auskunft über die Restaurierungsarbeiten gab Jan Hamann am Tag der „Offenen Werkstatt“.
Auskunft über die Restaurierungsarbeiten gab Jan Hamann am Tag der „Offenen Werkstatt“. Susanne Schulz
Auf der nördlichen Seite des Bahnhofstors hat das Fritz-Reuter-Denkmal bereits sein neues Umfeld bekommen.
Auf der nördlichen Seite des Bahnhofstors hat das Fritz-Reuter-Denkmal bereits sein neues Umfeld bekommen. Susanne Schulz
Gegenüber wird durch eine kleine Treppe der Höhenunterschied zum Wall-Weg überwunden.
Gegenüber wird durch eine kleine Treppe der Höhenunterschied zum Wall-Weg überwunden. Susanne Schulz
Neubrandenburg.

Dörchläuchting hat’s im Rücken. Das hat der mecklenburgische Herzog aus dem 18. Jahrhundert mit vielen Menschen der Neuzeit gemeinsam. Doch während das heutige gemeine Volk zum Orthopäden oder ins Fitnessstudio pilgert, muss Dörchläuchting zum Restaurator. Genauer gesagt, die Restauratoren kommen zu ihm. Und das nicht, weil der hohe Herr es ihnen einfach so anordnen könnte wie einst zu seinen Lebzeiten, sondern weil es für sie einfacher ist, ihn an seinem aktuellen Wohnort zu behandeln.

Im Hof des Neubrandenburger Franziskanerklosters arbeiten Jan und Friederike Hamann an dem erstarrten Patienten, der als Muschelkalk-Figur zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten Neubrandenburgs gehört: zum Mudder-Schulten-Brunnen, der ursprünglich Dörchläuchting- und später Reuterbrunnen hieß und derzeit saniert wird, um noch in diesem Jahr mit der Neugestaltung des Bahnhofstors wieder an Licht der Öffentlichkeit zu treten.

Wind, Wetter um Umzüge setzten dem Brunnen zu

96 Jahre alt ist die von dem Bildhauer Wilhelm Jaeger erschaffene Skulptur, die eine Begebenheit aus Fritz Reuters Humoreske „Dörchläuchting“ in Muschelkalk bannt: Jene Szene, in der die wütende Bäckersfrau 1771 dem Landesherrn in aller Öffentlichkeit mit unbezahlten Rechnungen konfrontiert und von ihm dafür als „impertinentes Frauensmensch“ beschimpft wird.

Wind und Wetter und diverse Umzüge hatten im Laufe der Jahrzehnte dem Brunnen zugesetzt. Ursprünglich vor dem Rathaus auf dem Marktplatz errichtet, bekam er nach der weitgehenden Zerstörung der Innenstadt ein neues „Zuhause“ an der Stargarder Straße, gegenüber dem Fritz-Reuter-Denkmal. Seit Jahren schon sprudelte allerdings kein Wasser mehr. Die Arbeiten beiderseits der Stargarder Straße boten nun den Anlass, auch dieses Wahrzeichen wieder in Szene zu setzen.

In Jan Hamanns Werkstatt „Am Oberbaum“ fanden die Stadtväter kundige Partner, die gerade auch durch die Sanierung des berühmten Güstrower Borwinbrunnens von sich reden machten. Mit Steinmetzlehre, Bildhauer- und Restauratorenstudium sowie Auftraggebern von Museen in Berlin, Hamburg oder Schwerin bis hin zu Ausgrabungsstätten im Sudan kann Hamann beste Referenzen auch für das Neubrandenburger Projekt vorweisen.

Filigrane Arbeit an den Haubentauchern

Schadstellen im Stein zu ergänzen, ist ein Part bei der Sanierung des insgesamt wohl zehn Tonnen schweren, rund 50 Stücke umfassenden Brunnen-Ensembles. Als besonders filigran erweist sich die Arbeit an den Haubentauchern, aus deren Schnäbeln bald wieder Wasser fließen soll. Und schließlich gilt es eben der berühmten Figurengruppe wieder die nötige Stabilität zu verleihen.

Der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts für Skulpturen beliebte Muschelkalk sei durchaus sehr witterungsbeständig, erklärt der Restaurator. Zwischen den Kalkschichten jedoch könne Wasser eindringen und das Material schädigen.

An Dörchläuchtings Rücken zum Beispiel sind diverse Risse sichtbar. Also kommt das große OP-„Besteck“ zum Einsatz: Der Herzog wird angebohrt. Mit einer Wasserspritze vergewissern sich die Restauratoren, dass ihn die Feuchtigkeit wie vermutet durchdringt. Somit ist der Weg bereitet für stützende Edelstahl-Nadeln, die mit Mörtel-Injektionen verfüllt werden. So bekommt die Figur wieder Halt und Rückgrat.

Im Oktober soll sie ihren neuen Platz einnehmen, neben dem Eingangseck des Franziskanerklosters, in Sichtweite des auf der anderen Straßenseite thronenden Fritz-Reuter-Denkmals. Dort ist unterdessen der Übergang zum Wall neu angelegt. Die Bepflanzung zu „Fritzings“ Füßen und Sitzbänke stehen noch aus, erklärt Benedikt Wieczorek von der Kommunalen Entwicklungsgesellschaft KEG, die für die Arbeiten am Bahnhofstor verantwortlich zeichnet. Auf beiden Seiten der Stargarder Straße sind noch Stelen aus Cortenstahl geplant, um die Weiterführung der Stadtmauer anzudeuten. 1,3 Millionen Euro sind veranschlagt für die Gestaltung des Bahnhofstors, davon 763 000 Euro aus Städtebaufördermitteln.

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