General Dynamics
Verkauf der Fahrzeugewerke war schon lange beschlossen

Ein Konzern aus den USA kaufte das Unternehmen, in dem Militärtechnik repariert und instand gesetzt wird.
Ein Konzern aus den USA kaufte das Unternehmen, in dem Militärtechnik repariert und instand gesetzt wird.
Ulrich Krieger

Der Verkauf der Fahrzeugwerke Neubrandenburg (FWW) an einen US-amerikanischen Multi war laut Firmengründer Thomas Bockhold schon lange festgezurrt. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem RWN?

Darf gratuliert werden? Thomas Bockhold, bis vor sechs Tagen noch Geschäftsführer der Neubrandenburger Fahrzeugwerke, hat nichts dagegen. Und benennt auch gleich die Adressaten für die Gratulationen: „Das Land, die Region, der Konzern und, natürlich, die Mitarbeiter.“ Sich selbst hält Bockhold zunächst zurück.

Die Fahrzeugwerke (FWW) zählen von jetzt an zum Bestand des großen US-Rüstungskonzerns General Dynamics, einem der Giganten auf dem weltweiten Rüstungsmarkt mit mehr als 100 000 Beschäftigten. Das passt – FWW ist seit der Gründung des Unternehmens Anfang 2001 auf die Reparatur, Wartung und Instandsetzung von Militärfahrzeugen spezialisiert und sucht, angesichts der steigenden Auftragslage, händeringend nach neuen Mitarbeitern. Von denen es früher, zu DDR-Zeiten, im ehemaligen Reparaturwerk genügend gab.

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem RWN?

Tausende Neubrandenburger haben einst im RWN gearbeitet – und haben bestimmt noch Erinnerungen an diesen doch speziellen Betrieb parat. Die möchten wir wissen und bitten, uns daran teilhaben zu lassen. Bitte schreiben Sie uns: Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem RWN? Wir sind gespannt. Post bitte an red-neubrandenburg@nordkurier.de oder an die Redaktion Neubrandenburg beim Nordkurier in 17033 Neubrandenburg, Friedrich-Engels-Ring 29.

Geheimschutz im RWN

Der Vorzeigebetrieb, in dem seit Jahrzehnten Panzer, Schützenpanzer und andere militärische Großgeräte repariert wurden, galt unter den Neubrandenburgern als guter Arbeitgeber. Hier konnte, weil das Unternehmen ein wichtiger Bestandteil der Landesverteidigung war, immer ein bisschen besser verdient werden als in anderen Neubrandenburger Großbetrieben. Das Reparaturwerk, unter der Abkürzung RWN ein fester Begriff, konnte sich die Leute aussuchen. Und musste auch – denn nicht jeder galt als vertrauenswürdig genug, in dem unter besonderem Geheimnisschutz stehenden Betrieb zu arbeiten.

Der Mann, der die Tradition des RWN in Sachen Rüstungsreparaturen seit über 17 Jahren in Neubrandenburg und den Betriebsteilen Oertzenhof bei Woldegk und in Strasburg fortgesetzt hat, ist nunmehr froh über den Verkauf. Viele Unternehmen, sagte Bockhold am Mittwoch dem Nordkurier, hätten doch Probleme mit der Nachfolge in der Geschäftsführung. „Wir jetzt nicht mehr und das ist gut auch für die Perspektive der Mitarbeiter.“

Verkauf schon lange beschlossen

Er selbst werde bald 60 Jahre alt und will nunmehr ein paar Schritte zurücktreten. „Ich bin jetzt als Berater tätig.“ Für welche Summe die FWW über den „Tisch“ gegangen sind, darüber mag Bockhold nicht reden. Wohl aber darüber, dass man sich schon lange kannte – die Fahrzeugwerke und General Dynamic. „Von Messen, Konferenzen, Ausschreibungen und so.“

Wer allerdings die Initiative zum Kauf und Verkauf ergriff, will Thomas Bockhold nicht mehr wissen. „Das ist doch wie beim Tanz, wer weiß später noch, wer wen aufgefordert hat“, lächelt der Unternehmer. Festgezurrt sei die Angelegenheit schon im Juni gewesen, erzählt er, das Bundeskartellamt hatte nichts dagegen einzuwenden und wirksam ist alles am 1.  Dezember geworden.

Das Reparaturwerk wurde 1991 von der Treuhand an die Rüstungsfirma Diehl übergeben, damals schon arbeitete Bockhold als Geschäftsführer in Neubrandenburg. Als der Staat aber Ende der 1990er-Jahre die Ausgaben für die Bundeswehr herunterschraubte, entschloss sich der Großkonzern Diehl, die Neubrandenburger Firma dichtzumachen.

Bockhold blieb dran und fing mit ganzen drei Leuten wieder an. Knapp 250 Mitarbeiter sind es heute, die Firma platzt aus allen Nähten, sodass sich das Unternehmen im vergangenen Jahr entschloss, große Hallen von der Bundeswehr in Fünfeichen zu kaufen, um hier zu expandieren. Mit Aktionstagen, teuren Inseraten und Hilfe von der Arbeitsagentur sucht die Firma seitdem nach qualifizierten Mitarbeitern.

Schließlich gilt es bei den FWW Panzer wie den „Leopard“, den Schützenpanzer „Marder“ und andere Militärtechnik wieder flottzukriegen – insgesamt 30 Fahrzeugtypen. Umsatz des Unternehmens: Rund 20 Millionen Euro im Jahr.