WOHNUNGSRäUMUNGEN

Das Ende vom "Boss von Neubrandenburg"?

Martialische Wohnungsdurchsuchungen, ominöse Möbelwagen und ein mysteriöser Mann im silbernen Mercedes. Die Geschichte um Isa S., dem „Boss von Neubrandenburg” ist um ein Kapitel reicher.
Mirko Hertrich Mirko Hertrich
Ein Tag nach der Messerstecherei vom 1. Juni sollen zwei Wohnungen ausgeräumt worden sein, die zum Umfeld von Isa S. gehören sollen.
Ein Tag nach der Messerstecherei vom 1. Juni sollen zwei Wohnungen ausgeräumt worden sein, die zum Umfeld von Isa S. gehören sollen. Facebook
Weiße Umzugswagen holten am 2. Juni Möbel aus Wohnungen in der Oststadt ab, die zum Umfeld von Isa S., des selbst ernannten „Boss von Neubrandenburg“, gehören sollen.
Weiße Umzugswagen holten am 2. Juni Möbel aus Wohnungen in der Oststadt ab, die zum Umfeld von Isa S., des selbst ernannten „Boss von Neubrandenburg“, gehören sollen. Mirko Hertrich
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Neubrandenburg.

Bereits Ende Mai soll die Polizei eine Neubrandenburger Wohnung im Umfeld des selbst ernannten Berliner Rockerbosses Isa S. durchsucht haben. S. sorgte für Schlagzeilen, als er in einem auf dem Neubrandenburger Marktplatz gedrehten Drohvideo die Stadt für sich und sein Motorradclub Notorious M.C. Nomads Germany beanspruchte.

Zeugen berichteten von einer martialischen Durchsuchungs-Aktion Ende Mai: Männer in Zivil, aber mit Sturmhauben auf dem Kopf, rückten in einem Wohnblock an der Kreuzung Petrosawodsker/Mlada-Boleslaver-Straße an und drangen in eine Wohnung ein. Am Ende der kurzen Polizeiaktion wurde laut Zeugen das Schloss ausgetauscht und ein Zettel an Türe gehängt, auf dem zu lesen war, wo die Mieter die neuen Schlüssel finden.

„Ja, das waren wir“, bestätigte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Neubrandenburg dem Nordkurier auf Anfrage die polizeiliche Maßnahme. Dabei sei es darum gegangen, Beweismittel zu sichern. Weitere Angaben zum Ergebnis der Aktion machte die Behörde nicht. Zeugen berichten dem Nordkurier, dass zwei Tage nach der Razzia in unmittelbarer Nähe auch ein Auto von der Polizei abgeschleppt worden sei. Wiederum maskierte Männer hätten den Pkw geöffnet, auf einen Abschleppwagen verladen und seien dann weggefahren. Beide Aktionen sollen sich zwischen dem 28 und 30. Mai abgespielt haben.

Beide Männer sind auf freiem Fuß

Unmittelbar im Anschluss geriet der türkischstämmige Rockerboss in eine körperliche Auseinandersetzung in der Einsteinstraße in der Oststadt. Der 31-Jährige S. lieferte sich am Abend des 1. Juni einen handfesten Streit mit einem 39 Jahre alten Mann, bei dem auch ein Messer sowie ein Baseballschläger zum Einsatz gekommen sein sollen. Dabei wurden beide Kontrahenten schwer verletzt, der ältere sogar lebensbedrohlich.

Das Motiv für die Auseinandersetzung ist weiter unklar (der Nordkurier berichtete). Die Ermittlungen der Neubrandenburger Staatsanwaltschaft gegen beide Männer wegen versuchten Totschlags sind noch nicht abgeschlossen. „Auskünfte zu Details sind daher aus ermittlungstaktischen Gründen nicht möglich“, teilte Oberstaatsanwalt Gerd Zeisler dem Nordkurier mit. Beide sind auf freiem Fuß.

Unmittelbar nach dem blutigen Streit soll Isa S. in den Wohnblock an der Kreuzung Petrosawodsker/Mlada-Boleslaver-Straße gekommen sein, in dem wenige Tage zuvor die Wohnung durchsucht worden war. Anwohner berichteten von zahlreichen Blutflecken im Treppenhaus. Gute Erfahrungen mit den Hausmitbewohnern in der Wohnung hatten sie zuvor nicht gemacht. Ein Zeuge sprach von einem aggressiv auftretenden Mann. Auch klagten Anwohner wiederholt über Lärmbelästigung.

Doch damit war urplötzlich Schluss. Am Tag nach der Messerstecherei in der Einsteinstraße rückten vor der Wohnung sowie bei mindestens zwei weiteren Objekten in der Umgebung Kleintransporter an, in die Männer Möbel sowie weitere Utensilien verluden und dann davonfuhren.

Immer wieder Rauch aus der verlassenen Wohnung

Alles unter den Augen eines Herren mittleren Alters, der seinen silbernen Mittelklassewagen eigens ins Parkverbot gestellt hatte, um einen genauen Blick zu haben. Bislang ist unklar, um wen es sich dabei handelte. Zurück blieben nach der Umzugsaktion leere Wohnungen und zumindest in einem Fall allerlei Müll, der in den Folgetagen von Mitarbeitern der Neuwoges entfernt werden musste.

Der Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft gehört der Block. Ob die Wohnungen ordentlich gekündigt oder „fluchtartig“ verlassen wurden und die Neuwoges auf den Kosten sitzen bleibt, war nicht in Erfahrung zu bringen. Das städtische Unternehmen verwies auf Anfrage darauf, dass es hierzu aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Auskünfte geben dürfe.

Den Nachbarn ist die ganze Situation weiter nicht geheuer. Er habe immer wieder den Eindruck, dass aus der Wohnung Zigarettenrauch komme, berichtete einer dem Nordkurier hinter vorgehaltener Hand. Schließlich hatte der „Boss“ auch angekündigt, trotz allem in Neubrandenburg zu bleiben.

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