Nahversorgung

Das ALDI-Dilemma von Burg Stargard

Seit bald einem halben Jahr ist der Aldi-Markt in Burg Stargard geschlossen. Die Folge ist für viele Anwohner ein Einschnitt bei der Nahversorgung.
Tim Prahle Tim Prahle
Noch im Sommer war der Parkplatz voll und das Logo mit dem blauen „A“ prangte am Gebäude. Ein halbes Jahr später wirkt der verlassene Ort vor allem trostlos.
Noch im Sommer war der Parkplatz voll und das Logo mit dem blauen „A“ prangte am Gebäude. Ein halbes Jahr später wirkt der verlassene Ort vor allem trostlos. Tim Prahle
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Neubrandenburg.

Wann ist ein Thema „Stadtgespräch“? Burg Stargards Bürgermeister Tilo Lorenz (CDU) wählte diesen Begriff beim vergangenen Bürgerempfang, als er kurz auf die geschlossene Aldi-Filiale in der Dewitzer Chaussee zu sprechen kam. Neben der von vielen Nebengeräuschen begleiteten Diskussion um den Kita-Standort im Papiermühlenweg und Straßensanierungen, die Verwaltung und Bürger gleichermaßen in Atem halten, sei es vor allem die Nahversorgung, die die Stargarder umtreibt.

Das Problem, das gerade ältere Einwohner haben, liegt auf der Hand. Denn nun gibt es nur noch die Filiale des Aldi-Konkurrenten Lidl in der Carl-Stolte-Straße als größere Einkaufsmöglichkeit in der Stadt. Doch dafür muss erst „der Berg erklommen werden“. Zu Fuß ist dieser Weg für Viele zu beschwerlich. Der Nahkauf gegenüber der Kirche scheint indes für den Großeinkauf nicht zu genügen.

Doch wie konnte es so weit kommen, dass in Burg Stargard nach der Schließung einer Filiale die Nahversorgung so ins Stocken gerät, während sich beispielsweise in Friedland Rewe, Aldi, beide Nettos und Lidl an der Hauptstraße tummeln? Für Lorenz hat das mehrere Gründe. Es liege aber vor allem auch an der Beschaffenheit der Stadt selbst. Die eine große Hauptstraße gibt es in Burg Stargard nicht, die Kleinstadt besticht eher durch Enge, denn durch Weite. Doch das erschwere es, die großen Lebensmittelhändler zu locken.

Suche nach möglichem Standort geht weiter

Grundstück und Objekt gehören der Aldi-Unternehmensgruppe, wie die Essener auf Nordkurier-Nachfrage bestätigen. Die Stadtvertreter hatten vergangenes Jahr eine Veränderungssperre auf den Standort gelegt. „Wir wollten sichergehen, dass der Ort für den Einzelhandel verfügbar bleibt“, sagt Lorenz zu der Maßnahme. Heißt, Aldi darf theoretisch nur an einen Mitbewerber verkaufen. Doch im Unternehmen selbst scheint es eine interne Regelung zu geben, an Mitbewerber nicht verkaufen zu dürfen. Allerdings möchte dessen Sprecher Manuel Sentker das nicht bestätigen. Sollte es stimmen, befände sich die Zukunft des Grundstücks in einer ausweglosen Patt-Situation.

Kein Zustand, der Verwaltungschef Tilo Lorenz sonderlich gut gefällt. Die Stadt bemüht sich daher weiter mit Aldi Nords Regionalgesellschaft in Jarmen Gespräche zu führen und parallel nach Flächen zu forschen, die den hohen Ansprüchen der Einzelhändler genügen. „Die Forderungen liegen meist bei 4000 bis 5000 Quadratmeter Gesamtfläche, am besten auf grüner Wiese, zentral und ohne viel zu kosten“, fasst Lorenz zusammen. Eine Sache würde immer fehlen, so sei ein Standort im Sabeler Weg einigen Interessenten nicht nahe genug an der Innenstadt gewesen. Aldi selbst gab seinen Markt wohl auch deshalb auf, weil es nicht genügend Platz gab, ihn auszubauen. Ob es darüber hinaus noch andere Gründe gab wie eine nachlassende Nachfrage, dazu möchte sich das Unternehmen ebenfalls nicht äußern.