STADTMAUER

Dachbalken sollen Auskunft über das Alter geben

In der kommenden Woche wird es an der Abrissstelle Mauerstraße/Breitscheidstraße weitergehen. Doch vorerst sehr vorsichtig in Handarbeit.
Bärbel Gudat Bärbel Gudat
Die Dachbalken in der Nummer 1 gleich neben dem Brandenburger Tor sind freigelegt worden.
Die Dachbalken in der Nummer 1 gleich neben dem Brandenburger Tor sind freigelegt worden.
Altentreptow.

Nach Ostern wird es mit den Abrissarbeiten am Brandenburger Tor weitergehen, hieß es aus dem Altentreptower Bauamt. Die Mitarbeiter der Firma Munzinger werden aber vorerst kein schweres Gerät einsetzen. Das Dach des zweiten Hauses in der Mauerstraße wird wie in der Nummer 1 mit der Hand abgetragen. Der Greifswalder Bauhistoriker André Lutze schaut den Männer bei ihrer Arbeit im übertragenen Sinne auf die Finger. Es geht dabei um die Dachbalken. Die ersten Proben von Haus Nummer eins sind genommen. Es geht darum, das Alter festzustellen, um noch exakter Aussagen zum gefundenen Stück Stadtmauer am Brandenburger Tor machen zu können.

Eigentlich sollten Anfang Dezember nach langen Vorbereitungen und Statikgutachten drei marode Häuser in der Breitscheidstraße und der Mauerstraße verschwinden. Schnell kam die Vermutung auf, dass die Rückwand des alten Hauses in der Breitscheidstraße möglicherweise ein Stück Stadtmauer sein könnte (der Nordkurier berichtet). Die Firma handelte entsprechend ihrer denkmalschutzrechtlichen Genehmigung und zeigte den Fund an. Die Abrissarbeiten wurden daraufhin eingestellt.

Gutachten bestätigte Vermutung

Der Greifswalder Bauhistoriker André Lutze schaute sich vor Weihnachten das freigelegte Mauerstück an und war sich da schon sicher, das es sich um ein Stück historische Stadtmauer handelt. Das bestätigte er in seinem schriftlichen Gutachten Anfang des Jahres, das die Stadt in Auftrag gegeben. Der 19 Meter lange und im Durchschnitt 3,20 Meter hohe Abschnitt sei nicht nur ein „wichtiger Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung Altentreptows“, so der Gutachter. Seiner Ansicht nach weist dieses gefundene Stück ein Alleinstellungsmerkmal im Vergleich mit anderen historischen Mauerteilen in der Stadt auf. Es gehe dabei um bautechnische Eigenschaften; das betreffe das „hoch aufgeführte, teilweise mit Backstein durchsetzte Feldsteinmauerwerk.“ Auch die Anbindung ans Brandenburger Tor sei im Vergleich zu den anderen Abschnitten der Stadtmauer im Stadtgebiet besonders. Der Fachmann datierte das Mauerstück aufgrund der bautechnischen Merkmal ins 15. Jahrhundert.

Wenn die Dachbalken alle freigelegt sind, wird es noch einmal knifflig. Es geht darum, ob die Stadtmauer die Rückwand der Häuser in der Mauerstraße bildet. Das gilt es zu prüfen. So wie es im Moment ausschaut, ist aber zumindest in der Mauerstraße 1 wohl eine Wand davor gemauert. Aber auch hier entscheidet der Bauhistoriker, wie es letztendlich weitergeht. Wenn sein Okay vorliegt, dann können auch die beiden Häuser in der Mauerstraße mit schwerem Gerät weggerissen werden.

Wie das Gelände am Brandenburger Tor einmal gestaltet wird, ist noch nicht klar. Bürgermeister Volker Bartl hatte aber schon nach Veröffentlichung des Gutachtens dafür ausgesprochen, hier nicht, wie geplant, Baugrundstücke auszuweisen.

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