STREETART IN NEUBRANDENBURG

Bunte Straßenkunst lockt auf den Boulevard

Die Neubrandenburger Turmstraße wird zur Freiluftgalerie. Zum Start der vierwöchigen Aktion zog es viele Menschen in die Innenstadt. Manch einer hat sich nebst den Künstlern in der Ausstellung verewigt.
Die freien Flächen zum Selbstgestalten ließen Groß wie Klein zu den Farbdosen greifen.
Die freien Flächen zum Selbstgestalten ließen Groß wie Klein zu den Farbdosen greifen. Martina Schwenk
Gesprüht oder mit Pinsel? Hier und da fällt eine Unterscheidung nicht gerade leicht.
Gesprüht oder mit Pinsel? Hier und da fällt eine Unterscheidung nicht gerade leicht. Martina Schwenk
Wer wollte, konnte sich am Samstag mit den bunten Dosen ans Werk machen.
Wer wollte, konnte sich am Samstag mit den bunten Dosen ans Werk machen. Martina Schwenk
Vom Anfang bis zum Ende der Turmstraße gibt es vieles zu entdecken, von Graffiti über Malerei zu Fotografie.
Vom Anfang bis zum Ende der Turmstraße gibt es vieles zu entdecken, von Graffiti über Malerei zu Fotografie. Martina Schwenk
Die bunte Mischung aus Kunstwerken können noch bis Ende Juli bestaunt werden.
Die bunte Mischung aus Kunstwerken können noch bis Ende Juli bestaunt werden. Martina Schwenk
Neubrandenburg.

Kunst unter freiem Himmel. Seit Samstag ist der Neubrandenburger Boulevard nebst Einkaufsstraße eine offene Galerie. 24 von lokalen Künstlern gestaltete Plakatwände, aufgestellt in der gesamten Turmstraße, haben zahlreiche Besucher bereits am ersten Tag angelockt. Was gut zu einer Grundidee dieser Streetart-Ausstellung passt: Das Leben zurück in die Innenstadt zu bringen.

Im April war bereits ein anderes Projekt großen Anklang gefunden. In den Schaufenstern von gut 20 Läden konnten Passanten mehr als 60 Werke von lokalen Künstler bewundern (der Nordkurier berichtete). Den durch die Corona-Regelungen geschwächten Einzelhandel sowie die lokalen Künstler unterstützen und den Menschen Freude bereiten war das Ziel. „So kam die Idee zu einer weiteren großen Aktion“, sagt Neubrandenburgs City-Manager Michael Schröder.

Erste Kaufanfragen zu Bildern gibt es schon

Rund zwei Monate hat die Vorbereitung für die Ausstellung gedauert, die für vier Wochen in der Turmstraße verweilen wird. „Wir sind froh, dass es in dieser Form möglich geworden ist.“ Es ist schwierig, eine Innenstadt neu zu beleben, sagt Vize-Bürgermeister und Vorsitzender des Vereins RWN Arts Peter Modemann, der die Aktion sehr begrüßt. Die beteiligten Künstler – einige davon sind in der RWN-Galerie zu finden – haben eine bunte Mischung aus Fotografie, Malerei und Graffiti zusammengestellt, hier und da die Kunstformen sogar miteinander kombiniert.

Zu den Künstlern gehören unter anderem Günter Knop und Paul Raddatz, die die Organisation unterstützt und Künstler rekrutiert haben, Tom Wollenberg, Thomas Johann Friedrich Rauch, kurz Josi genannt, Bernd Lasdin oder der Fotograf, den alle Oppi rufen, um nur ein paar zu nennen. Neubrandenburg zeigt sich mit der Aktion modern, findet Peter Modemann und hofft, dass die Kunstwerke Passanten zum Verweilen einladen und Touristen sich daran erfreuen. Erste Kaufanfragen zu Bildern habe es bereits gegeben. Alle Werke können, sobald die Druckerei bereit ist, später auf Spezialpapier abgedruckt werden, so sich jemand für eines interessiert, verrät Günter Knop.

Erste Besucher hat es am Samstag gleich ab der ersten Minute der Ausstellung in die Turmstraße gezogen. „Wir sind extra schon um 10 Uhr gekommen“, sagt Tina Reißhauer begeistert. Ihr Lieblingsbild haben sie und ihr Mann schnell gefunden und wollen es später erwerben.

„Es ist toll, dass es gerade um Streetart geht“, sagt Tina Reißhauer, ihres Zeichens selbst Künstlerin. Ihr Mann Hendrik Reißhauer hat bei der Gelegenheit sogar gleich Kontakt zu einem Graffiti-Künstler knüpfen können. Seit er vor einiger Zeit ein Bild von ihm gesehen habe, habe er ihn um eine Arbeit bitten wollen. Nur blieb der Künstler anonym. Bei der Ausstellung hatte Hendrik Reißhauer nun Glück. „Das muss man auch erst mal schaffen, einen Stil zu haben, der gleich wieder erkannt wird.“

Besucher konnten selbst kreativ werden

Früher hätte man wohl Graffiti gesagt, bemerkt Peter Modemann. Nur sei der Begriff irgendwie negativ behaftet. „Daher sagen wir Streetart. Es ist Kunst mit Sprühdosen.“ Straßenkunst eben. „Viele wissen nicht, was Graffiti ist und denken zuerst an Schmierereien“, sagt Günter Knop. Doch es habe sich längst als eine Kunstform etabliert. Vergängliche Kunst an Wänden, gemalt mit Sprühdosen statt Pinseln.

Kunst zum Genießen und Nachdenken. In vielen der auf den Plakatwänden präsentierten Bildern stecken Botschaften, manche klar und offen, manche ein wenig versteckt. „Beim Betrachten setzt man sich mit den Themen auseinander“, sagt ein Passant, der begeistert von den Ausstellungsstücken Fotos macht. Etwa mit ernsten Themen wie Rassismus. Und dann sei da natürlich die Schönheit der Werke, die der Betrachter genießen kann. Die Meinung zur Ausstellung? „Es ist eine kulturelle Bereicherung für Neubrandenburg.“

Bis zum 31. Juli bleibt die Kunstausstellung in der Turmstraße und bringt zudem jeden Samstag von 11 Uhr bis 15 Uhr Musik auf den Boulevard.

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