INITIATIVE

Friedländer wollen Bürgerinitiative gegen Hühnerställe starten

Zunächst waberte nur ein Gerücht durch Friedland, das sich für einige zum handfesten Skandal entwickelte. Drei große Legehennenanlagen sollen um die Stadt entstehen.
Tim Prahle Tim Prahle
Insgesamt über 70 Friedländer haben sich im Vereinshaus des Kaninchenzuchtvereins M22 zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen. Sie wollen die Legehennenanlagen verhindern.
Insgesamt über 70 Friedländer haben sich im Vereinshaus des Kaninchenzuchtvereins M22 zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen. Sie wollen die Legehennenanlagen verhindern. Tim Prahle
Biobäuerin Gabriele Bodi fühlt sich überrumpelt. Die von der Stadt gepachteten Flächen muss sie wohl verlassen.
Biobäuerin Gabriele Bodi fühlt sich überrumpelt. Die von der Stadt gepachteten Flächen muss sie wohl verlassen. Tim Prahle
Friedland.

Es ist weit mehr als nur reges Gemurmel im Vereinsheim des Kaninchenzuchtvereins M22 Friedland. Heftig wird diskutiert und gestikuliert. Nur eine Woche hatten die Organisatoren rund um Biobäuerin Gabriele Bodi Zeit, genug Menschen zusammenzutrommeln. Über 70 haben sich gefunden, auch zwei Stadtvertreter sind der Einladung gefolgt. Sie alle sind besorgt, teils richtig verärgert. Der Grund: Auf drei Flächen bei Friedland sollen große Legehennenanlagen entstehen – ohne dass die Anwohner über dieses Vorhaben informiert wurden.

Bodi hatte maßgeblich dazu beigetragen, dass zurzeit so viele Friedländer unzufrieden mit Stadtvertretung und Verwaltung scheinen. Bereits im Januar hatten die Stadtvertreter beschlossen, drei stadteigene Flächen zu verkaufen: zwei am Bauersheimer Weg im Nordosten, eine in Mohrmannshof im Südwesten, nahe dem Wohngebiet Am Brink.

Die Bevölkerung – so die Meinung der Anwesenden – wurde außen vor gelassen. Nur Spekulationen machten die Runde. Bei der folgenden Stadtvertretersitzung Ende März fanden sich einige ein, um Bürgermeister und Stadtvertreter zu konfrontieren. „Da war dann die Katze aus dem Sack“, erinnert sich einer.

Biobäuerin fühlt sich überrumpelt

Schon die Gewissheit über den Verkauf bedeutete für Gabriele Bodi einen tiefen Einschnitt. Seit 2004 hat die Biobäuerin die Flächen am Bauersheimer Weg für ihre Kühe gepachtet. Dass das künftig nicht mehr möglich sein soll, überrumpelte die 58-Jährige. „Es hat sich niemand vorher mal bei mir gemeldet“, sagt sie. Bodi ergriff die Initiative, rief den möglichen Investor an. So sei sie zu dem Wissen über die geplanten Legehennenanlagen gekommen.

Davon wären auch viele Anwohner betroffen. Auch wenn noch nicht offiziell klar ist, wie viele Tiere tatsächlich kommen sollen, befürchten sie eine zunehmende Belastung durch Gestank und Verunreinigung in Luft, Wasser und Boden. „Ich denke nicht, dass hier einer ein grundsätzliches Problem mit der Tierhaltung hat“, ruft einer. Doch Friedland sei diesbezüglich bereits ausgelastet.

„Außerdem reden alle von ökologischer Tierhaltung und dann wird sie vertrieben“, fügt die Nächste hinzu und deutet auf Gabriele Bodi. Die fungiert nun zusammen mit fünf Anwohnern als Vorstand einer Bürgerbewegung, die eine handfeste Bürgerinitiative werden soll, um sich Gehör zu verschaffen und Informationen zu bekommen. Deren Mangel ist bislang das größte Problem. Denn noch basieren viele Sorgen und Ängste auf Vermutungen.

Doch am Montag (29. April) um 17 Uhr kommt der Bauausschuss im Beratungsraum der Stadtverwaltung zusammen, um öffentlich über die Flächen zu debattieren. Die Anwohner wollen auch dort den Stadtvertretern auf den Zahn fühlen. Um endlich Klarheit und – wie sie es sagen – ein richtiges Mitspracherecht zu bekommen.

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