KUNSTAUKTION ERZIELT REKORDERGEBNIS

Bieter liefern sich wahre Schlachten um die Kunst

So viele Werke wie noch nie wurden bei der 24. Neubrandenburger Kunstauktion angeboten. Auf Werner Schinko zu setzten, ging voll auf. Denn am Ende erzielte die Auktion ein Rekordergebnis.
Max Bergman Max Bergman
Dieses Harlekin-Bild von Joachim Lautenschläger gehört nun Neubrandenburgs Oberbürgermeister Silvio Witt.
Dieses Harlekin-Bild von Joachim Lautenschläger gehört nun Neubrandenburgs Oberbürgermeister Silvio Witt. Max Bergman
Der Prenzlauer Bildhauer Claus Lindner schaute mehrere Monate in den Kopf von Munch, um einen ausdrucksstarken Porträtkopf zu formen.
Der Prenzlauer Bildhauer Claus Lindner schaute mehrere Monate in den Kopf von Munch, um einen ausdrucksstarken Porträtkopf zu formen. Max Bergman
Neubrandenburg.

Im Wettbieten sollte man sich nicht täuschen lassen, wenn ein Kunstliebhaber dem anderen sagt, dass er gar keinen Platz mehr an der Wand habe. Denn ehe man sich versieht, werden aus Freunden bis zum Moment des erlösenden Hammerschlags kaltblütige Rivalen. „Solche Bieterschlachten haben wir in all den Jahren noch nicht erlebt“, schwärmte Joachim Lautenschläger. Der Maler und Grafiker aus Neustrelitz führte wie gewohnt launig und geistreich als Moderator durch den Abend.

Der endete nach fünf Stunden mit einem Rekordergebnis von 16 575 Euro. Mit 76 Arbeiten, die beim Auktionsdinner im Hotel Am Ring ersteigert werden konnten, war es die bisher umfangreichste Auktion. 48 Kunstwerke haben einen neuen Besitzer gefunden.

Die heißesten Bieterschlachten lieferten sich die Gäste bei den Werken von Werner Schinko. Mit elf Blättern bekam Schinko den größten Raum in der Auktion. Eine gute Entscheidung, denn alle Werke sind weggegangen. Bei einigen Grafiken verdreifachte sich der aufgerufene Startpreis sensationell. Der Röbeler Künstler verstarb vor drei Jahren. Darum ist es immer schwieriger, Werke des Publikumslieblings zu bekommen.

Den höchsten Preis in der Auktion erzielte das Ölgemälde „Das große Ufer“ des Neubrandenburger Malers Andreas Homberg, das für 1800 Euro verkauft wurde. Während die ganz großen Namen wie Chagall, Picasso, Günter Grass und Armin Mueller-Stahl auf wenig Gegenliebe stießen, waren die regionalen Künstler wie Joachim Lautenschläger, Gerd Frick, Bernd Kommnick, Monika Bertermann, Sabine Naumann und Heide-Marlis Lautenschläger die großen Gewinner des Abends. Auch der Berliner Künstler Rüdiger Moegelin, der einer von sechs Künstlern ist, die sich am Edvard-Munch-Kunstprojekt beteiligt haben, fand mit seinen kleinen und farbenfrohen mediterranen Landschaften großen Anklang im Publikum.

Die Versteigerung lädt traditionell regionale Künstler ein, sich mit einer großen Persönlichkeit der Kunstgeschichte auseinanderzusetzen und im Rahmen eines Projektes frische Arbeiten anzufertigen, die dann bei der Auktion verkauft werden. In diesem Jahr war es der norwegische Maler und Grafiker Edvard Munch, der vor 75 Jahren starb. Neben Cézanne, Gauguin und van Gogh gehörte Munch zu den großen Wegbereitern der Kunst des 20.Jahrhunderts und zu den eigentlichen Begründern des Expressionismus.

Beim Künstlergespräch am Freitagabend erzählten einige der Künstler, wie sie an die Aufgabe herangegangen sind und was sie inspiriert hat. Über mehrere Monate hat der Bildhauer Claus Lindner aus Prenzlau in den Kopf von Munch geschaut, Fotos und Selbstbildnisse aus allen Lebensphasen studiert, um einen treffenden Porträtkopf zu formen.

Beim Publikum, das vorwiegend für die eigenen vier Wände kauft und dabei eher brave Kunst bevorzugt, fand sich zwar kein Käufer. Aber vielleicht hat ja das Edvard-Munch-Haus in Warnemünde, wo der Norweger zwischen 1907 und 1908 lebte, ein Auge auf die ausdrucksstarke Arbeit geworfen. Von elf Projektarbeiten wurden acht verkauft. Der Anspruch, Kunst zu feiern und Kunst zu fördern, indem man den Künstlern eine Bühne gibt, ist wieder erfüllt worden. Die Neubrandenburger Kunstauktion ist neben der Ahrenshooper Kunstauktion die älteste im Land.

StadtLandKlassik - Konzert in Neubrandenburg

zur Homepage