SORGE UM GESUNDHEIT

▶ Anwohner klagt über Lärm am Neubrandenburger Schniepel

Die Ortsumgehung bringt Neubrandenburg eine Entlastung. Als Belastung empfinden sie allerdings Anwohner. Zu laut sei sie. Der Projektträger aus dem fernen Berlin findet das nicht.
Die Autos kommen von der Woldegker Straße und werden momentan über das Bauwerk über die Bahn auf die Sponholze
Die Autos kommen von der Woldegker Straße und werden momentan über das Bauwerk über die Bahn auf die Sponholzer Straße geleitet. Anwohner der Straße klagen über den Autokrach und befürchten, dass dieser noch mehr wird, wenn die Auffahrt im Herbst dann beidseitig befahrbar sein soll. Doch mit ihren Beschwerden kommen sie nicht weiter. Paulina Jasmer
Neubrandenburg.

Gunnar Gräning aus Neubrandenburg hat es satt. Er hat genug von dem Krach, und diesen Unmut fasst er in Worte. Gunnar Gräning wohnt in der Sponholzer Straße 6. Diese Adresse befindet sich unweit der Auffahrt zur Brücke über die Bahn. Zwischen dieser Brücke und dem Knotenpunkt auf der Hochstraße entsteht gerade das Zwischenstück, der sogenannte Schniepel. Über den Schniepel soll im Herbst der Verkehr von der Ortsumgehung aus dem Süden und Osten in den Norden geleitet werden.

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Lärm schon jetzt kaum akzeptabel

„Obwohl die Rampe vorerst nur für den Straßenverkehr in Richtung Sponholzer Straße (bergab) freigegeben wurde, ist die Lärmbelästigung vor allem durch Lkw und Motorräder schon jetzt kaum akzeptabel. Nachts mit offenem Fenster zu schlafen, ist seitdem ein Ding der Unmöglichkeit“, schreibt Gunnar Gräning. „Was soll das erst werden, wenn dann auch noch alle Fahrzeuge die Rampe bergauf beschleunigen?“, fragt er.

Der Neubrandenburger findet, dass an der Stelle entlang der Rampe auf einer Länge von rund 120 Metern eine Schallschutzwand sowie eine Begrünung mit neuen großen Bäumen als Sicht- und Lärmschutz hingehören.

Deges: Werte werden nicht überschritten

Für Gunnar Gräning ist es völlig inakzeptabel, dass die Deges – der Projektträger der Ortsumgehung – von Berlin aus entscheidet, wie viel Lärm den Anwohnern zuzumuten ist. „Lärm macht krank“, sagt der Neubrandenburger, der schon während der Bauphase den Lärm ertragen musste. „In den Schränken hat das Geschirr gewackelt, während draußen die Baufahrzeuge die Rampe aufgeschüttet und verdichtet haben“, schreibt er. Damals sei das noch ein temporärer Zustand gewesen. Doch: „Jetzt ist alles (fast) fertig und die Belästigung geht weiter. Jetzt aber permanent und zunehmend. Sind die Menschen, die hier wohnen, nichts wert? Hauptsache, der Autofahrer hat gut lachen?“, fragt er zynisch.

Die Antwort der Deges fällt diesbezüglich ernüchternd aus: „Für den Neubau der Ortsumgehung Neubrandenburg wurde ein schalltechnisches Gutachten erstellt“, heißt es. Es sei eine sogenannte Schallimmissionsprognose erarbeitet worden – auf der Grundlage der jeweils aktuellen Gesetze, Vorschriften und Richtlinien. Alle relevanten Eigenschaften maßgeblicher Schallquellen seien berücksichtigt worden.

Von Bedeutung scheint allerdings die Adresse Gunnar Gränings zu sein. Denn nach Deges-Unterlagen handele es sich um einen Einkaufsmarkt (der schwarze Netto, Anmerkung der Redaktion) sowie Wohnbebauung. „Das Gebäude befindet sich hinsichtlich der Gebietsnutzung in einem Mischgebiet, das 54 dB festgelegt“, heißt es weiter. Die Einzelpunktberechnungsergebnisse würden beim Gebäude Sponholzer Straße 6 für alle Fassaden und alle Stockwerke zwischen 34 dB und 59 dB für den Tagzeitraum – 6 bis 22 Uhr – liegen. Nachts beliefen sich die Werte zwischen 27 dB und 52 dB. Und damit ist es für die Deges klar: „Die gesetzlich festgelegten Grenzwerte werden weder für den Tag- noch für den Nachtzeitraum überschritten. Somit besteht kein Anspruch auf Lärmvorsorge.“

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Kommentare (4)

Das mit der jetzigen Umgehungsstraße der Arsch vom Autofahrer geküßt werden sollte war doch klar. Und das anstelle von Messungen nur Berechnungen in der Planung Platz hatten, ist doch mit den geringsten Baukosten zu erahnen. Wo nicht gemessen wird kann ich alles schön rechnen. Wird Zeit das sich Gerichte mit der Straße befassen.

Die Rückseite des Hauses ist direkt am Parkplatz des Netto-Marktes - und um die müsste es gehen. Die Vorderseite und die Giebelseiten dieses Hauses kennen seit vielen Jahrzehnten massive Straßengeräuschpegel der Sponholzer Straße. Dieser Abschnitt der Umgehung ist bitter nötig, um die in beiden Richtungen lähmenden Schrankenstopps mit bis zu einem Kilometer Stau und Kreuzungsbehinderungen zu beenden.

Mit der Schränke konnte man gut leben. Die Johannesstr. so stark zu belasten wird nicht ohne Konsequenzen bleiben. Eine echte Umgehungsstraße die außen um NB führt wäre sinnvoller gewesen wenn auch ein bisschen teurer als dieser Behelfsbau.

Mischgebiet ist nun mal Mischgebiet!, Von großer Bedeutung wäre, auf der Sponholzer Straße dort einen Kreisel zu errichten, Platz ist ja genug da. So könnten jedenfallls die ständigen Anfahr und Bremsgeräusche vermindert werden und die Unfallgefahr gesenkt werden. Aber soweit denken die intelligenten Bauheren nicht.