FORMEL 1

Sportphilosoph: Hamilton und Co. keine Sport-Helden

Lewis Hamilton hat sieben Mal die Formel-1-WM gewonnen. So oft wie nur Michael Schumacher. Ist er deshalb ein Sport-Held? Sportphilosoph Gunter Gebauer ist skeptisch.
dpa
Lewis Hamilton
Sicherte sich seinen sechsten WM-Titel: Mercedes-Pilot Lewis Hamilton. Foto: Will Oliver/Pool EPA/AP/dpa

Spitzenleistungen von Ausnahmeerscheinungen im Sport wie Lewis Hamilton sind nach Einschätzung des Sportphilosophen Gunter Gebauer gerade in Corona-Zeiten ein ermutigender Ausdruck von körperlicher Stärke.

„Wir leben in einer Zeit der niedergedrückten Stimmung. Diese grundlegend negative Stimmungslage wird davon hervorgerufen, dass unser Körper der Angriffspunkt eines Virus ist”, sagte Gebauer der Deutschen Presse-Agentur vor dem Formel-1-Rennen in Bahrain. „Wir sind im Augenblick körperlich unglaublich fragilisiert, weil wir nicht wissen, ob wir vielleicht unter Bedingungen, die wir nicht kontrollieren, dieses Virus bekommen.”

Der Sport biete das genaue Gegenteil. „Er stellt sich dar als eine Befreiung von diesem Druck des Pessimismus, der Zerbrechlichkeit und der Furcht, getroffen zu werden. Im Sport haben wir Athleten, die uns zeigen, dass auch in dieser Zeit körperliche Höchstleistungen möglich sind”, sagte Gebauer. „Sie können uns dadurch mitreißen und zeigen, dass Höhenflüge möglich sind. Sie zeigen, dass es immer noch die Dynamik und die Kraft des Körpers gibt.”

Hamilton reist zum drittletzten Formel-1-Rennen dieser Saison am Sonntag (15.10 Uhr/RTL und Sky) in Sakhir als siebenmaliger Weltmeister an. So viele Titel hat sonst nur Michael Schumacher geschafft.

Gebauer würde Hamilton aber nicht als Sport-Helden bezeichnen. „Bei der Kennzeichnung eines Motorsportlers als 'Held' bin ich etwas skeptisch, weil für mein Verständnis Sport-Helden ihre Leistung zum großen Teil mit ihrer eigenen Körperkraft und ihrem schlauen Verstand erbringen. Das ist in der Formel 1 viel weniger der Fall als in den klassischen Sportarten”, befand Gebauer, da zum Beispiel der Motor und die Renn-Taktik eine große Rolle spielen.

In der Leichtathletik etwa müsse ein 10.000-Meter-Läufer für sich alleine mit seiner Intelligenz und seinem taktischen Verständnis entscheiden. „Wenn er das immer wieder zu seinem Vorteil schafft und alle Gegner über Jahre dominiert, dann nennen wir ihn einen Sport-Helden. Das ist in der Formel 1 in dieser Reinheit nicht gegeben”, sagte Gebauer.

© dpa-infocom, dpa:201124-99-451445/3

zur Homepage