FORMEL 1

Lehren aus dem Großen Preis von Ungarn

Rennen Nummer drei – Zeit für eine erste Bilanz in der Formel 1. Zwei Dinge sind zu offensichtlich: Lewis Hamilton fährt einer Rekordkrönung ohne große Widersacher entgegen. Ferrari ist nur ein Schatten seiner selbst.
dpa
Lewis Hamilton
Lewis Hamilton hat mit einem Sieg im dritten Formel-1-Saisonrennen die WM-Führung übernommen. Foto: Leonhard Foeger/Pool Reuters/AP/dpa
Budapest.

In knapp zwei Wochen geht es weiter. Dann kommen die eigentlichen Festspiele von Lewis Hamilton mit zwei Rennen nacheinander in Silverstone.

Der Brite ist auch in Ungarn der absolute Maßstab, an dem sich Red Bull wenigstens orientieren kann. Ferrari, nicht mal mehr zweite Kraft in der Formel 1, droht daran zu zerbrechen.

FERRARI VERZWEIFELT: Teamchef Mattia Binotto war sich der Symbolhaftigkeit bei der Video-Pressekonferenz in einem kleinen Räumchen des Ferrari-Motorhomes vermutlich nicht bewusst. Er nahm Platz auf einem roten Stuhl und rollte immer weiter nach hinten – er saß mit dem Rücken zur Wand. Überrundete Fahrer, ein gedemütigtes Team, maßlos enttäuschte Tifosi – und er ist der Verantwortliche. „Jeder wird seine Arbeit analysieren und den Mut haben müssen, den Kurs zu wechseln, wenn das notwendig ist, denn die aktuelle Dynamik ist nicht akzeptabel”, sagte Binotto. Was genau er damit meinte, führte der 50-Jährige nicht aus. Binotto fügte stattdessen unmissverständlich hinzu: „Es gibt keine andere Lösung, um diese Situation in den Griff zu kriegen.”

HAMILTON UNSCHLAGBAR: Er sagt, er musste puschen. Ja, um am Ende auch noch den Zusatzpunkt für die schnellste Rennrunde zu kassieren. Hamilton hatte sich bei seiner gemütlichen sonntäglichen Ausfahrt im schwarz lackierten Silberpfeil aber soviel Vorsprung rausgefahren, dass er für die Attacke auf die Rundenbestzeit sogar noch mal entspannt an die Mercedes-Box kommen und sich frische schnelle Reifen aufziehen lassen konnte, um immer noch mit über acht Sekunden Vorsprung zu gewinnen.

Beim Auftakt in Spielberg mit Platz vier war Hamilton noch nicht ganz dabei, schon beim zweiten Grand Prix in Österreich fuhr er sein eigenes Rennen. Es wiederholte sich in Budapest. Sieg Nummer 86 nach Pole Nummer 90. Titel Nummer 7 wird für den Briten in dieser Form nur noch eine Formsache.

RED BULL NICHT UNTERSCHÄTZBAR: Es schien gar nicht zu laufen und dann raste Max Verstappen an einem für ihn dramatischen Sonntagnachmittag doch noch auf den zweiten Platz. Startplatz sieben nach der ersten Karrierepole vor einem Jahr an gleicher Stelle. Abflug in der Aufwärmrunde. Stresstest für die Mechaniker, die den Schaden in gut 20 Minuten reparierten. Und dann ein Verstappen in Topform. Der Niederländer widmete den Podiumsplatz den Mechanikern, Teamchef Christian Horner lobte: „Max hat die Reifen vom Auto gefahren.”

FORMEL 1 SOUVERÄN: Drei Rennen an drei aufeinanderfolgenden Wochenenden unter den Corona-Bedingungen: Die Motorsport-Königsklasse hat diesen Härtetsest schon mal hinter sich – und bestanden. Die Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen wurden weitgehend eingehalten und wenn mal nicht, gab es entsprechende Ansagen. Positive Fälle: bislang zwei, sie und ihre Kontakte wurden umgehend in Ungarn isoliert. Es soll sich nicht um Mitglieder irgendeines Teams handeln.

© dpa-infocom, dpa:200720-99-852156/2

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Budapest

zur Homepage