SCHIFFSVERKEHR

Wasserspiegel der Müritz sinkt bedenklich

Ausflüge auf der Müritz sind beliebt. Doch das ein oder andere Fahrgastschiff könnte in der Zukunft Probleme auf der ein oder anderen Strecke bekommen. Grund ist ein (zu) niedriger Wasserpegel.
In 2019 war der Wasserpegel so niedrig, dass die „Europa“ nicht mehr passieren konnte. Momentan hat der Wasserstan
In 2019 war der Wasserpegel so niedrig, dass die „Europa“ nicht mehr passieren konnte. Momentan hat der Wasserstand wieder eine bedenkliche „Höhe“ erreicht. Nadine Schuldt
Gerhard Meusel misst akribisch den Müritz-Wasserstand.
Gerhard Meusel misst akribisch den Müritz-Wasserstand. Petra Konermann
Waren.

Fahrgastschiffe und große sowie kleine Charterboote sind derzeit auf der Müritz unterwegs. Noch. Denn trotz der Regenfälle in den vergangenen Wochen sinkt der Wasserspiegel (wieder) bedenklich ab. „Geht der Pegel noch weiter runter, hat das Auswirkungen auf den Schiffsverkehr“, sagt Gerhard Meusel, der seit Jahren akribisch den Wasserstand der Müritz misst. So hatte der Pegel am 1. August den kritischen Wert von 1,65 Meter markiert. Er stehe damit an sechster Stelle der seit 1960 aufgetretenen niedrigsten Werte, so Meusel. 2019 lag der Wert am 1. August mit 1,58 Meter noch niedriger.

„Der Pegel hat mit 1,65 Meter den Tiefpunkt der behördlich festgelegten Staulamelle erreicht“, erklärt Meusel. Ab jenem Wert dürfe das Ausflugsschiff „Europa“ nicht mehr ausfahren. Das sei 2019 so gewesen. Ab jenem Wert haben die Kanäle nicht mehr die erforderliche Tiefe, erklärt Meusel. Markus Rokvic, einer der beiden Geschäftsführer der „Weißen Flotte Müritz“, bestätigt das. Doch in diesem Jahr mussten sie bislang noch nicht mit der „Europa“ die Durchfahrt des Eldenburger-Reek-Kanals aussetzen, sagte Rokvic. „Wir haben sehr erfahrene Kapitäne, die einen ,Bodenkontakt‘ abschätzen können“, so Rokvic. Das Ausflugsschiff habe zudem einen Tiefgang von 1,20 Meter. Damit können noch alle Wasserrouten befahren werden. Auch mit den anderen Schiffen wie das Nationalparkschiff „Diana“ können noch alle Haltestellen an der Müritz und den anderen Seen angefahren werden, so Rokvic.

Gerhard Meusel blickt dagegen kritisch auf seine Aufzeichnungen. So entwickele sich der diesjährige Wasserstand sehr ähnlich zu dem in 2019. „Daraus kann man schlussfolgern, dass dieser Zustand im weiteren Jahresverlauf 2020 anhält und sich voraussichtlich bis Oktober 2020 ein Pegelstand um die 1,55 Meter und darunter entwickeln wird“, so Meusel. Voraussetzung dafür sei, dass es weiterhin trocken bleibe.

Keine Wasserverluste durch die Schleusungen

Eines macht Gerhard Meusel deutlich: Durch das Schleusen in Mirow und Plau treten keine entscheidenden Wasserverluste auf. „Unter der Annahme von täglich 40 Schleusungen in Mirow und Plau ergibt sich für die Oberseen, die eine Wasserfläche von 203 Quadratkilometern haben, ein Wasserverlust von einem Zentimeter nach 35 Tagen“, erläutert Meusel.

Um die Ursachen für den niedrigen Müritz-Wasserstand zu ermitteln, betrachtet Gerhard Meusel auch den behördlich festgelegten Mindestabfluss über die Wehre in Mirow, Plau und Bolt. So liege der festgelegte Mindestabfluss bei einem halben Kubikmeter pro Sekunde, um die Befahrbarkeit der Wasserstraßen aufrecht zu erhalten.

Gerhard Meusel hat ermittelt, dass mit diesem Wert in den Sommermonaten innerhalb von 20 Tagen eine Wasserabsenkung von gerade mal einem Zentimeter eintrete. „Die Wasserabgaben über die Schleusen und Wehre bestimmen somit etwa 25 bis 30 Prozent des absoluten Pegelrückganges in einem Jahr“, zieht Meusel ein Fazit.

Er stellt jedoch eines klar: Das Wechselspiel zwischen Verdunstung und Niederschlag in den Sommermonaten stellt ein nicht von Menschen beeinflussbares Naturverhalten für die Wasserspiegel-Entwicklung dar.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Waren

Kommende Events in Waren (Anzeige)

zur Homepage