WARENER KULTURAUSSCHUSS

Warener nehmen es bei Zuschüssen genau

Jedes Jahr fließen Gelder aus dem Warener Stadtsäckl an Vereine und Verbände. Bei der diesjährigen Verteilung der Mittel wurde heftig diskutiert, weil den Kommunalpolitikern zum Teil belastbare Zahlen fehlten. Und das ausgerechnet in sensiblen Bereichen wie der Suchtberatung.
Zuschüsse von der Stadt beantragt: Die Raabatz Medienwerkstatt in Waren will Kinder und Jugendliche in der Nutzung von Ha
Zuschüsse von der Stadt beantragt: Die Raabatz Medienwerkstatt in Waren will Kinder und Jugendliche in der Nutzung von Handys und Co. fit machen und auch Gefahren aufzeigen. Ole Spata
Diskutierten im Aussschuss über Zuschüsse an Vereine und Verbände aus der Stadtkasse: Sven Breuer (CDU), Christ
Diskutierten im Aussschuss über Zuschüsse an Vereine und Verbände aus der Stadtkasse: Sven Breuer (CDU), Christine Bülow (SPD) und Jens Becker (FDP)(von links).
Waren.

Wer Geld zuschießt, möchte auch darauf vertrauen, dass die Mittel zweckmäßig verwendet werden. Sven Breuer (CDU) und Jens Becker (FDP) fehlte dieses Vertrauen bisweilen bei der jüngsten Diskussion über die finanzielle Unterstützung von Warener Vereinen und Verbänden.

Die Stadt Waren hat für das laufende Jahr insgesamt 66 000 Euro für die finanzielle Unterstützung der lokalen Akteure eingeplant. Insgesamt 17 Institutionen stellten einen Antrag auf einen städtischen Zuschuss. So auch die Raabatz-Medienwerkstatt, die jungen Menschen unter anderem Medienkompetenz vermitteln will. Von der Stadt erhofft sich Raabatz einen Zuschuss von 4000 Euro – diese Summe wurde auch im Vorjahr bewilligt. Die Mittel sollen für das Erstellen von medialen Produkten wie zum Beispiel Videoclips, Reportagen etc. verwendet werden.

„Da fühle ich mich nicht ernst genommen“

Den Segen der Mitglieder des Warener Kulturausschusses gab’s zur jüngsten Sitzung allerdings noch nicht. Der Antrag wurde zurückgestellt. CDU-Vertreter Sven Breuer beharrte darauf, konkrete Zahlen vorgelegt zu bekommen. Das hatte er bereits im vergangenen Jahr in derselben Situation eingefordert – bisher ohne Erfolg. „Da fühle ich mich nicht ernst genommen“, sagte Breuer. Dass es sinnvoll sei, jungen Menschen Medienkompetenz zu vermitteln, stelle er nicht infrage. Ihm kommt es auf die Verhältnismäßigkeit an, nämlich wie viele Warener Kinder einen Nutzen daraus ziehen.

Christian Utpatel, Geschäftsführer der Regionalen Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie (RAA) als Träger der Medienwerkstatt, findet die Nachfrage von Breuer berechtigt. Ein Sachbericht über das Jahr 2019 zeigt, dass sich die Angebote der Medienwerkstatt im vergangenen Jahr an 1358 Teilnehmer gerichtet haben. Davon werden Waren 731 Akteure zugeordnet – unterteilt in 124 Kinder, 198 Jugendliche und 427 Erwachsene. Diese Zahlen müssen den Mitgliedern des Kulturausschusses nun bis 9. Juni vorgelegt werden. Dann nämlich soll über die Mittel entschieden werden.

Suchtberatung soll ebenfalls nachliefern

In puncto Zahlen muss neben der Medienwerkstatt auch die Evangelische Suchtkrankenhilfe nacharbeiten. Zur Kofinanzierung der Personalausgaben, Sachmittel und Betriebskosten der Sucht- und Drogenberatungsstelle in Waren hätte diese Institution gern 3500 Euro von der Stadt (2019 stellten sie einen Antrag auf 3000 Euro). Jens Becker (FDP) verlangte vor einer Entscheidung konkrete Fallzahlen. „Wenn jemand mehr Geld als im Vorjahr möchte, dann sollte derjenige das im Antrag begründen“, wünscht sich Sven Breuer. Am 9. Juni hat die Suchtberatungsstelle aber die Chance, dass die beantragten 3500 Euro nach mit einer kurzen Vorstellung abgesegnet werden. Gegenüber dem Nordkurier hatte Suchtstellen-Leiter Andreas Dencker jüngst erklärt, dass der Großteil der Beratungen in Waren stattfinde. Allein 2019 hätten die Mitarbeiter 760 Klienten in der Müritzregion in über 3900 Gesprächen betreut.

Opferberatungsstelle hat Fürsprecher

Beinahe wäre auch noch der Antrag der Diakonie Malchin gGmbH zurückgestellt worden, die für die Opferberatungsstelle „Klara“ für Betroffene häuslicher Gewalt 5200 Euro beantragt hatte. Diese Mittel sollten aber erst nach der Vorlage genauer Fallzahlen freigegeben werden, forderte Jens Becker (FDP). Einspruch kam von der eigenen FDP/MUG-Fraktion und Fraktionsmitglied Olaf Gaulke (MUG). „Ich weiß, dass die häusliche Gewalt seit März deutlich gestiegen ist“, sagte Gaulke mit Blick auf die Corona-Krise. Auch SPD-Vertreterin Christine Bülow trat für eine Auszahlung der Gelder ein: „In den letzten 30 Jahren sind die Ausgaben für den Schutz dieser Betroffenen immer weiter zurückgefahren worden. Wir halten nicht einmal mehr als Stadt eine Wohnung vor“, sagte Bülow. Laut Claudia Schwemer von der Beratungsstelle wurden 2019 67 Erwachsene und 55 Kinder in über 800 Gesprächen betreut. Ein Großteil stamme aus Waren.

Diese Vereine und Verbände haben ihr Geld schon sicher

Insgesamt haben 17 Vereine und Verbände finanzielle Unterstützung angemeldet. Folgende können sich über einen Geldsegen von bislang 56 600 Euro freuen:

  • Müritzsportclub Waren für Behinderten- und Rehabilitationssport: 9600 Euro
  • Malteser, u.a. für Kleiderkammer und Fortführung der Nikolausaktion für bedürftige Kinder in Litauen: 1000 Euro
  • Behindertenverband Müritz, u.a. für die das Durchführen von Gesprächsrunden und Infoveranstaltungen sowie Mietkosten: 1300 Euro
  • Arbeitslosenverband, u.a. für Hilfestellung bei Bewerbungen, Unterstützung der Möbelbörse und Nähstube: 1200 Euro
  • Seniorenbeirat, u.a. für Bürobedarf und Tagungsgebühren: 400 Euro
  • Blinden- und Sehbehindertenverband, u.a. für Miete und Betriebskosten: 2000 Euro
  • Deutsche Rheuma-Liga, u.a. für Selbsthilfegruppenarbeit, Fahrt in die Kristalltherme: 200 Euro
  • Awo-Kreisverband Müritz, u.a. für Kommunikationszentrum Waren-West und Frauentreff, Honoratkosten: 1000 Euro
  • Blaukreuz Begegnungsgruppe, u.a. für Mietkostenzuschuss, Besinngungswochen, Gruppenarbeit: 300 Euro
  • Diakonie Malchin gGmbH, u.a. für Warener Tafel (9500 Euro), Opferberatungsstelle „Klara” (5200 Euro), Begegnungsstätte „Lichtblick” (6300 Euro): insgesamt 26 000 Euro
  • Perspektive e.V., u.a. für Zweiradclub: 9000 Euro
  • Bund der Vertriebenen, u.a. für Traditionspflege: 100 Euro
  • Initiative „Müritz hilft”, u.a. für Café International, Kultur aus dem Kochtopf, Montagskino: 4500 Euro

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