VERGEWALTIGUNGSPROZESS

Verschwand ein wichtiges Beweisstück?

Erst soll der Mann seine Ex geschlagen und danach zweimal vergewaltigt haben. Ob der Mann ins Gefängnis muss, entscheidet das Amtsgericht Waren. Vor dem Richter drohte der Angeklagte mit Suizid, während die Nebenklägerin einer Ohnmacht nahe kam.
Susann Salzmann Susann Salzmann
Am ersten Verhandlungstag, als sich der Angeklagte zu den Anklagepunkten äußerte, hatte er sich eingehende Stichpun
Am ersten Verhandlungstag, als sich der Angeklagte zu den Anklagepunkten äußerte, hatte er sich eingehende Stichpunkte zu den vermeintlichen Taten gemacht. Für ihn war der Sex mit Ex einvernehmlich. Maurizio Gambarini
Waren.

Endlich war der Tag für ein mutmaßliches Vergewaltigungsopfer gekommen. Am dritten Verhandlungstag vor dem Warener Amtsgericht konnte die Frau aus Neustrelitz vor Richter Manfred Thiemontz ihre Aussage machen – in Gegenwart ihres vermeintlichen Peinigers, mit dem die Frau zuvor acht Jahre lang eine Beziehung führte und der sie in der Woche um den 1. August 2017 erst mit Schlägen ins Gesicht misshandelt und sie später auf der Couch zweimal vergewaltigt haben soll.

Wie kräftezehrend die Situation für die Frau war, konnte schon am Ablauf der Verhandlung abgelesen werden. Die aufreibenden Erinnerungen musste sie nun vor Richter Thiemontz und zwei Schöffen erzählen. Immer wieder wurde die Verhandlung – sie wird zum Schutz der Privatsphäre des potenziellen Opfers unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt – unterbrochen. Die Verhandlung verlangte Kraft von der Strelitzerin. Ihr Anwalt Mark Lupschitz, der die Frau in der Nebenklage vertritt, war nach der Aussage allerdings guter Dinge, dass sie dem mutmaßlichen Vergewaltiger nicht noch einmal unter die Augen treten und vor Gericht aussagen muss. Auch an den zurückliegenden Prozesstagen war die Geschädigte zum Amtsgericht gekommen und musste jeweils sieben, acht Stunden warten, weil sich die Aussagen ihres ehemaligen Lebensgefährten und weiterer Zeugen über den ganzen Tag zogen. Eine Tortur für die Frau, die während der Prozesstage stets von ihrer Tochter begleitet und unterstützt wurde.

Drei Therapeuten – ein Psychologe, ein Psychiater sowie ein Neurologe – wurden jüngst in Waren vernommen – ebenfalls unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Sie sollen die Frau begutachtet haben. Zudem werde sie seit gut einem Jahr wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung betreut. Diese könnte auf die vermeintliche Tat zurückzuführen sein, hieß es. Wie die Plädoyers der Fachärzte ausfallen, wird wohl unklar bleiben. Nach aktuellem Kenntnisstand sollen auch sie der Öffentlichkeit vorenthalten werden – im Gegensatz zu einem Urteil gegen den 56-jährigen Selbstständigen in der Gebäudeservice-Branche.

Urteil steht noch aus

Auch nach dem dritten Verhandlungstag steht das Urteil noch aus. Nun sollen weitere Zeugen geladen werden, die Aussagen zur Beziehung des ehemaligen Paares machen können, in der es schon ein halbes Jahr nach Beziehungsbeginn erste Probleme gegeben haben soll.

Der Angeklagte gab bereits bei der ersten Hauptverhandlung zu, seine Ex in Rage etwa 15-mal mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen zu haben. Noch immer aber bleibe er bei seiner Anfangsargumentation, nach der er seine Ex nicht mit dem Kopf gegen die Wand schlug und deren daraus resultierende Bewusstlosigkeit für Geschlechtsverkehr ausnutzte. Das Gericht kam aber im Laufe der Verhandlung nicht umhin, auch auf den Beschuldigten sanftmütig einzureden. Auslöser war eine Suizidankündigung, sollte er für einen einmaligen Ausrutscher mit einem Gefängnisaufenthalt „bezahlen“. „Dann erhänge ich mich“, platzte es zu Beginn aus dem Angeklagten heraus.

Beim zweiten Gerichtstermin verwiesen der Angeklagte und sein Strafverteidiger Ernst von der Wense auf eine mögliche manische Depression des Angeklagten. Das Strafmaß für ihn könnte sich ändern, wenn das Gericht eine Schuldunfähigkeit zum Tatzeitpunkt anerkennt. Dafür müsste ein psychologisches Gutachten erstellt werden. Bis zum Ende der Beweisaufnahme behalte sich der Strafverteidiger vor, ein solches Gutachten über seinen Mandanten in Auftrag zu geben. Das aber würde bedeuten, dass der ganze Prozess neu aufgerollt und auch die Beweisaufnahme von vorn beginnen würde.

Der Fokus des Gerichts, der Staatsanwaltschaft und auch der Anwälte lag nach Nordkurier-Informationen beim jüngsten Prozess in Waren ohnehin auf einem anderen Detail. Nach Nordkurier-Informationen soll sich nämlich erst beim jüngsten Prozesstag herausgestellt haben, dass ein wichtiges, sichergestelltes Beweismittel verschwunden sein soll. Dabei handele es sich um ein „zerfetztes“ T-Shirt, das von der rabiaten Behandlung der Frau durch ihren Ex zeugen soll. Am 20. November geht die Verhandlung weiter.

 

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Kommentare (1)

das Beweisstück bei der Polizei, der Staatsanwaltschaft oder bei Gericht weg gekommen?