WARENER ANGEKLAGT

Tatvorwurf Kinderpornografie – Gericht verhängt Bewährungsstrafe

Ein 37-jähriger Warener war nachweislich im Besitz von acht kinderpornografischen Bildern. Sein Urteil fiel allerdings höher aus als im Fall eines Malchowers, der über 8000 Bilder hatte.
Die Aussage des Angeklagten, die kinderpornografischen Bilder über eine gängige Internetsuchmaschine entdeckt zu hab
Die Aussage des Angeklagten, die kinderpornografischen Bilder über eine gängige Internetsuchmaschine entdeckt zu haben, stießen bei Richter wie Staatsanwalt auf Skepsis. Arne Dedert
Waren.

Vom Anfang bis zum Ende seiner Verhandlung beteuerte der Angeklagte, wie leid ihm das Vorgefallene tue und dass ihm der Vorfall eine Lehre fürs ganze Leben war. Nie wieder werde er sich Bilder nackter Mädchen besorgen und diese auch noch an Dritte übermitteln – so, wie er es im Februar 2018 nachweislich getan hat.

Als die Polizei vor zweieinhalb Jahren die Wohnung des heute 37-Jährigen Mannes aus Waren durchsuchte, konnten zwar auf seinem PC keine kinderpornografischen Bilder festgestellt werden – dafür aber rekonstruierten Spezialisten insgesamt acht Fotos nackter Mädchen unter 14 Jahren auf dem Smartphone des Angeklagten, die dieser bereits gelöscht hatte. Eines dieser Nacktbilder hatte er schließlich einer Bekannten aufs Handy geschickt. Diese alarmierte umgehend die Polizei und sorgte dafür, dass sich der bislang nicht vorbestrafte Mann jüngst vor dem Warener Amtsgericht wegen der Verbreitung kinderpornografischer Schriften verantworten musste.

Angaben zu Herkunft der Bilder unglaubwürdig

So glaubwürdig sich die wiederholten Reuebekundungen auch anhörten, so konnte der Angeklagte Staatsanwalt und Richter Roland Traeger dennoch nicht überzeugen. Auf die Frage, woher er sich die Bilder beschafft hat, verwies er auf die Internetsuchmaschine „Google“. Der Staatsanwalt reagierte mit promptem Kopfschütteln. Über eine einfache Bildersuche sei es fast auszuschließen, an entsprechende Bilder zu gelangen. Dafür sorgten allein eingebaute Filter.

Ebenso offen blieb eine Erklärung des Angeklagten, weshalb er eines der Fotos unaufgefordert an seine Bekannte weiterleitete und sich so nicht nur wegen des Besitzes, sondern auch wegen der Verbreitung kinderpornografischer Schriften strafbar machte. „Das sind keine Bagatellstraftaten“, mahnte der Staatsanwalt in Richtung des Beschuldigten, der im gut 20 Minuten währenden Prozess mehrfach versicherte, keine pädophilen Neigungen zu verspüren und seine Lust auch nicht an entsprechenden Fotoaufnahmen befriedigen möchte.

Künftig schärfere Gesetze geplant

Die fünfmonatige Freiheitsstrafe, für die sich der Staatsanwalt aussprach, kann nach dessen Ansicht auch zur Bewährung ausgesetzt werden. Damit der Vorfall allerdings nachwirkt, sollte der Angeklagte zusätzlich 250 Euro an den Weißen Ring zahlen. Richter Roland Traeger folgte dem Vorschlag des Staatsanwaltes. Der junge Mann muss sich demnach nun zwei Jahre lang bewähren und darf nicht straffällig werden. Ansonsten droht Gefängnis.

Jede kinderpornografische Aufnahme ist eine zu viel, konstatierte der Vertreter der Neubrandenburger Staatsanwaltschaft im Nachgang. Doch künftig wird es bei Fällen wie diesem aufgrund der geplanten verschärften Pädophilen-Gesetzgebung weit weniger Spielraum geben. „Die Verbreitung kinderpornografischer Schriften soll zum Verbrechen erhoben werden“, so der Staatsanwalt. Heißt: Jede Verurteilung dieser Art würde mit mindestens zwölf Monaten Freiheitsstrafe verbunden sein. Egal, ob bei einem Angeklagten 8 oder – wie in einem Fall vor einigen Monaten, über den der Nordkurier berichtete – über 8000 Bilder gefunden werden. Der damalige Angeklagte aus Malchow gab damals zu, pädophile Neigungen zu haben, suchte sich allerdings auf eigene Initiative eine Therapie, die er noch für mindestens zwei Jahre fortsetzen wird. Für die über 8000 gespeicherten Bilder wurde er vom Amtsgericht Waren seinerzeit zu einer Geldstrafe von 6000 Euro verurteilt.

Ob eine verschärfte Gesetzgebung ausreicht? Laut Staatsanwalt müsste Kinderpornografie generell noch effektiver bekämpft werden. „Das Entdeckungsrisiko muss hoch sein, damit wir eine Abschreckung erzielen“, sagte er auf Nordkurier-Nachfrage.

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