MIT WILDSCHWEIN UND RIESEN-KUCHEN

Tafel tischt in Waren gegen die Not groß auf

Mit Wildschwein und Erdbeerkuchen hat die Tafel in Waren am Mittwoch um Unterstützung für die Versorgung Bedürftiger geworben. Die wird nämlich immer schwieriger.
Susann Salzmann Susann Salzmann
Der riesige Erdbeerkuchen und das Wildschwein waren beim Benefizessen für die Tafel in Waren nach weniger als einer Stunde al
Der riesige Erdbeerkuchen und das Wildschwein waren beim Benefizessen für die Tafel in Waren nach weniger als einer Stunde alle. Susann Salzmann
Ulrich Rathsack gab gern zehn Euro für seine Portion Wildschwein mit Kartoffeln und Quark.
Ulrich Rathsack gab gern zehn Euro für seine Portion Wildschwein mit Kartoffeln und Quark. Susann Salzmann
Beim Schmaus für die Warener Tafel blieb auf dem Neuen Markt in Waren kaum ein Platz frei.
Beim Schmaus für die Warener Tafel blieb auf dem Neuen Markt in Waren kaum ein Platz frei. Susann Salzmann
Waren.

„Eigentlich plane ich mit meiner kleinen Rente nur zwei Euro täglich fürs Mittagessen”, sagt der 82-jährige Hermann Otto. Doch er gibt für die Portion Wildschwein mit Kartoffeln und Kräuterquark schließlich 3,80 Euro. Der Warener Rentner war am Mittwoch nämlich auch auf den neuen Markt in Waren gekommen, um die Tafel zu unterstützen, von der er selbst gelegentlich profitiert.

Hunderte griffen auch beim riesigen Erdbeerkuchen zu, den die Hilfsorganisation ebenfalls gegen selbst gewählte Beträge anbot, um für ihre Sache zu werben und auf ihre Sorgen aufmerksam zu machen. 3000 Lebensmittel-Portionen verteilt die Tafel in der Müritzregion pro Woche, den Großteil davon an Familien, die Hartz IV empfangen. Zwar erhebe die Tafel keine Statistiken, hieß es, aber rund 30 Prozent der Bedürftigen seien Kinder.

2020 muss ein neuer Kühltransporter her

Dafür fahren 20 Ehrenamtliche an sechs Tagen der Woche durch halb Ostdeutschland. Vier Fahrzeuge stehen dafür zur Verfügung. Die rollen zusammengerechnet über 220.000 Kilometer pro Jahr. Diese Belastung hinterlässt bei den Fahrzeugen Spuren und bei Tafelchef André Rath Sorgenfalten. Denn spätestens 2020 müsse ein neuer Kühltransporter angeschafft werden. „Ich weiß noch nicht, wie wir das stemmen können”, sagt Rath. Denn die Anschaffungskosten betragen rund 50.000 Euro.

Die Ausgaben der Tafel wären noch viel höher, wenn es kein Zentrallager in Neubrandenburg gäbe, in dem Lebensmittel gesammelt würden. Schon jetzt fahren die Ehrenamtlichen bis ins Hunderte Kilometer entfernte Havelland und sogar nach Magdeburg. Grund dafür: Damit Verbrauchermärkte weniger Ausschuss haben, kalkulieren sie strenger. Damit erfüllen sie politische Forderungen, so wenig Lebensmittel wie möglich zu „verschwenden”. Damit bleibt aber auch weniger, dass sie kostenlos der Tafel zur Verfügung stellen.

Kopfschütteln über Centbeträge für ein Hauptgericht

Das 50 Kilo schwere Wildschwein war neben dem Mega-Erdbeerkuchen zuerst aufgegessen: 156 Portionen in nicht einmal 45 Minuten. Besucher Ulrich Rathsack bekam ebenfalls eine der letzten Portionen vom Schwein und steckte dafür zehn Euro in die Spendendose. Über das Verhalten anderer, die fünf oder 50 Cent für ein Hauptgericht gaben, schüttelte er verständnislos den Kopf. Um die Wertschätzung für die Institution Tafel zu wecken, sollte es nach seiner Ansicht daher einen Mindestbetrag für das Essen geben.

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Kommentare (2)

Gegenüber der Tafel und für was sie steht. Wer nur 5 oder 50 Cent gibt, sollte nie hoffen selbst in dieser Lage zu kommen. Aber es sind meistens diese Leute die genug für sich haben, oft ergaunert auf Kosten der anderen. So wie der Rentner der nur 2€ Tag übrig hat, gab das doppelte mit Herz. Es sind immer die Menschen am herzlichsten die auch wenig haben. Danke

dass es in einem reichen Land wie Deutschland überhaupt Tafeln geben muss, um Menschen mit Essen zu versorgen, eine nationale Schande.