Fusion-Streit
So halten es Wacken, Rock am Ring und andere mit der Polizei

Wird der Stern der Fusion auch dieses Jahr über dem Gelände des Kulturkosmos-Vereins leuchten?
Wird der Stern der Fusion auch dieses Jahr über dem Gelände des Kulturkosmos-Vereins leuchten?
Bernd Wüstneck

Es genüge, die Polizei bei Bedarf aufs Gelände zu lassen, meinen die einen. Andere argumentieren mit höheren Sicherheitsstandards. Das sagen andere Organisatoren.

Sind die Forderungen nach permanenter Polizei-Präsenz auf dem Fusiongelände übertrieben? Genügt es, wenn sich Veranstalter auf das bisherige Image als „friedfertiges Festival“ berufen? Der Neubrandenburger Polizeipräsident Nils Hoffmann-Ritterbusch verneint diese Frage. Der Nordkurier hörte sich bei Veranstaltern anderer Großevents zur Frage der Polizeipräsenz um.

Zu den größten Musikfestivals in Deutschland gehört „Rock am Ring“ auf dem Nürburgring. 2017 lockte die Veranstaltung rund 87.000 und 2018 geschätzte 70.000 Menschen an. Von der Presseverantwortlichen Katharina Wenisch von LiveNation heißt es: „Die Polizei ist an den Eingängen sowie auf dem Festivalgelände präsent.“ Hinzu kommen Streifenfahrzeuge um das Gelände. Allein 2017 sollten laut rheinland-pfälzischem Innenminister Roger Lewentz (SPD) mehr als 1200 Polizisten eingesetzt werden, die einerseits Ansprechpartner in einer Wache vor Ort seien und zusätzlich in zivil kontrollierten.

Polizei ist auf dem Wacken-Gelände

Mit jährlich etwa 75.000 Feiernden blicke das Heavy-Metal-Festival „Wacken Open Air“ auf stabile Besucherzahlen. Im Vorjahr seien täglich 1800 private Security-Leute und Ordner, 400 Polizisten, 200 Feuerwehrleute, 900 Sanitäter sowie durchschnittlich vier Notärzte vor Ort auf dem Gelände gewesen, heißt es vom Organisationsteam. Neben Bestreifungen sei die Polizeiwache auf dem Gelände täglich 24 Stunden erreichbar. Erst vor wenigen Tagen hat eine Stabsübung mit rund 50 Teilnehmern aus allen Verantwortungsbereichen stattgefunden, bei der Krisenszenarien trainiert wurden.

Auch das Sicherheitskonzept für die kleine Schwester der Hanse Sail steht. Zu Christi Himmelfahrt startet in Waren mit der Müritz Sail die Großveranstaltung des Jahres. Erwartet werden bis zu 100.000 Besucher. Für deren Sicherheit sorgen neben Betonsperren Polizeikräfte sowie ein privater Sicherheitsdienst, sagt Organisator Steffen Kerfers.

Immergut hat keine Polizeistation

Auf einen privaten Sicherheitsdienst vertrauen auch die Macher des Neustrelitzer Immergut-Festivals mit seinen rund 5000 Besuchern. Dafür gebe es weder eine Polizeistation noch anlasslose Bestreifung durch uniformierte Polizisten auf dem Gelände, sagt Stefanie Rogoll vom Orgateam. Von den Behörden werde das nicht als notwendig angesehen. „Die Polizei ist aber vor Ort, wenn sie von uns, von der Sicherheitsfirma oder von Festivalgästen gerufen wird“, ergänzt sie.

Auf die Seite der Fusion-Macher stellt sich mit Uwe Oertel ein Mann aus Sachsen-Anhalt. Sein „Baby“ ist der zu Pfingsten stattfindende „Sputnik Spring Break“ auf der Halbinsel Pouch bei Bitterfeld. Jährlich lockt das Festival an vier Tagen rund 30.000 Besucher an. Polizeipräsenz auf dem Gelände sei tabu. „Das wäre so, als wenn ich unter Polizeibeobachtung eine Gartenparty veranstalte“, übertreibt der Pressesprecher des Festivals bewusst. Oertel selbst war schon mal auf der Fusion. Er beschreibt sie als „eines der friedlichsten Festivals in ganz Deutschland“ und identitätsstiftend für die Seenplatte.

Sicherheitsvorkehrungen seit der Love Parade fast verdoppelt

Bei seinem Spring Break bleibt die Polizei vor dem Gelände der Halbinsel. Täglich gebe es aber eine Lagebesprechung mit den Polizisten. Für sofortiges Eingreifen stehe eine Stichstraße zur Inselmitte zur Verfügung. Auf dem Gelände dagegen befinden sich Sanitäter, Feuerwehren und 300 bis 400 Ordner.

Wie andere Großveranstaltungen leide auch der Sputnik Spring Break unter den Geschehnissen der Duisburger Loveparade im Jahr 2010 mit 21 Toten und 541 Schwerverletzten. „Seit Duisburg haben sich für uns als Veranstalter die Kosten für Sicherheitsvorkehrungen fast verdoppelt“, sagt Oertel.