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Folter-Tod in Alt-Rehse

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Richter schließt Öffentlichkeit im Sarah H.-Prozess aus

Im Prozess wegen Freiheitsberaubung und Körperverletzung mit Todesfolge steht der Angeklagte Axel G. aus Alt Rehse erneut vor Gericht.
Im Prozess wegen Freiheitsberaubung und Körperverletzung mit Todesfolge steht der Angeklagte Axel G. aus Alt Rehse erneut vor Gericht.
Carina Göls

Der Angeklagte wollte im Prozess um Sarah H. aus Alt Rehse unbedingt die Öffentlichkeit dabei haben. Das Gericht hat aber andere Pläne.

Und wieder richten sich die Kameras der Republik auf Alt Rehse. Seit Dienstag läuft vor dem Landgericht Neubrandenburg die neue Hauptverhandlung im Fall Sarah H. gegen den jetzt 52-jährigen Axel Ingo G.. Es soll neben der Aufklärung des Geschehens vor allem die Frage der Schuldfähigkeit des Alt Rehser, der seit einigen Wochen in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht ist, im Fokus der Untersuchungen stehen. Auch Einwohner aus dem Dorf werden als Zeugen gehört.

Urteil für Öffentlichkeit zugänglich

Und der Prozess begann direkt mit einem Paukenschlag: Die Öffentlichkeit wurde für die weiteren Verhandlungen auf Antrag der Staatsanwaltschaft ausgeschlossen. Grund für den Ausschluss sei, dass es darum gehe, den 52 Jahre alten Angeklagten in einer psychiatrischen Haftanstalt unterzubringen, hieß es. Dabei hatte sich Axel Ingo G. ausdrücklich gewünscht, dass der Fall weiter öffentlich verhandelt wird. Der Angeklagte wollte damit einer "Vorverurteilung" entgegen wirken. Lediglich die Urteilsverkündung soll wieder für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Erwartet wird das Urteil erst Ende August, Anfang September.

Der Angeklagte erhoffe sich für den weiteren Prozessverlauf entlastende Zeugenaussagen und gehe davon aus, "dass es ein interessanter Prozess werden dürfte". Der Pflichtverteidiger, Eckard Wähner, schwieg während der Verhandlung überwiegend und überreichte dem Richter einen mehrseitigen und von Hand geschriebenen Antrag von Axel Ingo G.

Mehr als 20 Prozesstage angesetzt

Außerdem stellte der Angeklagte einen Befangenheitsantrag gegen Richter Carl-Christian Deutsch. Über diesen wolle die Kammer im Verlauf des Prozesses entscheiden.

Bis Ende August sind mehr als 20 Prozesstage für den neuerlichen Prozess angesetzt worden, der nötig geworden war, nachdem der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe das Urteil des Landgerichts – Axel Ingo G. war zu fünf Jahren Haft verurteilt worden – im Oktober 2017 aufgehoben hatte. G.s Verteidiger hatte Revision eingelegt. Der Geisteszustand des Angeklagten sei nicht ausreichend berücksichtigt worden.

Vor Gericht schwieg der Angeklagte weitgehend

Laut eigener Aussage war der Alt Rehser zur Tatzeit davon überzeugt, der Bundesnachrichtendienst forsche ihn aus und habe Sarah H. als Spitzel zu ihm geschickt. Mit der Folter habe er Informationen erpressen wollen. Diesem „behaupteten Motiv”, heißt es im BGH-Beschluss, habe „ersichtlich eine Wahnvorstellung zu Grunde” gelegen. Möglicherweise habe G. seine Tat nicht als unrecht empfinden können.

Der 52-Jährige hatte die aus Rheinland-Pfalz stammende Frau über das Internet kennengelernt. Die 32-Jährige wurde von ihm im Sommer 2016 im Streit nackt an ein Bett gefesselt und mit einer Peitsche misshandelt, wie er aussagte. Danach bekam die Frau so lange kein Essen und Trinken, dass sie schließlich starb. Vor Gericht schwieg der Mann weitgehend und lehnte es auch ab, sich psychiatrisch begutachten zu lassen. Die stark verweste Leiche war später bei einem Einsatz wegen Ruhestörung im Haus gefunden worden.