BERUFSFEUERWEHRTAG PENZLIN

Jugendliche sind dem Feuerwehralltag gefährlich nahe

Die Penzliner Brandschutzjugend zeigte, dass sie sechs realistische Einsatzszenarien erfolgreich bewältigen kann. Doch wie halten es Feuerwehren in der Müritzregion mit der Hilfe von Jugendlichen bei echten Vorfällen?
Laura Krebstakies (16) fährt bereits zu kleinen Einsätzen mit. Der zehnjährige Max Menge aus Penzlin (rechts) n
Laura Krebstakies (16) fährt bereits zu kleinen Einsätzen mit. Der zehnjährige Max Menge aus Penzlin (rechts) nähert sich mit einer Wärmebildkamera dem „Brandherd“. Susann Salzmann
Nahe des Penzliner Bahnhofes mussten die Penzliner Nachwuchsbrandbekämpfer einen simulierten Großbrand löschen
Nahe des Penzliner Bahnhofes mussten die Penzliner Nachwuchsbrandbekämpfer einen simulierten Großbrand löschen. Nathalie Seier
Penzlin.

Abends ein Großbrand nahe des Penzliner Bahnhofes, mitten in der Nacht eine hilflose Ente vom Baum gerettet und am Morgen danach müssen die Einsatzkräfte schließlich zur Awo-Kita am Burggarten ausrücken. In Penzlin überschlugen sich die Ereignisse. Sechs Einsätze für elf Kameraden. Klingt ungewöhnlich – ist es auch. Denn die genannten Vorfälle dienten dazu, den elf Mitstreitern der Penzliner Jugendfeuerwehr beim inzwischen zweiten Berufsfeuerwehrtag einen so realistischen Einblick in die Arbeit der Brandschützer wie nur möglich zu geben.

Weg von der trockenen Theorie hinein in die nicht ungefährliche Praxis. Monatelang hatten sich die Penzliner Feuerwehrleute und allen voran Jugendwart Nico Menge mögliche Szenarien ausgedacht. Die Praxiseinlage soll die Motivation des Nachwuchses erhalten und die ältesten Mitglieder der Jugendfeuerwehr mit realitätsnahen Szenarien konfrontieren. Immerhin können Jugendliche ab 16 Jahren in die Einsatzabteilung der Aktiven überwechseln und auch zu Einsätzen fahren.

Lediglich bei kleineren Einsätzen dabei

Die 16-jährige Laura Krebstakies – in der Simulation als Staffelführerin eingesetzt – freut sich über die Hilfe, die sie bei den Einsätzen leisten kann. Seit 2020 fährt sie nun nach siebenjähriger Feuerwehr-Ausbildung zu Einsätzen wie etwa technischen Hilfeleistungen. „Dort sperre ich Straßen oder rolle Schläuche auf oder ein, damit es schneller geht“, erzählt die Penzlinerin. In Penzlin packt die Jugend lediglich bei kleineren Einsätzen mit an, sagt Jugendwart Menge. „Ich persönlich möchte darauf nicht verzichten“, betont er und reagiert damit auf Diskussionen, nach denen Mitglieder der Jugendfeuerwehren erst ab 18 Jahren bei Einsätzen helfen sollten.

Bodo Burk, Amtswehrführer für das Amt Röbel-Müritz, vermeidet die Hilfe der Jugendlichen im Einsatzfall ganz bewusst. Vor drei Jahren fuhren auch dort Jugendliche ab dem 16. Lebensjahr zu Feuerwehreinsätzen. Mit ausdrücklicher Erlaubnis der Eltern. Doch das gibt es nicht mehr. „Ich möchte keinem Elternteil erklären müssen, dass seinem Kind bei einem Einsatz etwas passiert ist“, so Burk. Daher dürfen Jugendliche unter Burks Führung ab 16 Jahren lediglich den Ausbildungsdienst der Erwachsenen mit absolvieren. Und sie können bereits mit der Truppmannausbildung beginnen, um den ersten Grundstein für die Zukunft zu legen.

Jugendlichen darf keine Gefahr drohen

Genau so läuft es seit Ende 2019 bei allen Wehren im Amt Malchow. Der Grund: eine Verschärfung der Unfallverhütungsvorschriften. Danach hat jede Gemeinde seit April 2019 Sorge zu tragen, dass den 16- und 17-Jährigen bei Einätzen keine Gefahr droht. „Eine Gefahr kann man auch bei einer Ölspur oder einem abgebrochenen Ast nicht ausschließen“, begründete Malchows Amtswehrführer Thomas Pieszek die Änderung – ohne zu verschweigen, dass dies überaus motivationsschädigend ist und bereits mehrfach zur Abkehr einiger Jugendlicher von der Feuerwehr geführt habe.

Zurück nach Penzlin: „Die Jugendlichen bewiesen eine gute Zusammenarbeit, vor allem beim simulierten Großbrand“, zieht Jugendwart Menge nach dem Berufsfeuerwehrtag Bilanz. Eine richtige Herausforderung aber seien die Einsätze nicht gewesen, auch wenn das Großfeuer mit knapp zwei Stunden zu den längsten Einsätzen der Jugendfeuerwehr gehörte, resümierte der zwölfjährige Lukas Warnke selbstbewusst. Seit sechs Jahren gehört er zur Feuerwehr und findet es gut, „endlich mal wie die Aktiven zu sein“.

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