Baumsterben

Invasion der Borkenkäfer in Mecklenburg-Vorpommern

Der extreme Sommer 2018 ist Geschichte, seine Hinterlassenschaften nicht: Borkenkäfer haben sich in Fichtenbeständen sprunghaft vermehrt. Bedroht sind nahezu alle Wälder in MV. Den Förstern bleibt nur eine Möglichkeit, zu reagieren.
Petra Konermann Petra Konermann
Fraßspuren der Borkenkäfer-Larven. Sie kappen die Leitungsbahnen der Fichten, sodass die Bäume nicht mehr Nährstoffen und Wasser versorgt werden und absterben.
Fraßspuren der Borkenkäfer-Larven. Sie kappen die Leitungsbahnen der Fichten, sodass die Bäume nicht mehr Nährstoffen und Wasser versorgt werden und absterben. Petra Konermann
Revierförster Dirk Lauterbach markiert einen Fangbaum. Der Stamm wird mit einem Netz bedeckt, an dem sich ein Kontaktgift befindet, das den Käfer absterben lässt. Für Menschen ist das ungefährlich.
Revierförster Dirk Lauterbach markiert einen Fangbaum. Der Stamm wird mit einem Netz bedeckt, an dem sich ein Kontaktgift befindet, das den Käfer absterben lässt. Für Menschen ist das ungefährlich. Petra Konermann
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Kieve.

Der Sommer 2018 ist längst Geschichte. Doch er beschert dem Kiever Forst auch jetzt noch große Probleme in Form eines fiesen Holzzerstörers: der Borkenkäfer.

300 Fichten musste Revierförster Dirk Lauterbach inzwischen fällen lassen. Stattliche Bäume, die zwischen 60 und 80 Jahren alt waren und gut und gerne noch mindestens 20 Jahre hätten leben können. Zwei Arten des Borkenkäfers, der Buchdrucker und der Kupferstecher, sind für die zerstörten Fichten verantwortlich. „Der extrem heiße Sommer war ideal für den Borkenkäfer”, sagt Revierförster Lauterbach.

Fast jeder Baumbestand in MV ist betroffen

Die Tiere vermehrten sich sprunghaft. Die jungen Käfer fliegen aus, bohren sich in die Rinden der Fichten und legen ihre Larven hinein. Die Larven wiederum fressen sich durch die Leitungsbahnen der Fichten, die von unten Wasser in die Kronen bringen und aus dem Kronenbereich Zucker in den Wurzelbereich. Während die Borkenkäfer-Larven es sich gut gehen lassen, sterben ihre Wirte, die Bäume, weil ihre Lebensadern gekappt werden. Aus den Larven werden Käfer, die ausfliegen zum nächsten Baum, um dort wieder Larven abzulegen.

„Ein Kreislauf, der durchbrochen werden muss”, sagt Revierförster Lauterbach. Er weiß, dass nicht nur der Wald bei Kieve von den Borkenkäfern heimgesucht wird, sondern fast jeder Bestand im Land betroffen ist. „Egal, ob es sich um Kommunalwald, Privatwald oder um Wälder der Landesforst handelt”, sagt Dennis Futterlieb vom Forstamt Wredenhagen. Es sei an der Zeit, etwas gegen den Borkenkäfer zu unternehmen, so der Fachmann.

Kostenlose Beratung für Waldbesitzer

Das Fällen betroffener Bäume und das schnelle Herausbringen der Stämme aus dem Wald ist eine Maßnahme, um dem Kupferstecher und dem Buchdrucker Einhalt zu gebieten. Doch auch das gesamte Ast- und Kronenmaterial, das beim Fällen der Fichten anfällt, muss aus dem Wald geräumt werden. Dieses Material wird, so Förster Lauterbach, zu Holzschnitzeln verarbeitet und anschließend verbrannt: „Damit werden in Neustrelitz die Wohnungen geheizt”, sagt der Förster.

„Viele verkaufen jetzt ihre Fichten, die wegen des Borkenkäfers herausgenommen werden müssen. Das drückt natürlich den Preis”, sagt Revierförster Lauterbach. Für ihn ist daher klar, dass dorthin, wo vorher auf einem 7000 Quadratmeter großen Bereich die befallenen Fichten standen, demnächst andere Bäume gepflanzt werden: Buchen, Douglasien und Eichen.

Dennis Futterlieb vom Forstamt Wredenhagen erklärte, dass jeder Waldbesitzer, dessen Fichten-Bestände von Borkenkäfern befallen wurden, Unterstützung vom zuständigen Förster bekomme. „Die Beratung ist kostenlos”, sagt Futterlieb.