SPENDENAKTION

Grabstein für letzten Stavenhagener Juden

Auf einem Hamburger Friedhof hat der Verein „Alte Synagoge” das Grab eines geachteten Stavenhagener Juden ausgemacht.
Eckhard Kruse Eckhard Kruse
Der Davidstern ziert ein Fenster an der geretteten Synagoge in Stavenhagen. Max Nathan war 30 Jahr lang Vorsteher der jüd
Der Davidstern ziert ein Fenster an der geretteten Synagoge in Stavenhagen. Max Nathan war 30 Jahr lang Vorsteher der jüdischen Gemeinde. Eckhard Kruse
Das Haus am Markt 7 gibt’s nicht mehr. Hier hatten Meyer Nathan und Sohn Max Nathan ihr Geschäft.
Das Haus am Markt 7 gibt’s nicht mehr. Hier hatten Meyer Nathan und Sohn Max Nathan ihr Geschäft. Museum
Anstelle des kleinen Hauses steht nun ein modernes Wohn- und Geschäftshaus.
Anstelle des kleinen Hauses steht nun ein modernes Wohn- und Geschäftshaus. Eckhard Kruse
Die gerettete Synagoge in Stavenhagen: Max Nathan war 30 Jahre lang Vorsteher der jüdischen Gemeinde.
Die gerettete Synagoge in Stavenhagen: Max Nathan war 30 Jahre lang Vorsteher der jüdischen Gemeinde. Eckhard Kruse
Stavenhagen.

Für den Stavenhagener Juden Max Michael Nathan muss es schrecklich gewesen sein. Am 10. Juli 1942 musste er miterleben, wie acht jüdische Stadtbewohner zum Bahnhof getrieben und nach Au-schwitz deportiert wurden. Er selbst blieb als einziger Jude in Stavenhagen zurück. Allein und ohne Familie, weil er nie geheiratet hatte. Er war damit der letzte jüdische Einwohner von Stavenhagen.

Angesehener Bürger

Der Verein „Alte Synagoge Stavenhagen“ richtet seinen Blick derzeit auf diesen Mann, der in der Stadt sehr anerkannt war. Denn Max Nathan betrieb im Haus Markt 7 das Textilgeschäft seines Vaters Meyer Nathan weiter. Max Nathan war 30 Jahre lang Vorsteher der jüdischen Gemeinde und 25 Jahre lang Vorsitzender des Stavenhagener Handelsvereins. Sein Grab befindet sich auf einem jüdischen Friedhof in Hamburg-Ohlsdorf. Das habe das Hamburger Vereinsmitglied Gabriele von Malottki bei Recherchen herausgefunden, informierte der Vereinsvorsitzende Klaus Salewski.

Weil die Grabstelle nur eine Nummer hat und nur aus einer Rasenfläche besteht, würde der Verein an dieser Stelle gern einen Grabstein errichten. Er rief zu einer Spendensammlung auf. Die Summe von 4000 Euro sei zur Hälfte finanziert. Spenden können auf das Konto bei der Sparkasse Neubrandenburg-Demmin IBAN: DE32 1505 0200 0301 0098 56 eingezahlt werden. Salewski geht davon aus, dass Landesrabbiner William Wolff den Grabstein im November einweihen wird.

Aber was weiß man noch über Max Michael Nathan? „Er war ein geachteter Bürger in seiner Geburtsstadt“, so Salewski. Als Beispiel nannte er einen Artikel im Stavenhagener Tageblatt zu Nathans 70.  Geburtstag 1930. Darin wurde sein Wirken für die Entwicklung seines Berufsstandes gewürdigt. Man nannte ihn Freund der Armen und Betrogenen, weil er sich für die Rechte von Inflationsopfern eingesetzt hatte. 1934 lobte ihn sogar der Pfarrer der katholischen Gemeinde. Nathan hatte nämlich dafür gesorgt, dass der Handelsverein den Katholiken einen Altar stiftete. Zuvor hatte er auch mitgeholfen, dass katholische Gottesdienste ab 1911 in Stavenhagen möglich wurden.

Ungeklärte Todesumstände

1942 wurde Nathan nicht mit den anderen Juden deportiert. Er konnte sein Haus noch an die Stadt verkaufen, er zog nach Hamburg. Heute weiß man auch wieso, betonte Salewski. Nathan sei auf Grund seines hohen Alters zunächst in Stavenhagen zurückgelassen worden. Der 81-Jährige sollte dann wahrscheinlich mit anderen betagten Mecklenburger Juden im November 1942 über Berlin nach Theresienstadt deportiert werden.

Nathan kam in einem ehemaligen jüdischen Waisenhaus in Hamburg unter, er wohnte in einem Judenhaus in der Beneckestraße 6, das 1943 Sammelstelle für Hamburger Juden war. Kurz vor seiner Deportation nach Theresienstadt verstarb er dort am 24. April 1943. „Unter unbekannten Umständen“, so der Vereinschef.

Die ersten, die etwas über sein Schicksal herausgefunden hatte, waren ABM-Kräfte im Museum in den 1990er Jahren. Der Museumsmitarbeiter Michael Häcker schrieb in diesem Jahr in seiner Broschüre zur jüdischen Stadtgeschichte über Max Nathan.

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