WARNSTREIK

Deshalb standen die Busse der MVVG an der Müritz still

Wieder einmal blieben die Bushaltestellen leer. Die Solidarität mit den Fahrern ist groß. Doch nicht jeder hat die Kapazität, mit dem Busstreik umzugehen.
Die Busfahrer und Busfahrerinnen der Mecklenburg-Vorpommerschen Verkehrsgesellschaft fordern mehr Lohn.
Die Busfahrer und Busfahrerinnen der Mecklenburg-Vorpommerschen Verkehrsgesellschaft fordern mehr Lohn. Christine Gerhard
Waren.

In der Müritzregion konnte man gestern lange auf den Bus warten. Nur vier Busse, darunter zwei, die Fahrgäste mit Handicap befördern, fuhren an diesem Tag aus Waren. Dort, wie auch in Penzlin, Malchow und Röbel streikten etwa 45 Busfahrer und Busfahrerinnen für höhere Löhne und bessere Bedingungen.

„Es heißt, wir verdienen noch gut, verglichen mit manchen privaten Unternehmen“, ärgerte sich einer der Streikenden in Waren und verwies auf das niedrige tarifliche Einstiegsgehalt. Er und seine Mit-Streikenden finden einen Lohnanstieg berechtigt.

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Mit der aktuellen Vergütung sähen Busfahrer nicht optimistisch auf den Ruhestand. Viele würden auch noch als Rentner weiterfahren, weiß die Streikleiterin Andrea Moder. Trotz allem: „Es ist auffällig, dass die Anzahl der Krankentage bei Busfahrern sehr hoch ist“, sagte sie. Besonders belastend sind zudem die geteilten Dienste. Bis zu fünf Stunden könne die unbezahlte Schichtpause dauern. „Im Prinzip ist man den ganzen Tag für die Firma da“, sagte Busfahrer Detlef Fraatz.

Schulleiter zeigt Verständnis

Vor allem der Schülerverkehr, der 80 Prozent der Arbeit ausmache, ist anstrengend, nicht nur wegen des Lärms: „Zusätzlich zum Verkehr muss man noch aufpassen, was im Fahrgastraum passiert“, so Andrea Moder. Auch würden viele Fahrgäste immer aggressiver, erzählen die Busfahrer.

Viele Fahrgäste solidarisierten sich mit den Streikenden, und auch Schulen und Eltern haben sich mit den Busausfällen arrangiert. Auch wenn viele Schüler und Schülerinnen des Schulcampus Röbel sonst mit dem Bus fahren und im Sekretariat am Morgen etwa 75 Anrufe eingingen, zeigte Schulleiter Hans-Dieter Richter Verständnis: „Natürlich ist es schwierig, wir können keine Klassenarbeiten schreiben und nicht richtig mit dem Stoff weitergehen“, sagte er. Dank der Hilfe der Eltern hielten sich die Abmeldungen auch in der Fleesenseeschule in Malchow im Rahmen. Im Warener Wossidlo-Gymnasium fehlten acht Schüler.

Extra-Prämie für arbeitende Fahrer

Eine der Schülerinnen, die zu Hause bleiben musste, ist die Tochter von Heike Zoch. Heike Zoch ist wütend, nicht wegen des Streiks selbst, sondern weil die Verantwortung an die Eltern zurückfällt: „Nicht alle haben die Möglichkeit, mit dem Busstreik umzugehen“, sagte die alleinerziehende Mutter. „Und nicht alle haben Großeltern.“ Die Taxikosten sind hoch. Die Mutter sieht den Landkreis in der Verantwortung, die Schulfahrten im Hinblick auf die Schulpflicht auch an Streiktagen zu garantieren.

Torsten Grahn räumte unterdessen auf Nordkurier-Nachfrage ein, dass auch die MVVG den Fahrern eine Prämie versprochen hatte, damit sie doch zur Arbeit kommen. „Wir tun alles, um den Betrieb aufrechtzuerhalten“, so Grahn. Die Höhe der Prämie soll etwas unter der in Greifswald (100 Euro) liegen. Wie erfolgreich diese Maßnahme war, um Fahrer vom Streik abzuhalten, konnte der MVVG-Geschäftsführer am Donnerstag noch nicht sagen. Die Tarifverhandlungen gehen am 28. Januar weiter.

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