ANWOHNERINITIATIVE HAT VIEL ELAN

Der Gehweg muss saniert werden? Poppentiner packen selbst an

In Poppentin wurde ein neuer Gehweg angelegt, um Stolperfallen zu beseitigen. Mit viel Eigenengagement haben gut ein Dutzend Poppentiner das in nur zehn Tagen geschafft. Aber zunächst galt es, einige Hürden zu beseitigen.
Der neue Gehweg im Göhren-Lebbiner Ortsteil Poppentin ist ein Gemeinschaftswerk: Nico Herrmann (rechts) und alle anderen
Der neue Gehweg im Göhren-Lebbiner Ortsteil Poppentin ist ein Gemeinschaftswerk: Nico Herrmann (rechts) und alle anderen Einwohner im Bild opferten Freizeit, um beim Bau zu helfen. Die Gemeinde zahlte das Material. Susann Salzmann
Poppentin.

Würde im Landkreis der schnellste Bautrupp gesucht – 13 Jungs und Männer aus dem Göhren-Lebbiner Ortsteil Poppentin hätten gute Chancen auf diesen Preis. In nur zehn Tagen baute Nico Herrmann mit der tatkräftigen männlichen Poppentiner „Garde“ einen neuen Bürgersteig. Zusammengerechnet haben sie dafür 1300 Arbeitsstunden erbracht. Insgesamt ist der neue Weg 320 Meter lang und sorgt nun für mehr Sicherheit in dem kleinen Ort mit nur 91 Einwohnern.

Doch auf die Größe kommt es meist nicht an. Wenn der Wille da ist, kann man die sprichwörtlichen Berge versetzen – oder wie in Poppentin, Steine pflastern.

Kosten für Bürgersteig sind zu hoch

Die Idee für die Gehwegerneuerung entstand im Dezember 2019. Auf Anhieb fanden sich Leute, die für dieses Projekt bereit waren, die Ärmel hochzukrempeln. Das Eigenengagement hat sich für gleich mehrere Seiten bezahlt gemacht: zum einen für die Bürger. Für sie war der 47 Jahre alte Bürgersteig aus DDR-Zeiten mit seinen riesigen Löchern und weggeplatzten Borden zu einer großen Stolperfalle geworden. Zuletzt ähnelte er mit seiner löchrigen Struktur einem Schweizer Käse. Zwar konnte die Gemeinde Göhren-Lebbin für die Erneuerung keine ausreichenden finanziellen Mittel vorhalten, denn ein Kostenvoranschlag für den Gehweg bezifferte die Gesamtkosten auf etwa 90 000 Euro. Zu viel für die Gemeinde. Doch die Kommune wollte dem Wunsch der Bürger trotzdem Rechnung tragen: Göhren-Lebbin gab seinem Ortsteil ein 23 000 Euro schweres Versprechen. „Die Gemeinde übernimmt die Materialkosten, während wir als Anwohner bauen“, erzählt Nico Herrmann, der das Vorhaben nicht nur mit viel Elan, sondern auch mit fachlicher Erfahrung als Bauleiter anging. Dadurch hat die Gemeinde nun rund 70 000 Euro eingespart.

Bürokratische Hürden

Und der Gehweg ist fertig – trotz bürokratischer Widrigkeiten, die darüber Aufschluss geben, weshalb solche Anwohnerinitiativen zur eher selten praktizierten Realität gehören. Am 19. Januar, denkt Nico Herrmann zurück, hat er beim Amt Malchow einen Antrag auf Sanierung des Gehweges gestellt. Zunächst gab’s eine Absage. Als die Poppentiner nachfragten, wurde mit einer möglicherweise unter dem Gehweg liegenden Gasleitung argumentiert. Sind die Arbeiten für Nicht-Fachleute deshalb womöglich zu gefährlich? Als die Bewohner dieses durch Aufzeichnungen widerlegen konnten, drohte die Anwohnerinitiative am Problem einer fehlenden Versicherung bei eintretenden Schadensfällen zu scheitern.

Anglerverein hilft

Der Anwohnerverbund vertraute auf einen lokalen Akteur vor Ort – den Anglerverein. Der Poppentiner Angelverein hat eine Versicherung. „Die greift für Schäden bis zu 100 000 Euro“, sagt Herrmann, der wie der Rest seines Bautrupps den Verein als „Zünglein an der Waage“ bezeichnet. Ohne dessen Unterstützung hätte auch die Motivation, für den Heimatort etwas zu schaffen, nicht viel genützt. Übrigens musste die Versicherung wegen der Bauarbeiten nicht in Anspruch genommen zu werden.

Penibel Corona-Listen geführt

Die „Freizeit-Brigade“ verarbeitete 250 Tonnen Schotter und Stein und mischte immerhin zwischen fünf und sechs Paletten Zement. Da es keinen öffentlichen Platz in entsprechender Größe für die Materialien gab, stellte der örtliche Landwirt Lagerfläche zur Verfügung. Eine Riesen-Erleichterung für den beschaulichen Ort.

„Corona hat uns bei dem Projekt sogar in die Karten gespielt“, meint Anwohner Steffen Steinmüller, der eigentlich bei der Warener Straßenmeisterei arbeitet. Denn durch die besondere Situation waren alle zu Hause und konnten helfen. Mit der Lungenkrankheit angesteckt hat sich übrigens niemand, resümiert Nico Herrmann. Zur potenziellen Nachverfolgung erstellte er allerdings penibel Listen, damit mögliche Infektionsketten hätten nachvollzogen werden können.

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