EUROFIGHTER-ABSTURZ

Das sagt ein Lungen-Facharzt zu „fiesen Fasern“

„Fiese Fasern” treten längst nicht nur bei Bränden von Kampfjets aus, sondern mitunter schon bei Fahrzeugbränden. Werden die Partikel eingeatmet, kann es für die Betroffenen gefährlich werden.
Susann Salzmann Susann Salzmann
Im Bereich von Nossentiner Hütte und Silz lagen die Wrackteile verstreut. Die Bundeswehr durchkämmte ein 12,5 Hektar g
Im Bereich von Nossentiner Hütte und Silz lagen die Wrackteile verstreut. Die Bundeswehr durchkämmte ein 12,5 Hektar großes Gebiet nach den Überbleibseln. Petra Konermann
Christoph Schäper (links) ist Chefarzt der Warener Lungenklinik „Amsee“.
Christoph Schäper (links) ist Chefarzt der Warener Lungenklinik „Amsee“. Ingmar Nehls
In den Big-Bags wird kontaminiertes Material verstaut.
In den Big-Bags wird kontaminiertes Material verstaut. Susann Salzmann
Vorbereitende Maßnahmen vor dem Bodenaustausch liefen vergangene Woche an. Zeitnah wird nun die Dekontamination angegan
Vorbereitende Maßnahmen vor dem Bodenaustausch liefen vergangene Woche an. Zeitnah wird nun die Dekontamination angegangen. Susann Salzmann
Waren.

Wohl erst seit dem tragischen Unglück des Eurofighter-Absturzes, bei dem ein Pilot der Luftwaffe starb, ist der Begriff der „fiesen Fasern“ in aller Munde. Die Bundeswehr selbst schließt eine Kontamination „durch Stoffe in festem Zustand oder in Staub oder gasförmiger Form“ bei denjenigen nicht aus, die sich ohne Schutzausrüstung nahe der Absturzstellen bei Nossentiner Hütte und bei Jabel befunden haben. So heißt es von Uwe Weber, Oberstleutnant bei der Luftwaffe. Bei hohen Temperaturen über 650 Grad Celsius werden die Kohlestofffasern aus Kunststoffen freigesetzt und könnten bis zu einer bestimmten Größe in die Lunge geraten.

Akute Entzündungen und bösartige Erkrankungen möglich

Was sie dort verursachen können, weiß der hoch spezialisierte Pneumologe Dr. Christoph Schäper, seines Zeichens Chefarzt der Warener Lungenklinik „Amsee“ in Waren. Werden die Partikel eingeatmet, können „in den Atemwegen akute Entzündungsreaktionen“ entstehen, erklärt der Lungenfacharzt. Bei chronischer Ablagerung können laut Schäper unter anderem bösartige Erkrankungen hervorgerufen werden.

Rückblick: Der Oberstabsarzt des Bundeswehr-Sanitätsdienstes sprach zuletzt davon, dass sich im schlechtesten Fall sogar Lungenkrebs entwickeln könnte. Dazu müssen die Fasern jedoch auch in die Lunge gelangen, meinen Experten. Das ist nicht per se gegeben, sondern hängt von der Größe der Fasern ab. Um sich in dem lebenswichtigen Organ absetzen zu können, müssten die Partikel „im Durchmesser dünner als drei Mikrometer und ein Verhältnis von Länge zu Durchmesser von größer als drei“ aufweisen, formuliert Schäper in seiner Stellungnahme.

Chronische Reize etwa könnten auftreten, wenn sich die Ablagerung der Fasern in den Lungenbläschen nicht durch natürliche Reinigungsmechanismen des Organs entfernen ließe. Hilfreich dabei die sogenannten Fresszellen – Mediziner bezeichnen sie als Makrophagen. Durch Enzyme würden Fremdkörper abgebaut beziehungsweise unschädlich gemacht.

Krebserregend? Dazu fehlen Langzeituntersuchungen

Inwieweit die Kohlefaserverbundstoffe vor Ort eine Gefahr für Helfer und Beteiligte in und insbesondere ohne Schutzausrüstung gewesen ist, kann niemand genau einschätzen. Die Sprecher der Bundeswehr verweisen – genau wie der Pneumologe der Klinik Amsee – auf zahlreiche Faktoren, die die Konzentration beeinflussen, wie etwa die Windstärke. Viel ist über die Fasern nicht bekannt. Langzeituntersuchungen fehlen – dennoch stünden sie im Verdacht, krebserregend zu sein. Überdauern die Fasern mehrere Jahre in den Lungenbläschen, können bösartige Erkrankungen mitunter auch „erst“ nach etwa 20 Jahren auftreten.

Bislang haben sich noch keine Helfer an die Spezialklinik gewandt, die beim Eurofighter-Absturz dabei waren. Eine prüfende Untersuchung wäre in der Einrichtung auch nicht möglich, weil die Klinik lediglich bereits Erkrankten nach Überweisung hilft und keine Vorsorgechecks durchführe, heißt es von Nadine Nowak, Assistentin der Klinik-Geschäftsführung.

Bundeswehr bietet eigenen Sanitätsdienst als Ansprechpartner an

Die Bundeswehr selbst hat Bürgern und Helfern dagegen den bundeswehreigenen Sanitätsdienst in Koblenz als Ansprechpartner an die Seite gestellt, um beratend über potenzielle Gefahren und Risiken zu informieren (der Nordkurier berichtete).

An den Absturzstellen geht die Dekontamination weiter voran. Ballen mit dem Aufdruck „painting asbestos“ kommen dort zum Einsatz. Diese Big-Bags sind flexible, verschließbare Schüttgutbehälter, in denen Materialien zum Abtransport beziehungsweise zur Entsorgung gesammelt werden. „Vornehmlich werden in den Big-Bags asbesthaltige Produkte und künstliche Mineralfasern zur fachgerechten Entsorgung gesammelt. Daher eignen sie sich auch für möglicherweise mit Carbonfasern kontaminierte Medien und Materialien“, so Oberstleutnant Uwe Weber.

 

 

Sei Aschenbrödel! - Dein personalisierbares Märchenbuch zum Film!

Kommende Events in Waren

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Waren

zur Homepage