PROTEST

Bürger wollen keine Hühnerfarm im Dorf

Die Idylle von Panschenhagen ist gefährdet. Ein Investor will dort eine Bio-Legehennen-Anlage errichten. Die Einwohner sehen das kritisch. Und der Bürgermeister hat eine Idee, wie die Sache entschärft werden kann.
Friedemann Henschel weist darauf hin, dass der geplante Bio-Legehennenstall in einem Landschaftsschutzgebiet liegt.
Friedemann Henschel weist darauf hin, dass der geplante Bio-Legehennenstall in einem Landschaftsschutzgebiet liegt. Nadine Schuldt
Einwohner aus Panschenhagen haben sich eine Protest-Installation überlegt, um auf die Problematik aufmerksam zu machen.
Einwohner aus Panschenhagen haben sich eine Protest-Installation überlegt, um auf die Problematik aufmerksam zu machen. privat
Bettina Aderhold hat einen offenen Brief an die Verwaltung verfasst. Sie weist unter anderem darauf hin, dass die Hühnerf
Bettina Aderhold hat einen offenen Brief an die Verwaltung verfasst. Sie weist unter anderem darauf hin, dass die Hühnerfarm nicht in das historisch-touristisch geprägte Gebiet passt. Nadine Schuldt
So manch ein Einwohner aus Panschenhagen wollte auf der Gemeindevertretersitzung seine Meinung zu der geplanten Legehennen-Anl
So manch ein Einwohner aus Panschenhagen wollte auf der Gemeindevertretersitzung seine Meinung zu der geplanten Legehennen-Anlage los werden. Nadine Schuldt
Panschenhagen.

Die Panschenhagener laufen Sturm: An der Zufahrt zu dem kleinen Ort, der zur Gemeinde Grabowhöfe gehört, soll eine Bio-Legehennen-Anlage für etwa 12 000 Tiere entstehen. Noch dazu am Rande von einem Vogelschutz- und mitten in einem Landschaftsschutzgebiet. Auf einer Info-Veranstaltung am Montag sollten die Investoren dazu genauere Auskunft geben. Über 50 Einwohner wollten sich das nicht entgehen lassen. Doch sie wurden enttäuscht: Weder der Investor Fritz Horst Melsheimer noch ein Planer waren vor Ort.

Keine genauen Auskünfte

„Das Ganze wurde dann abgebrochen“, sagte Friedemann Henschel. Der Künstler wohnt in dem idyllischen Ort und hat dort seine Werkstatt sowie sein geschmackvoll gestaltetes Grundstück. Die Bürger seien ziemlich aufgebracht gewesen, weil auch der Vertreter des Investors keine genaue Auskunft geben konnte, erzählte er. Bürgermeister Enrico Malow wies jedoch darauf hin, dass man informieren wollte. Und: Man wolle das Thema gemeinschaftlich mit den Bürgern angehen.

„Ortsbild wird erheblich beschädigt”

Deshalb konnten die Panschenhagener am Dienstagabend bei der Gemeindevertreter-Sitzung erneut ihren Standpunkt erläutern. Einwohnerin Bettina Aderhold überreichte den Grabowhöfer Gemeindevertretern sogar einen „Offenen Brief“, in dem sie einige Gegenargumente aufzählte. „Wir befürchten die Gefährdung von Nistplätzen sowie die Gefährdung des Lebensraumes geschützter Tierarten wie beispielsweise Kraniche, seltene Raubvögel oder Rot- und Gelbbauchunken“, las sie vor. Zudem würde das Erscheinungsbild des Ortes und seiner Umgebung durch die Bio-Legehennenanlage erheblich beschädigt, trug sie weiter vor.

Abgeordnete: „Investor hat Bepflanzung zugesichert“

„Ist es heutzutage sinnhaft und nachhaltig, solch eine große Anlage in ein Landschaftsschutzgebiet zu stellen?“, fragte Friedemann Henschel. Könne man die Eier künftig in der Region kaufen, wollten andere Bürger wissen. Eine Antwort erhielten sie dazu nicht.

Knut Hellweg wollte von den Abgeordneten dagegen wissen, ob es auch eine Bepflanzung um die Anlage herum geben werde. Er habe den Bau-Antrag eingesehen und konnte nichts dazu entdecken. Er habe gehört, dass es auch keine Bepflanzung geben könne, da ein Vogelschutzgebiet gleich an die Anlage angrenze. Dem widersprachen die Abgeordneten. „Der Investor hat uns eine Bepflanzung zugesichert, da sie auch als Schutz vor Greifvögeln dient“, sagt Gemeindevertreterin Inge Behm. Zudem sei auch das Innengehege bepflanzt, ergänzte die Abgeordnete Angela Wagner.

Ähnliche Anlage besichtigt

Einige Abgeordnete waren vor einigen Tagen in Neukalen und haben sich dort eine entsprechende Bio-Legehennenanlage angeschaut. „Der Kot der Tiere wird in geschlossenen Rohren abtransportiert und auch der entsprechende Behälter ist demnach verschlossen“, sagte Inge Behm zur Geruchsbelästigung. Gelärmt hätte es ebenfalls nicht. Alles sei sehr sauber und sie angenehm überrascht gewesen. Allerdings könnten nun durch das Gespräch mit den Bürgern auch Dinge fixiert werden, die die Einwohner ablehnen.

Bürgermeister denkt an Flächentausch

Bürgermeister Enrico Malow brachte im Hinblick auf die ablehnende Haltung der Bürger noch eine andere Möglichkeit ins Spiel. „Ich habe die Idee eines Flächentausches, sodass man die Anlage von dem jetzigen Standort wegbekommt“, sagte Malow. Ob das möglich ist, ist derzeit sehr unklar. Wie es von einer Kreissprecherin heißt, liege der Bauaufsichtsbehörde des Landkreises ein Antrag zur Errichtung einer Legehennen-Anlage vor und befinde sich derzeit in der Prüfung. Dabei werden auch verschiedene Ämter und Behörden einbezogen. Die Gemeinde Grabowhöfe muss bis zum 11. November eine Stellungnahme abgeben. Abschließend gibt dann die Bauaufsichtsbehörde ihr Okay – oder eben nicht.

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