AMTSGERICHT WAREN

150 Fahrten ohne Führerschein: Ex-Soldat zeigt vor Gericht viel Reue

Ein 34-Jähriger pendelte regelmäßig ohne Fahrerlaubnis. Durch die Tat verlor er einen Platz in seiner Kompanie – und auch seine Freiheit.
Haben ihn die Fahrgemeinschaften einmal nicht bis zur Arbeit und wieder zurück gebracht, setzte sich ein Neustrelitzer se
Haben ihn die Fahrgemeinschaften einmal nicht bis zur Arbeit und wieder zurück gebracht, setzte sich ein Neustrelitzer selbst hinters Lenkrad – und zwar wiederholt. Jetzt ist die Reue bei dem Mann groß. Archiv
Waren.

Geläutert nahm ein 34 Jahre alter Mann auf der Anklagebank des Warener Amtsgerichtes Platz. In den Worten des Mannes konnten Staatsanwältin und Richter Roland Traeger Reue über seine Taten heraushören. Wäre es nach der Staatsanwaltschaft gegangen, hätte der Vater einer fünfjährigen Tochter dennoch hinter Gitter gemusst – wurden ihm doch zwischen Juni 2018 und Juni 2019 insgesamt 150 Fahrten ohne Fahrerlaubnis nachgewiesen.

Dass er der Tat schuldig ist – daraus machte der gelernte Fahrzeuglackierer ebenso wenig einen Hehl wie aus seinem Sinneswandel: Mehrfach beteuerte der Neustrelitzer, wie leid ihm das Ganze tue. Sein gesetzeswidriges Verhalten begründete er vor Gericht mit notwendigen Fahrten zur Arbeit in die Bundeswehr-Kaserne nach Torgelow und wieder zurück nach Hause, um seine Familie zu sehen.

„Ich hatte noch nie eine Fahrerlaubnis, habe aber schon oft mit dem Führerscheinkursen angefangen, die dann aber abgebrochen“, erklärte der junge Mann dem Gericht und erzählte penibel, welche Folgen diese angesammelten Delikte für ihn hatten. Rund acht Jahre diente der Angeklagte der Bundeswehr, der ehemalige Oberstabsgefreite wollte sogar noch um vier Jahre verlängern. Die Aussichten darauf standen gut. „Ich war auf Kampfmittellehrgang und hatte einen Platz auf einem Schützenpanzer für einen Einsatz in Afghanistan“, sagte der Beschuldigte, für den die illegalen Fahrten nun auch das Aus bei der Bundeswehr bedeuteten. Die größte Demütigung für ihn: Statt eines feierlichen Kompanie-Abschieds sah sein letzter Arbeitstag im vergangenen Januar etwas nüchterner aus – drei Beamte führten ihn von seiner Arbeitsstelle ab.

Schon 2018 wegen ähnlicher Taten verurteilt

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln wäre der 34-Jährige aber weder pünktlich zum Dienstantritt bei seiner Kompanie noch abends unkompliziert nach Neustrelitz gekommen. Häufig gab es Fahrgemeinschaften. Fielen die aus, setzte er sich selbst hinters Steuer und beging auf seinen Fahrstrecken sogar die eine oder andere Ordnungswidrigkeit. Weil Geschwindigkeitsübertretungen bei einer Straftat aber hintenan stehen, werden diese nicht bestraft. Zahlreiche Briefe dokumentierten seine Verstöße. Aus Angst aber blieben viele Kuverts ungeöffnet.

Grund zur großflächigen Gnade für den Angeklagten hatte die Staatsanwältin trotzdem nicht. „Es mag aller Ehren wert sein, die Tochter jeden Tag zu sehen“, begann die Staatsanwältin mit ihrem Plädoyer. Die Tochter „vorzuschieben“, sei nun aber längst kein Grund mehr. Immerhin wurde der Mann bereits im August 2018 wegen desselben Deliktes zu einer Geldstrafe in Höhe von 600 Euro verurteilt. Da er noch jenem sowie auch im Folgejahr durch wiederholtes Fahren ohne Fahrerlaubnis auffiel, erhielt er eine Bewährungsstrafe. Doch keine der vorherigen Urteile scheinen den Mann zur Einsicht gebracht zu haben. Aus diesem Grund musste er sogar gute zwei Monate ins Gefängnis – die Bewährung wurde wegen erneuter Delikte widerrufen.

Angeklagter darf seine Ausbildung fortsetzen

Eine große Portion Einsicht zeigte der Mann dagegen vor Gericht. Glaubwürdig versicherte er Richter Roland Traeger, dass nicht nur die Gefängnisgitter, sondern auch die Enttäuschung seiner Familie und seiner Kompanie es sind, die ihn nun auf einen geraden Pfad führen sollen. Beim entschuldigenden Schlusswort verdrückte der Mann sogar Tränen mit Blick auf die Probleme, die seine Führerscheinlosigkeit mit sich brachten.

Da sich der Angeklagte in der Verhandlung überaus reuig zeigte, gab ihm Roland Traeger mit seinem Urteil eine Chance, seine begonnene Ausbildung als Binnenschiffer fortzusetzen. Die aufgebrummte Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten gewährleistet, dass er seine Ausbildung fortsetzen kann. Einen Führerschein darf er vor Ablauf dieses Zeitraumes allerdings nicht erhalten. Außerdem soll er 1000 Euro an die Staatskasse zahlen.

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