Kein Hortplatz
Zehnjährige musste einsam an Bushaltestelle warten

Am Abzweig Boddin war die Heimfahrt für die Schülerin zweimal wöchentlich erst mal zu Ende.
Am Abzweig Boddin war die Heimfahrt für die Schülerin zweimal wöchentlich erst mal zu Ende.
Eberhard Rogmann

Monatelang kämpfte eine Bodddinerin um einen Hortplatz für ihre Tochter. Die hatte auf der Heimfahrt keinen direkten Busanschluss in ihr Dorf.

Der Anruf am Lesertelefon des Nordkurier erschien Stephanie Stüwe der letzte Rettungsanker. Seit Wochen kämpfte die Mutter aus Boddin um einen Hortplatz für ihre Tochter. Ohne Erfolg. Auf ihre Anträge erhielt sie immer wieder nur Absagen. Die Mutter war verzweifelt.

Ihre Tochter besucht seit August die Förderschule in Teterow. Dorthin fährt sie mit dem Schulbus. Problematisch ist die Rückkehr nach Hause. „An zwei Tagen in der Woche hat sie früher Schluss und kommt mit dem Mittagsbus. Der setzt sie am Abzweig Granzow ab. Ich habe keine Möglichkeit, sie dort abzuholen“, schilderte die Mutter. Solange ihr Mann zu Hause war, übernahm er das Abholen. Doch seit Anfang November arbeitet er. Damit ist das Auto der Familie nicht vor Ort. Doch selbst gesetzt den Fall, ein Auto wäre verfügbar – Stephanie Stüwe ist nicht im Besitz einer Fahrerlaubnis. Da war guter Rat teuer.

87-Jähriger hilft verzweifelter Mutter

„Ich kann das Kind doch nicht dort stehen lassen. Montags würde sie eine Dreiviertelstunde auf den nächsten Bus warten müssen, am Mittwoch beträgt die Wartezeit sogar zwei Stunden“, schilderte die Mutter die Notlage. Dabei verwies sie auf die zunehmend winterliche Witterung. Sie hatte sich schon in der Nachbarschaft um Unterstützung bemüht. In der Tat zeigte sich jemand hilfsbereit. Ein älterer Dorfbewohner holte die einsam wartende Zehnjährige mehrmals von der Bushaltestelle an der Landstraße ab.

Doch eine Lösung ist das nicht. „Der Mann ist 87 Jahre alt. Ich bin ja dankbar für die Gefälligkeit. Aber man muss angesichts des Alters immer damit rechnen, dass er nicht fahren kann. Auch angesichts des beginnenden Winters muss eine andere Lösung her.“ Frau Stüwe schaltete mittlerweile eine Anwältin ein und legte Widerspruch gegen den ablehnenden Bescheid vom Schulamt des Kreises ein.

Bescheid für Hort-Platz erteilt

Ihre Hartnäckigkeit sollte sich auszahlen. Wie der Landkreis Rostock dieser Tage auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte, erging zu Wochenbeginn der Bescheid für einen Teilzeit-Hortplatz für das Kind. Damit werde das Betreuungsproblem im Interesse der Familie gelöst.

„Die Entscheidung konnte nach dem neuerlichen Bedarfsantrag vom 15. November getroffen werden. Mit nun besserer Kenntnis der familiären Verhältnisse und auf Grund der neuen Arbeitsstelle des Vaters ist es möglich, die Teilzeitbetreuung in einem Hort einzurichten“, heißt es aus dem Güstrower Landratsamt.