DDR-Design
Teterow ist machtlos gegen den nackten Betonklotz

Ein hässlicher Betonklotz, der so gar nicht ins Stadtbild passt, ist das alte Landratsamt. Seit Jahren steht das privatisierte Gebäude leer.   
Ein hässlicher Betonklotz, der so gar nicht ins Stadtbild passt, ist das alte Landratsamt. Seit Jahren steht das privatisierte Gebäude leer.
Eberhard Rogmann

Gärten mussten Anfang der 1990er weichen für den Bau eines Bürosilos. Nach vier Jahren brauchte niemand diesen Klotz mehr. Doch er verschwindet nicht.

Bauland ist rar in Teterow. Schon im Sommer beauftragte die Stadtvertretung die Verwaltung – einem Antrag der CDU folgend – bis Jahresende potenzielle Flächen für eine Wohnbebauung auszuweisen. Dies vor dem Hintergrund, dass mehrere ortsansässige Firmen in Größenordnungen investieren und ihre Produktion zu erweitern beabsichtigen.

Das geht mit einem erhöhten Arbeitskräftebedarf einher. Zuzug ist also in den kommenden Jahren zu erwarten. Warum aber soll von diesem Segen nur das Umland profitieren? Die Stadt möchte von dem Kuchen ein gebührendes Stück abhaben.

Eigentumsverhältnisse als Hürde

Doch die Situation ist schwierig. Zwar gibt es in der Innenstadt einen nicht unerheblichen Leerstand. Doch sind hier die Häuser meist stark sanierungsbedürftig. Dazu kommt, dass die Grundstücke oft sehr klein ausfallen und kaum Platz für etwas Grün bieten. Die Eigentumsverhältnisse sind eine weitere Hürde.

Angesichts dieser Umstände fragte der Stadtvertreter Wolfgang Schweder (CDU), ob man nicht einen Rückkauf des einstigen Landratsamtes ins Auge fassen könne. Der Betonklotz steht im Innenhof der Arbeitsagentur in der Rostocker Straße. Ein durchaus attraktiver Wohnstandort. Wenngleich die Architektur der vorhandenen Gebäude derzeit eher das Gegenteil ist: Zwei Fünfgeschosser in nacktem Beton des DDR-Designs.

Frust in der Stadt

Wolfgang Schwedler konnte nicht ahnen, welchen Frust er mit seiner Frage auslöste. „Wir können da nichts machen. Punkt“, lautete die ebenso knappe wie offensichtlich sarkastische Antwort von Stadtrat Uwe Rethmeyer. Der dann doch noch die Umstände erläuterte.

Der Gebäudekomplex war als Verwaltungssitz des Kreises Teterow in der Wendezeit errichtet worden. Nach der Kreisgebietsreform 1994 zog die Verwaltung jedoch nach Güstrow. Nur wenige Büros blieben zunächst hier als Außenstelle erhalten. Doch auch dies war dem Landkreis zu teuer und er gab die Immobilie in eine Auktion.

Eigentümer: Stadt soll Schriftverkehr einstellen

Ein Privatmann in Frankfurt am Main erwarb die Gebäude laut Rethmeyer für einen fünfstelligen Betrag. Genutzt wurden sie seither nicht. Nachdem die verwaisten Häuser Zielscheibe von Vandalismus wurden, forderte die Stadt den Eigentümer zur Sicherung des Objektes auf. Daraufhin wurden die Fenster, bis auf wenige in den oberen Etagen, mit Holzplatten vernagelt. So stehen die Gebäude nun seit Jahr und Tag.

Die Stadt hatte in der Vergangenheit wiederholt Kontakt zu dem Eigentümer aufgenommen und verschiedene Angebote unterbreitet. So lotete man die Möglichkeit eines Rückkaufes aus. Auch Städtebaufördermittel wurden in Aussicht gestellt. Ohne Erfolg. „Wir fanden keinerlei Interesse. Im Gegenteil, es gab Drohungen und wir wurden aufgefordert jeglichen Schriftverkehr einzustellen“, beklagt der Stadtrat.

In seinen Augen handelt es sich um ein Spekulationsobjekt, dessen Wert mittlerweile im „höheren sechsstelligen Bereich“ liege. Uwe Rethmeyer wiederholt seine Feststellung: „Wir können da nichts machen. Von dem Grundstück geht keine Gefahr aus. Da brennt nichts und es fällt nichts runter. Punkt.“