Rechnung für Ausfahrten

Polizei kassiert künftig Blaulicht-Gebühr

Bisher reichte ein freundlicher Händedruck bei den Beamten, die etwa Biker- oder Oldtimer-Ausfahrten begleiten. In Zukunft kostet die Polizei-Begleitung aber Geld. Doch wer muss bezahlen?
Torsten Bengelsdorf Torsten Bengelsdorf
Zu den Biker-Ausfahrten rund um Malchin macht die Polizei jedes Mal die Straße frei – das ist künftig gebührenpflichtig. Der Veranstalter ist darüber wenig amüsiert. 
Zu den Biker-Ausfahrten rund um Malchin macht die Polizei jedes Mal die Straße frei – das ist künftig gebührenpflichtig. Der Veranstalter ist darüber wenig amüsiert. Torsten Bengelsdorf/NK-Archiv
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Malchin.

Die Vorbereitungen für das 26. Biker-Treffen Anfang Mai in Malchin laufen bereits auf Hochtouren. Da kommt auf die Veranstalter jetzt ziemlich unerwartet eine ganz neue Gebühr zu, die sie bisher noch gar nicht auf dem Zettel hatten und die nun für viele Diskussionen sorgen dürfte.

Ab diesem Jahr will sich die Polizei nämlich ihre Einsätze zum Absichern von Motorrad- oder anderen Ausfahrten bezahlen lassen. Die Begleitung durch Polizei-Fahrzeuge sei fortan kostenpflichtig, bestätigte Kathrin Jähner von der Polizeiinspektion Neubrandenburg. Um derartige Einsätze hatte es in der Vergangenheit auch in anderen Regionen des Landes schon des Öfteren Ärger gegeben.

Polizei: Der Aufwand hat sich erhöht

So neu sei die Möglichkeit für die Beamten, Rechnungen für derartige Einsätze zu schreiben, nicht. Allerdings wurde dies bisher so gut wie nie praktiziert. „Doch solche Veranstaltungen wie das Biker-Treffen in Malchin werden immer größer und damit erhöht sich auch der Aufwand für uns bei verkehrstechnischen Maßnahmen wie Straßensperrungen oder beim Begleiten der Ausfahrten“, erklärt die Polizeisprecherin. Es gehe auch um Gleichbehandlung, da etwa für die Begleitung von Schwerlasttransporten bereits gezahlt werden muss.

Zur Kasse bitten wird die Polizei künftig vor allem bei kommerziellen Veranstaltungen, zu denen eben auch das Biker-Treffen zählt. Ziemlich sauer darauf reagierte auch Reinhard Hassemer: „Das geht ja gar nicht. Wir holen die Leute aus vielen Teilen des Landes und ganz Deutschland hierher, bereichern damit Mecklenburg und sollen jetzt auch noch dafür zahlen“, schimpft der Veranstalter des Motorradtreffens. 25 Jahre habe man für die Ausfahrt keine Gebühr bezahlt. „Und nun beim 26. Treffen soll sich das ändern?“

„Ein paar Euro werden wir noch übrig haben”

Kein Problem mit der neuen Blaulicht-Gebühr hat Jörg Steingraf, der Chef des Marcus- und Jürgenstorfer Oldtimer-Clubs, die beide für ihre Rundfahrten mit historischen Karossen und Zweirädern bekannt sind. „Wenn die Polizei dabei ist, gibt einem das immer ein sicheres Gefühl, die Kolonne bleibt zusammen, das ist einfach besser so. Da werden wir die paar Euro auch noch übrig haben“, sagt Steingraf.

Die Höhe der Abgabe werde sich nach dem Aufwand richten, also danach, wie viele Beamte wie lange im Einsatz sind. Berechnet werde die Summe von einer Stelle „Kosten und Gebühren“ beim Polizeipräsidium, so die Sprecherin.

Kommentare (5)

Richtige Entscheidung für solche individuellen Massenaufläufe die Gebührenordnung gelten zu lassen. Hoffentlich kommt das auch noch bei den irren Fußballspielaussschreitungen der Fans zum tragen. Denn wer den Spaß haben mag, muss auch dafür zahlen und nicht die Allgemeinheit!

Warum muss das überhaupt im öffentlichen Verkehrsraum stattfinden? Es gibt genug stillgelegte Flugplätze, da können sie den ganzen Tag im Kreis fahren ohne das da auch nur eine Polizeistreife involviert sein müsste. Und das geknatter aus den friesierten Auspuffrohren würde auch niemanden stören.

HIHRKE : Nicht jedes Auspuffrohr ist frisiert und knattert ! Bei den Ausfahrten geht es auch darum, die Landschaft zu genießen, oder was meinen Sie (bitte nicht antworten) warum Fahrer aus ganz Deutschland kommen ? Hoffentlich wird die Blaulichtgebühr auch dahingehend ausgeweitet, das Veranstalter von Demonstrationen und diejenigen die besoffen gegen Bäume fahren und durch Feuerwehr und Polizei geborgen werden müssen zur Kasse gebeten werden.

Auch ich bin sehr für Gleichbehandlung. Die Absicherung von Biker- oder Oldtimer-Ausfahrten gehört sicher nicht zu den Kernaufgaben der Polizei. Soll also ruhig eine Gebühr bezahlt werden. Das Gleiche dürfte aber auch auf die polizeilichen Sicherungsmaßnahmen bei Fußballspielen gelten, die nicht selten einen weitaus höheren Einsatz der Ordnungskräfte unter Gefährdung ihrer Gesundheit erfordern. Bislang bezahlen die Fußballklubs dafür nichts. Also: bitte Gleichbehandlung!

Schutz vor Fußballidioten sollte auch mit Rechnung an den Veranstalter erfolgen. Ich höre schon den Aufschrei der Clubs: "Unsere schönen Gewinne!" Wie viel Gewinn (Geld!) machen eigentlich Biker und Oldtimerfans bei ihren Ausfahrten?